Manès Sperber

Heute vor 100 Jahren wurde in Zablotów (Ostgalizien) als Sohn eines Rabbiners der Schriftsteller Manès Sperber geboren. In Wien studierte er Psychologie und wurde Mitarbeiter von Alfred Adler. Später überwarf er sich mit Adler und trat in die Kommunistische Partei ein, der er 1937 den Rücken kehrte. Vor allem in Deutschland galt der engagierte Antitotalitarist als Kalter Krieger und Kommunistenfresser. Ehrenbezeichnungen, wie wir finden. Sperber starb am 5. Februar 1984 in Paris.

Zu seinem hundertsten - und auch sonst - lohnt es sich, zwei seiner Essays aus den dreißiger Jahren zu lesen, Der totalitäre Staat (1939) und Zur Analyse der Tyrannis (1937).

Veröffentlicht in: on Dezember 12, 2005 at 1:16 Uhr nachmittags Kommentare (1)

André Glucksmann: Hass

In der heutigen Ausgabe des Tagesspiegel erscheint meine Rezension des letzten Buches von André Glucksmann “Hass. Die Rückkehr einer elementaren Gewalt”:

Wer hasst, ist selbst dran schuld
André Glucksmann findet die Ursache des Hasses in jenen, die sich diesem elementaren Gefühl hingeben

Von Ingo Way

Für den französischen Philosophen André Glucksmann ist das Phänomen des Hasses, wie er sich im islamischen Terrorismus, aber auch in den Krawallen in Frankreich zeigte, keine bloße Metapher für sozial unerwünschtes Verhalten. Er lässt sich auch nicht mit soziologischen oder kulturellen Erklärungen bannen, sondern ist eine psychologische und anthropologische Tatsache, eine Grundeigenschaft der menschlichen Spezies, die im Prinzip jederzeit mobilisiert werden kann. In seinem jüngsten Buch „Hass. Die Rückkehr einer elementaren Gewalt“ führt er aus, dass der Grund für den Hass nicht beim Objekt des Hasses zu suchen ist, sondern im Hassenden selbst liegt. (mehr…)

Veröffentlicht in: on at 12:01 Uhr vormittags Kommentare (6)