Die Todesstrafe und die Grenzen des Utilitarismus

Der Ökonom und Soziologe Gary S. Becker – vom bekannten Becker-Posner-Blog – plädiert in der WELT vom 24. Oktober 2006 für die Todesstrafe. Und zwar einzig und allein aus dem Grunde der Abschreckung,

denn Rache oder andere Motive sollten nicht als Grundlage staatlicher Politik dienen.

Dies ist schon eine fragwürdige Voraussetzung, denn das Motiv der Rache spielt im Strafrecht durchaus eine Rolle – und dies mit gutem Grund. Das Opfer eines Verbrechens und/oder dessen Angehörige haben sehr wohl ein Recht darauf, daß ihrem Rachebedürfnis bei der Strafzumessung Rechnung getragen wird. Nur dies schafft die Akzeptanz für ein Rechtssystem, das Selbstjustiz und Blutrache ächtet. In erster Linie hat Strafe aber die Funktion, den gestörten Rechtsfrieden wiederherzustellen. Abschreckung spielt zunächst einmal überhaupt keine Rolle.

Um die Zulässigkeit der Todesstrafe zu begründen, muß Becker als erstes die moralischen Einwände gegen sie für unzulässig erklären. (more…)

Veröffentlicht in: on Oktober 25, 2006 at 2:35 Kommentare (11)

Anti-Al-Quds-Tag: Zeit und Ort geändert!

Achtung!!! - Kundgebung auf dem Breitscheidplatz!!!

Die Protestkundgebung des Berliner Bündnisses gegen den interationalen Al Quds Tag findet morgen

am Samstag 21.10.06 um 11-13 Uhr auf dem

Breitscheidplatz! (am Wasserklotz) statt.

neben einem kulturellem Rahmenprogramm (2 Life-Bands) wird es Redebeiträge geben:
Redner:
Evrim Baba (MdA Linkspartei.PDS)
Mehran Barati, iranischer Oppositioneller
Cem Özdemir (MdeP Bündnis 90/Die Grünen)
Kenan Kolat, Bundesvorsitzender der Türkischen Gemeinde Deutschland
NN, Komitee zur Unterstützung der politischen Gefangenen im Iran-Berlin e.V.
Markus Löning (MdB FDP)
Ahmet Iyidirli (SPD) (voraussichtlich)
Hakan Taş, Journalist
Gideon Joffe, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin
Jochen Feilcke, (CDU, Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft)
NN, Bündnis gegen Antisemitismus Berlin

Moderation: Anetta Kahane (Amadeu Antonio Stiftung) und Nasrin Bassiri (Freie Journalistin/radiomultikulti)

Veröffentlicht in: on Oktober 20, 2006 at 4:47 Kommentare (3)

Wer steckt dahinter?

War ja nur eine Frage der Zeit, wann der Einser-Philosoph MomoRules auf seinem G’scheitlhuber-Blog Metalust & Subdiskurse die Frage stellen würde, wer die Freunde der offenen Gesellschaft eigentlich finanziert. Denn merke: Hinter Meinungen, die nicht die eigenen sind, stehen (da kann einer noch so viel Foucault gepaukt haben) stets knallharte ökonomische Interessen.

(P.S.: Wer herausfindet, wer die FdoG finanziert, kriegt 10% ab.)

Veröffentlicht in: on Oktober 16, 2006 at 2:17 Kommentare (14)

Erbittertes Anheizen

Clemens Wergin talkt nächsten Dienstag bei einer taz-Veranstaltung in München und würde sich freuen, wenn nicht nur Claqueure des antiamerikanischen Ressentiments dort aufkreuzen würden. Hier seine Ankündigung:

Am Dienstag, den 17. Oktober diskutiere ich in München mit den bekannten Amerikafreunden Franziska Augstein und Andreas Zumach über das Thema:

“Gibt es einen ,Kampf gegen den Terror’ ohne ,Kampf der Kulturen’?
Angeblich wollen auch die USA den ,Kampf der Kulturen’ nicht weiter anheizen. Erbittert verfolgen sie jedoch ihre Mission: die von außen aufgenötigte Demokratisierung. Was kann die einsame Supermacht tun, um sich nicht immer mehr Feinde in der Welt zu machen? Wie müsste ein ,Kampf gegen den Terror’ aussehen, der den Terroristen nicht noch mehr Zulauf verschafft?”

Titel und Anmoderation stammen naturgemäß nicht von mir (müsste wohl auch “unerbittlich” heißen statt “erbittert”). Ich würde mich aber freuen, wenn neben den zu erwartenden taz- und Monde-Diplomatique-Lesern noch Menschen mit liberaleren Überzeugungen auftauchten.
Beginn: 19.30 Uhr
Ort: Gasteig, Vortragssaal der Bibliothek, Rosenheimer Str. 5, München

Veröffentlicht in: on Oktober 12, 2006 at 5:09 Kommentare (0)

Kein Witz

http://www.goethe.de/prs/mif/01/de1601336.htm

Internationales Filmfestival in Pjöngjang: “Napola” wird bester Film

„Unabhängigkeit – Frieden – Freundschaft“, unter diesem Motto stand das diesjährige Pjöngjang International Film Festival (PIFF) in Nordkorea. Der Film „Napola – Elite für den Führer“ (2005) unter der Regie von Dennis Gansel erhielt den Preis als bester Film des Festivals. „Napola“ erzählt die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft zwischen zwei Jugendlichen während ihrer Ausbildung in einer „Nationalpolitischen Erziehungsanstalt“, umgangssprachlich „Napola“ genannt. Jürgen Keil, Leiter des Goethe-Instituts Seoul, nahm den Preis während der Abschlussveranstaltung am 22. September stellvertretend für das Filmteam entgegen. Der Eröffnungsfilm „Das Wunder von Bern“ von Sönke Wortmann und der außerhalb des Wettbewerbs gezeigte Film „Sophie Scholl – die letzten Tage“ von Marc Rothemund wurden mit Spezialpreisen des nordkoreanischen Festivals ausgezeichnet.

Insgesamt wurden während des 10. Pjöngjang International Film Festivals 73 Filme gezeigt. Davon stammten neun aus der Volksrepublik China, sieben aus Deutschland, sechs aus Ägypten, fünf aus Russland und je vier aus England und der DVR Korea. Die übrigen Beiträge kamen aus 26 weiteren Ländern, darunter Laos, Kambodscha, Syrien und Kuba. Über 9000 Zuschauer täglich besuchten das Filmfestival. Außerdem fanden im 2500 Zuschauer fassenden Kulturpalast des Volkes weitere Filmvorstellungen statt, die ebenfalls ausverkauft waren.

Präsident und Sprecher der diesjährigen internationalen Jury war der renommierte deutsche Filmproduzent Eberhard Junkersdorf. In der deutschen Delegation nach Pjöngjang befanden sich außer den Mitarbeitern des Goethe-Instituts, die maßgeblich an der Vermittlung von 20 neuen deutschen Spiel- und Dokumentarfilmen beteiligt waren, der Filmemacher Uli Gaulke, der Herausgeber der Filmzeitschrift „Schnitt“ Nikolai Nikitin und der Leiter der Berlinale Dieter Kosslick.


(Dank an Caroline Fetscher für den Hinweis.)

Veröffentlicht in: on Oktober 7, 2006 at 1:35 Kommentare (0)