Gestern habe ich mir dann endlich Sacha Baron Cohens Borat angesehen. Vielleicht war ich von Woody Allens schönem und sehr lustigen Scoop, den ich am Tag zuvor gesehen hatte, noch zu verwöhnt, um Borats Komik würdigen zu können. Jedenfalls fand ich den Film ausgesprochen platt und derb; er war wesentlich näher an MTV-Jackass denn an intelligenter Polit-Satire. Dass einige Kasachen aufgrund dieses Films etwas angefressen waren, konnte ich nach den Anfangsszenen, die in Borats Heimatdorf spielten, gut nachvollziehen. Ich weiß nicht, was daran komisch sein soll, sich über anderer Leute unverschuldete Armut lustig zu machen. Auch die Szenen, in denen Baron Cohen sicherlich mit guter Absicht den Antisemitismus geißeln möchte, machen sich in ihrer Grellheit mit den Objekten des Spottes, den Antisemiten, eher gemein, als sie zu entlarven. Ich weiß, ich weiß, das ist alles mehrfach ironisch gebrochene Kritik durch Überaffirmation usw. usf. Funktioniert aber trotzdem nicht.
Was will Borat eigentlich? Die einen halten den Film für die gelungene Kritik am amerikanischen Provinzialismus. Die anderen weisen solche Kritik als antiamerikanisch zurück, verteidigen allerdings den Film selbst gegen den Vorwurf des Antiamerikanismus. (mehr…)