Hitchens über Fukuyama

Im New York Times Magazine vom 19. Februar (leider nicht kostenlos online) verkündete der neokonservative Vordenker Francis Fukuyama seinen Abschied von den Neokonservativen und erklärte seine Ablehnung des Irakkrieges. Christopher Hitchens polemisiert im Slate Magazine gegen Fukuyama - mit Argumenten, die auch für die hiesige Debatte nützlich sind. (Übersetzung: I.W.)

Das Ende Fukuyamas

Von Christopher Hitchens

Die vergangene Woche muß für Francis Fukuyama enttäuschend gewesen sein, da sein siebenseitiger Essay im New York Times Magazine „After Neoconservatism“ wegen der anti-dänischen Ausschreitungen und der Zerstörung der Goldenen Moschee in Samarra ziemlich untergegangen ist. Wer interessierte sich da für diesen groß angekündigten Austritt aus der neokonservativen Kirche? Eigentlich schade, denn Fukuyamas Essay enthält einige interessante Punkte.

Man muß jedoch sagen, daß Fukuyama es einem schwer macht, sich auf seine Inhalte zu konzentrieren. Er bedient sich aus einem Arsenal an Phrasen und stehenden Redewendungen, die in seinem inneren Textverarbeitungsprogramm gespeichert sind, so dass er nur auf eine bestimmte Taste drücken muss, um den ganzen Satz fertig zu haben. So erfahren wir gleich im ersten Absatz, daß der Irak zu einem „Magneten“ für Dschihadisten geworden ist, etwas später, daß die Demokratisierungsrhetorik sowohl von der Linken als auch von der Rechten kritisiert wurde, daß die Neokonservativen „übers Ziel hinausgeschossen“ sind, und schließlich, daß es „kein Zufall“ sei, daß viele Neokonservative früher „Trotzkisten“ waren.

Nicht jeder wird die unironische Schönheit dieser letzten beiden Formulierungen zu würdigen wissen. Bestimmten linken Sektierern werden sie jedoch gefallen. (more…)

Veröffentlicht in: on März 8, 2006 at 6:15 Uhr nachmittags Kommentare (5)