Ein Holocaust ist ein Holocaust

Auch unter denjenigen, die die Gefahr, die von einem atomar bewaffneten Iran für Israel ausgeht, klar sehen und nicht verharmlosen, gibt es etliche, die bei der Bezeichnung “Holocaust” für das zu erwartende Szenario zurückzucken. Wird damit nicht die Ermordung der europäischen Juden durch die Deutschen relativiert, verharmlost, entschuldet? Der israelische Historiker Benny Morris, der lange als linker Antizionist galt, weil er die Vertreibung der palästinensischen Araber während der Staatsgründung Israels zum Thema seiner Forschungen machte, erklärt in einem Essay, warum der nächste Holocaust ganz anders sein wird als der letzte - und warum es dennoch keinen Grund zur Beruhigung gibt. (Übersetzung: Hannes Stein.)

Der zweite Holocaust wird nicht so sein wie der erste.

Gewiss, die Nazis haben den Massenmord industrialisiert. Trotzdem standen sie ihren Opfern Auge in Auge gegenüber, waren manchmal auf Tuchfühlung mit ihnen. Die Deutschen zusammen mit ihren Helfern aus anderen Nationen mussten die Männer, Frauen und Kinder belagern, sie aus ihren Häusern zerren, die Straßen hinunterprügeln, in nahe gelegenen Wäldern niedermähen, sie in die Viehwaggons verladen und in die Lager transportieren, wo “Arbeit macht frei” über dem Tor stand. Sie mussten die körperlich Fitten von den Nutzlosen trennen und sie in “Duschräume” locken und das Gas über ihnen ausschütten und dann die Leichen entfernen oder dies wenigstens überwachen und die “Duschen” für die Nachfolger vorbereiten.

Der zweite Holocaust wird vollkommen anders sein. Eines schönen Morgens in fünf oder zehn Jahren - vielleicht während einer Krise in der Region, vielleicht aus heiterem Himmel -, einen Tag oder ein Jahr oder fünf Jahre, nachdem der Iran sich die Bombe beschafft hat, werden die Mullahs sich in Qom zu einer Geheimsitzung treffen, unter einem Porträt des stählern dreinblickenden Ajatollah Khomeini, und sie werden Präsident Ahmadinedschad, der dann in seiner zweiten oder dritten Amtszeit sein wird, ihr Placet geben. Die nötigen Befehle werden erteilt werden, und die Shihab-III oder IV-Raketen werden abheben in Richtung Tel Aviv, Beer Scheba, Haifa und Jerusalem und womöglich einiger militärischer Ziele, eingeschlossen das halbe Dutzend Militärflughäfen und der bekannten nuklearen Abschussrampen. Einige der Shihabs werden atomare Sprengköpfe tragen, vielleicht sogar Mehrfachsprengköpfe. Andere werden zur Ablenkung dienen und nur mit chemischen oder biologischen Kampfstoffen oder alten Zeitungen geladen sein, um die israelischen Antiraketen-Raketen und Heimatschutzverbände in die Irre zu führen.

(…) Israel hat ungefähr sieben Millionen Einwohner. Kein Iraner wird auch nur einen davon sehen oder berühren. Es wird völlig unpersönlich sein.
(mehr…)

Veröffentlicht in: on Januar 8, 2007 at 5:19 Uhr nachmittags Kommentare (10)