Bekanntlich waren einige von uns eine ganze Zeit lang der linken Zeitschrift Bahamas eng verbunden. Die Redakteure und Autoren der Bahamas waren diejenigen, die, aus der Linken selbst heraus, den linken Antisemitismus und Antizionismus, den Haß auf Amerika und den Liberalismus, die Islamismusapologie, den westlichen Selbsthaß und die ganzen anderen Scheußlichkeiten angegriffen haben und sich dafür von ebendieser Linken allen nur erdenklichen Schmähungen ausgesetzt sahen. Genau dafür haben wir die Bahamas geliebt, doch irgendwann kam der Punkt, da wir die ganze mitgeschleppte Kapitalismus- und Entfremdungskritik, gelinde gesagt, nicht mehr recht überzeugend fanden. Da mußte man sich dann eben trennen. So weit, so gut, nicht weiter dramatisch.
In einem kürzlich veröffentlichten Aufruf zu einer „antideutschen Konferenz“ überraschte uns die Bahamas indes mit erstaunlicher Anhänglichkeit. Über mehrere Seiten arbeiten die Autoren sich an der liberalen Wende ihrer ehemaligen Mitstreiter ab, unterziehen deren proisraelische Haltung einer kritischen Würdigung, warnen aber dennoch vor den notwendigen unangenehmen Implikationen, die der Liberalismus mit sich bringe, und bekräftigen die Notwendigkeit kommunistischer Kritik. Inhaltlich liegen wir mit diesem Text natürlich völlig über Kreuz.[1] Uns hat dennoch der relativ moderate Ton und sachliche Stil angenehm überrascht. Wer die Bahamas kennt, weiß nämlich, in welchem Ton sie ehemaligen Weggefährten oft hinterherschreibt. Das war hier nicht der Fall, das wußten wir zu schätzen, und so haben wir uns auf eine faire Auseinandersetzung zwischen erzogenen Menschen eingerichtet.
Kurz darauf mußten wir allerdings erfahren, was ein einzelner (ehemaliger?) Bahamas-Redakteur von sich gibt, wenn er in einer semi-öffentlichen Mailingliste Klartext redet.[2] Das klingt dann so:
[...] Den neuen Liberalen sind “Israel” wie “Antisemitismus” nur Vorzeichen der gesellschaftlichen Einrichtung im Unwahren. Ich finde dies die unheimlichste und befremdlichste Form von Auseinandersetzung mit dem Vernichtungsinteresse, weil es zugleich seine Existenz aufrechterhält, ohne seine Konsequenz denken zu wollen. Aber das gehört zum liberalen Gestus dazu, daß man die kritische Erkenntnis scheut, wo sie der Ideologie widersprechen könnte. (mehr…)