Wer sich nicht wehrt, landet am Herd

Neulich war’s Renate Künast, die Männer umerziehen wollte. (Sie fände es “schön, wenn wir in Zukunft ein Bundeskabinett hätten, in dem die Männer sagen: Damals habe ich zwölf Monate Erziehungsgeld bezogen, dann war ich zwei Jahre auf Teilzeit. Die Zeit mit den Kindern möchte ich nicht missen.”) Jetzt ist mal wieder Übermutti Ursula von der Leyen dran. Laut WELT vom 15.1. “beklagte” von der Leyen,

dass es hierzulande einen Mangel an modernen Männern gebe. … “Zu viele Männer haben Schwierigkeiten, Qualitäten wie Fürsorge und Verantwortung selbstbewusst zu leben.”

Schön, daß uns Frau von der Leyen ihre persönlichen Präferenzen mitteilt.* Aber was hat das mit Politik zu tun? Was geht es sie eigentlich an, was die männlichen Bürger dieses Landes “selbstbewußt leben” oder auch nicht und wie modern sie sein wollen? Konservative sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Früher hatten sie noch einen Begriff vom Privatleben, in das der Staat nicht eingreifen soll. Jetzt will auch eine CDU-Ministerin den Neuen Menschen schaffen, bzw. den Neuen Mann, denn die Frau ist schon okay, so wie sie ist. Hier soll Männern wie sauer Bier etwas schmackhaft gemacht werden, das die Frauen längst nicht mehr haben wollen. Denn daß das Leben nicht nur aus “Fürsorge und Verantwortung” für Kinder und Alte besteht, hat sich bei Männern und Frauen inzwischen herumgesprochen. Abgesehen davon, daß in Familien mit traditioneller Arbeitsteilung - die ja ohnehin auf dem Rückzug sind - der Vater der Verantwortung für seine Kinder gerade dadurch nachkommt, daß er ihnen durch Erfolg im Beruf einen bestimmten Lebensstandard und eine brauchbare Ausbildung sichert - und dadurch nun einmal seltener physisch im Kinderzimmer präsent ist. Selbstverständlich können Frauen dies genauso gut leisten. Aber mindestens einer muß nun mal die Kohle ranschaffen. Und sollte sich dafür nicht auch noch vorhalten lassen, er lasse es an Verantwortung mangeln. Sollen Männer jetzt an den Herd, von dem sich die Frauen erfolgreich emanzipiert haben? Wenn man Männer nun unbedingt in die Hausmännerrolle drängen will - auf diese gouvernantenhafte Art wird es sicher nicht funktionieren.

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*Ich beklage übrigens einen Mangel an Frauen, die sich für liberale Stammtische interessieren. Hier ist die Politik dringend gefordert, Abhilfe zu schaffen. Eine entsprechende EU-Richtlinie tut not.

Jeffersons Rasiermesser

Der demokratische Abgeordnete Keith Ellison ist nicht nur der erste Muslim im US-Kongreß - er ist auch der erste, der seinen Amtseid auf den Koran ablegt. Die WELT schreibt dazu:

Für die Zeremonie wurde eine antike zweibändige Ausgabe des Korans verwendet, die der damalige Präsident Thomas Jefferson 1815 erworben hatte. Das wertvolle Exemplar aus dem Jahr 1764 gehört zum Bestand der Kongress-Bibliothek. “Vor religiösen Unterschieden muss man keine Angst haben” - das ist die Botschaft, die Ellison mit seinem Amtseid auf Jeffersons Koran vermitteln will.

Mit anderen Worten, die Botschaft lautet, daß jeder, der gegen den Schwur eines Kongreßabgeordneten auf den Koran Bedenken hat und diese äußert, dies nicht etwa aus Gründen sondern aus Islamophobie tut. Wenn schon unser founding father einen Koran besessen hat, dann ist die Vereinbarkeit von Koran und Verfassung ja bereits ausgemachte Sache, so die bestechende Logik.

Daß Jefferson sich sein Exemplar des Koran aber nicht aus Wertschätzung für die bewundernswerte Kultur des Islam zugelegt hat, sondern im Gegenteil, um den Feind zu studieren, zeigen Christopher Hitchens und Gudrun Eussner.

Hitchens macht, wo er schon einmal bei Jefferson ist, einen interessanten Vorschlag. Jefferson hat das neue Testament dergestalt redigiert, daß er, “gleichsam mit dem Rasiermesser” (Hitchens), alles entfernte, was mit Mystizismus, Wunderglauben, Jungfrauengeburt, Auferstehung und dergleichen zu tun hatte. Das Ergebnis ging als “Jefferson-Bibel” in die amerikanische Geschichte ein. Wie wäre es, fragt Hitchens, wenn wir diese Tradition aufgriffen und in der gleichen Art und Weise eine Art “Jefferson-Koran” herstellen würden? Liberale und friedliche Muslime wie Keith Ellison müßten das doch sicher begrüßen, oder?

Kann man auch Anthrax-Viren appeasen?

Veröffentlicht in: Allgemeines on Januar 11, 2007 at 5:38 Kommentare (0)

Ein Holocaust ist ein Holocaust

Auch unter denjenigen, die die Gefahr, die von einem atomar bewaffneten Iran für Israel ausgeht, klar sehen und nicht verharmlosen, gibt es etliche, die bei der Bezeichnung “Holocaust” für das zu erwartende Szenario zurückzucken. Wird damit nicht die Ermordung der europäischen Juden durch die Deutschen relativiert, verharmlost, entschuldet? Der israelische Historiker Benny Morris, der lange als linker Antizionist galt, weil er die Vertreibung der palästinensischen Araber während der Staatsgründung Israels zum Thema seiner Forschungen machte, erklärt in einem Essay, warum der nächste Holocaust ganz anders sein wird als der letzte - und warum es dennoch keinen Grund zur Beruhigung gibt. (Übersetzung: Hannes Stein.)

Der zweite Holocaust wird nicht so sein wie der erste.

Gewiss, die Nazis haben den Massenmord industrialisiert. Trotzdem standen sie ihren Opfern Auge in Auge gegenüber, waren manchmal auf Tuchfühlung mit ihnen. Die Deutschen zusammen mit ihren Helfern aus anderen Nationen mussten die Männer, Frauen und Kinder belagern, sie aus ihren Häusern zerren, die Straßen hinunterprügeln, in nahe gelegenen Wäldern niedermähen, sie in die Viehwaggons verladen und in die Lager transportieren, wo “Arbeit macht frei” über dem Tor stand. Sie mussten die körperlich Fitten von den Nutzlosen trennen und sie in “Duschräume” locken und das Gas über ihnen ausschütten und dann die Leichen entfernen oder dies wenigstens überwachen und die “Duschen” für die Nachfolger vorbereiten.

Der zweite Holocaust wird vollkommen anders sein. Eines schönen Morgens in fünf oder zehn Jahren - vielleicht während einer Krise in der Region, vielleicht aus heiterem Himmel -, einen Tag oder ein Jahr oder fünf Jahre, nachdem der Iran sich die Bombe beschafft hat, werden die Mullahs sich in Qom zu einer Geheimsitzung treffen, unter einem Porträt des stählern dreinblickenden Ajatollah Khomeini, und sie werden Präsident Ahmadinedschad, der dann in seiner zweiten oder dritten Amtszeit sein wird, ihr Placet geben. Die nötigen Befehle werden erteilt werden, und die Shihab-III oder IV-Raketen werden abheben in Richtung Tel Aviv, Beer Scheba, Haifa und Jerusalem und womöglich einiger militärischer Ziele, eingeschlossen das halbe Dutzend Militärflughäfen und der bekannten nuklearen Abschussrampen. Einige der Shihabs werden atomare Sprengköpfe tragen, vielleicht sogar Mehrfachsprengköpfe. Andere werden zur Ablenkung dienen und nur mit chemischen oder biologischen Kampfstoffen oder alten Zeitungen geladen sein, um die israelischen Antiraketen-Raketen und Heimatschutzverbände in die Irre zu führen.

(…) Israel hat ungefähr sieben Millionen Einwohner. Kein Iraner wird auch nur einen davon sehen oder berühren. Es wird völlig unpersönlich sein.
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Wie Moses einmal sogar den Monotheismus abkupferte

Hat der SPIEGEL geglaubt, über die Feiertage käme man ihm nicht drauf? Irrtum, Alan Posener und Hannes Stein haben die antisemitische Titelgeschichte nicht nur gelesen, sondern erklären auch “was daran denn nun wieder antisemitisch sein soll” (wie die brüsken Worte lauten, mit denen Antisemiten Kritik stets zurückzuweisen pflegen). Der im SPIEGEL-Beitrag zitierte Ägyptologe Jan Assmann soll übrigens über seine Vereinnahmung alles andere als amüsiert sein.

Veröffentlicht in: on Januar 2, 2007 at 6:56 Kommentare (5)