EinE LeserInnenbriefschreiberIn der taz fügt den vielen Theorien über die Gründe der Randale in Frankreich noch eine weitere hinzu:
Die eigentlichen Probleme sind, vollkommen offensichtlich und vollkommen ignoriert, geschlechtsspezifischer Art. Randalieren tun nicht “die Jugendlichen”, sondern zu 100 Prozent junge Männer. Die Frauen räumen auch hier im Hintergrund auf und halten den Kram zusammen. Es ist also möglich, friedlich zu bleiben - unter exakt denselben Verhältnissen, in genau derselben trostlosen Lage (wenn nicht noch trostloser). “Sozial” und “ethnisch” bedingte Gewalt ist zuallererst geschlechtsbedingt, sonst würden Frauen permanent und überall zuschlagen.
Permanent und überall, in Schweden wie in Afghanistan, heute wie vor tausend Jahren, kein Fortschritt, keine Verbesserung, nirgends. Frauen waren und sind Opfer, Hoffnung gibt es keine, permanent müßte eigentlich zugeschlagen werden, es gibt keine Ruhepause, keine Zeit für Kino, Kneipe, Klönen, immer gälte es, die Unterdrückung zu bekämpfen, doch, ach, es fehlt die Zeit, Frauen müssen ja im Hintergrund aufräumen und den Kram zusammenhalten.
Es gibt offenbar kein Thema, auf dem die Männer-sind-scheiße-und-Frauen-sind-Opfer-Fraktion nicht ihr Süppchen kochen würde. Doch abgesehen von der durchaus anfechtbaren Behauptung, die Gewalttäter in den Banlieues seien zu 100 Prozent männlich, ließe sich, ein unbefangener Blick vorausgesetzt, durchaus fragen, ob die gleichaltrigen Geschlechtsgenossinnen der Kaputtmacher wirklich im Hintergrund aufräumen (darüber gab’s jedenfalls noch keine Berichte), oder ob nicht vielmehr derjenige, der die meisten angezündeten Autos vorzuweisen hat, auch das meiste Prestige bei jenen erwirbt. Würde männliche Gewalt weiblicherseits konsequent mit Mißbilligung und Liebesentzug quittiert, gäbe es kaum welche.
Die jungen und schlecht bezahlten Polizisten, die - unter anderem für diejenigen in den Banlieues, die lieber ihren Frieden haben wollen - ihren Kopf hinhalten und tatsächlich versuchen, den Kram zusammenzuhalten, sind übrigens zu einem mindestens ebenso großen Prozentsatz männlich wie die Randalierer. Aber das gilt wohl nicht. Sind schließlich die Bullen des Patriarchats.