Politische Korrektniks gegen Israel

Meine Rezension des Buches “Der neue Antisemitismus” von Phyllis Chesler erschien heute in der Berliner Literaturkritik (Online-Ausgabe).

Veröffentlicht in: on Oktober 5, 2005 at 4:17 Uhr nachmittags Kommentare (7)

Simplistic and proud of it

Am Dienstagabend war es uns vergönnt, dem liberal hawk Christopher Hitchens auf einer Veranstaltung des Aspen-Instituts zu lauschen. „The right war at the right time“ war der Titel der Veranstaltung, und es ging, wie man sich denken kann, um den Irakkrieg. Daß die Veranstaltung in einer Kreuzberger Kneipe stattfand, erfreute den bekennenden Trinker Hitchens sehr: In einem solchen Umfeld blühe er auf. Dem Moderator Jeffrey Gedmin oblag es dann auch, während des Vortrags mehrfach Whisky für Hitchens holen zu gehen. Das illustre Publikum erschien zahlreich. Hannes Stein: „Wenn ein Selbstmordattentäter im Raum ist, dann ist es um die prowestliche Publizistik in Deutschland geschehen.“Der Engländer Hitchens, seit seinem 15. Lebensjahr Labour-Mitglied und überzeugter Linker, wiederholte noch einmal alle vernünftigen Argumente für den Irak-Krieg. Was er hinzuzufügen hatte, war das erfrischende Pathos der Befreiung, das er den linksliberalen Isolationisten des Westens entgegenschmetterte. Es stünde uns, so Hitchens, keineswegs frei, diesem Krieg fernzubleiben, weil er so inhuman sei. Wir befänden uns in diesem Krieg, das sei Fakt, und jeder Rückzug nütze der Gegenseite, dem neuen Faschismus. „Die Antikriegsbewegung ist in Wirklichkeit eine Prokriegsbewegung, nur unterstützt sie die andere Seite.“

Hitchens macht sich keine humanitär-grünen Illusionen über den Charakter von Kriegen: Es geht darum, den Feind zu besiegen, bevor er einen besiegt, sonst nichts. Naiv sei es allein, so zu tun, als gebe es keine Feinde, die uns – das heißt: alle Westler, alle Demokraten – töten wollen, wie die jüngsten Anschläge in Bali wieder gezeigt hätten. Dort ging es nicht gegen den westlichen Imperialismus, sondern gegen die säkulare Demokratie in Bali.

Hitchens: „Die Kriegsgegner sagen, wenn wir einen Bin Laden töten, dann kommen sofort 10.000 andere, die seinen Platz einnehmen wollen. Meine Antwort: Okay, dann müssen wir diese 10.000 eben auch töten.“ Ist das nicht ganz furchtbar zynisch und inhuman? Oder ist Hitchens nicht einfach einer der letzten Vertreter eines wohlverstandenen Eigeninteresses, das viele Multikulti-Europäer (und -Amerikaner) – aus Naivität oder aus westlichem Selbsthaß – preisgeben?

Widerspruch aus dem Publikum kam vor allem von Seiten linker Amerikaner, namentlich von einem Vertreter der Democrats abroad und einer Gewerkschafterin, die der Meinung war, die US-Truppen müßten aus dem Irak abziehen, wenn die Mehrheit der Iraker das wünsche, was im übrigen der Fall sei, was sie aus persönlichen Gesprächen mit einigen Irakern wisse. Wer solle eigentlich über einen Abzug der US-Army entscheiden, die Amerikaner oder die Iraker? Hitchens erwiderte darauf, die Iraker hätten sich per Mehrheitsentscheid bereits für die weitere Präsenz der US-Truppen ausgesprochen, indem sie auf demokratischem Wege einen Präsidenten gewählt hätten, der sich dezidiert für einen Verbleib der Amerikaner ausspricht. Im übrigen hätten die Amerikaner sehr wohl ein Wörtchen mitzureden, da es auch um eigene Interessen gehe, nicht um Öl-, wohl aber um Sicherheitsinteressen – um den Schutz der westlichen Gesellschaften vor islamischem Terror.

Ob sein Freund-Feind-Schema nicht arg vereinfachend sei, wurde gefragt. Nun, es gebe nun einmal Feinde, die mich töten wollen, so Hitchens. Für die wolle er nicht auch noch Verständnis aufbringen. „I’ve become simplistic – and proud of it.“

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