Manchmal hilft viel doch viel

Dominic Johnson berichtet in der heutigen taz erfreuliches:

Es ist möglich, Aids in den Griff zu bekommen. Der neue Welt-Aids-Bericht der UNO kommt zu einer Zeit, in der die internationale Aufmerksamkeit für die mörderische Pandemie eher gering ist – und zugleich die internationalen Bemühungen, in der Praxis etwas gegen Aids zu tun, so erfolgreich sind wie nie zuvor.

Dieses segensreiche Paradox beweist, dass bei der Aidsbekämpfung etwas ganz Einfaches funktioniert, dessen Wirksamkeit ansonsten gerne bestritten wird: Es ist durchaus möglich, gegen ein Problem die geeigneten Maßnahmen erst auf empirischer Grundlage herauszufinden, dann Konzepte dafür zu entwickeln und diese schließlich erfolgreich umzusetzen.

Die Selbstheilungskräfte allein tun’s hier aber nicht:

In der Aidsbekämpfung lautet das Erfolgsgeheimnis eben doch „mehr Geld“ – allen Unkenrufen über angeblich immer wirkungslose Entwicklungshilfe zum Trotz.

(Naja, daß Entwicklungshilfe „immer“ wirkungslos ist, behauptet in dieser Striktheit m.W. eigentlich keiner.)

Veröffentlicht in:  on 31. Mai 2006 at 15:15 Kommentar schreiben

Who said it? – Sondernummer

Das folgende Zitat stammt nicht von Stéphane Courtois:

Für beide totalitären Formen aber sind die gleichen Typen anfällig. Man beurteilt die autoritätsgebundenen Charaktere überhaupt falsch, wenn man sie von einer bestimmten politisch-ökonomischen Ideologie her konstruierte, die wohlbekannten Schwankungen der Millionen von Wähler vor 1933 zwischen der nationalsozialistischen und kommunistischen Partei sind auch sozialpsychologisch kein Zufall.


(Dank an C.B. für den Zitatfund.)

Veröffentlicht in:  on 30. Mai 2006 at 16:23 Kommentare (17)

Wie weiße Männer die Frauenrechte erfanden, um muslimische Migrantinnen besser unterdrücken zu können … oder so

Die Roten Männer schicken mir dankenswerterweise per Mail ihre Überlegungen zu Ulrike Hermanns taz-Kommentar zur Ausbürgerung Ayaan Hirsi Alis, die hiermit in voller Länge wiedergegeben werden:

„I’m young, online and nude“, teilte uns eine gewisse Karina Meyers jüngst in einer Spam-Attacke mit. Das würde so ähnlich auch prima zu Ulrike Hermann von der „taz“ passen: Jung, online und minderbemittelt. Jedenfalls fiel uns das anlässlich ihres Kommentars zu Ayaan Hirsi Alis Abschied aus den Niederlanden ein, der wirklich pfundig geriet. Dass wir uns nochmal zu einer frühmorgendlichen Redaktionssitzung im Biergarten zusammenrauften, und das, obwohl es gar nicht so richtig warm werden will, ist immerhin ein Verdienst von Frau Herrmann und ihrer schon geradezu bewundernswerten Schamlosigkeit. (Dieses Wort hätte wahrscheinlich Thomas Bernhard benutzt: schamlos. Eine seiner Lieblingsvokabeln. Großartig!)


Schreibt also Frau Herrmann
:

„Die rechtsliberale Abgeordnete Ayaan Hirsi
Ali wird in die USA auswandern, weil die gebürtige Somalierin beim
Einbürgerungsverfahren gelogen hat. Ihr Vater wollte sie nie in eine
Ehe zwingen, wie Verwandte in einem Dokumentarfilm nun bestätigten.
Damit verliert die niederländische Rechte ihre Kronzeugin, dass der
Islam eine rückständige Religion ist, die die Frauen unterdrückt. (mehr…)

Liberaler Philosoph Ramin Jahanbegloo in Teheran verhaftet

Jörg Lau in der ZEIT:

In Teheran ist ein führender Intellektueller verhaftet worden. Als man noch Hoffnungen auf eine Reform des Regimes hegte, wäre dies eine Schlagzeile gewesen. Heute droht die Abstumpfung der Weltöffentlichkeit durch Überforderung: Wir haben – Atomstreit, Antisemitismus, Ölpreis – schon genug andere Sorgen durch Iran.

Das iranische Regime, muss man befürchten, rechnet mit diesem Effekt und nutzt die Gunst der Stunde, um die wenigen verbliebenen freien Köpfe im Lande zu entmutigen. Seit dem 27. April befindet sich der 46-jährige Philosoph Ramin Jahanbegloo im berüchtigten Evin-Gefängnis der iranischen Hauptstadt. (mehr…)

Veröffentlicht in:  on 15. Mai 2006 at 16:13 Kommentar schreiben

Joschka, ein verkappter Neocon?

Im gestrigen Tagesspiegel erschien meine Rezension des letzten Buches von Paul Berman „Idealisten an der Macht. Die Passion des Joschka Fischer“, aus Platzgründen geringfügig gekürzt. Hier die Manuskriptfassung:

„I am not convinced“, schleuderte Joschka Fischer auf der NATO-Sicherheitskonferenz im Februar 2003 dem amerikanischen Verteidigungsminister Donald Rumsfeld entgegen, der daran erinnert hatte, dass der geplante Krieg gegen den Irak auch ein Krieg gegen eine totalitäre Diktatur wäre und somit auch für Befürworter humanitärer Interventionen zustimmungsfähig sein müsste. Der linksliberale Historiker Paul Berman hatte den Irakkrieg aus eben solchen Gründen befürwortet, und seinem Buch „Idealisten an der Macht“ merkt man die Enttäuschung über seinen Freund Joschka Fischer an. Warum hat Fischer eine humanitäre Intervention im Irak nicht gutgeheißen?

Um diese Frage zu klären, schlägt Berman einen historischen Bogen zum Jahr 1969, in welchem Fischer den PLO-Kongress in Algier besucht hatte, auf dem die Auslöschung Israels gefordert worden war. (mehr…)

Veröffentlicht in:  on 9. Mai 2006 at 17:48 Kommentar schreiben