Jörg Lau über Tugendterror im Iran – und über Täter und Opfer.
Der Fall Gröger – ein Justizmord
Ein letztes zur Sache Filbinger: Ich hatte Fakten angekündigt, und die kommen jetzt. Und zwar solche zur Akte Walter Gröger, die belegen, daß Filbinger nicht nur ein „Mitläufer“ sonder ein aktiver Täter des Naziregimes war.
Der Matrose Walter Gröger desertierte im Dezember 1943 von der deutschen Wehrmacht. Er kam bei seiner norwegischen Freundin unter, mit der er nach Schweden fliehen wollte. Die Flucht mißlang, Gröger wurde verhaftet und Anfang 1944 wegen Fahnenflucht zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt.
Der zuständige Gerichtsherr, ein Admiral, akzeptierte das Urteil jedoch nicht. Der Gerichtsherr war befugt, das Urteil eines Militärgerichts aufzuheben und eine Neuverhandlung zu fordern.
In der Neuverhandlung wurde Marinestabsrichter Hans Filbinger, der mit diesem Verfahren bisher nichts zu tun hatte, mit der Anklage betraut. Die Weisung des Gerichtsherrn an den Ankläger lautete, die Todesstrafe für Glöger zu fordern. Dieser Weisung folgte Filbinger. Der Richter kam dem Strafantrag der Anklage nach und verurteilte Walter Gröger am 16. Januar 1945 zum Tode.
Am 16. März 1945, um 16 Uhr, wurde das Todesurteil gegen den 22jährigen Walter Gröger vollstreckt. Filbinger beaufsichtigte die Exekution, rief „Feuer“ und vermerkte dies auch im Protokoll. (mehr…)
Keine ausgleichende Gender-Ungerechtigkeit!
Katharina Rutschky:
Es wäre falsch, Kinderbetreuung und Familienarbeit, deren sich Frauen bis in die jüngste Zeit nicht entziehen konnten, nun, quasi aus Rachsucht, auch noch Männern aufzutragen. Sollen die Männer auch mal Scheiße schippen, denkt die Feministin – dass den Kindern aber mit unwilligen Vätern so wenig gedient ist wie seinerzeit mit Frauen, die zu Müttern versklavt wurden, gibt die Kinderpsychologin zu bedenken. Wenn Väter acht Wochen lang ihr Baby pflegen, wie es das Elterngeld vorsieht, so lernen sie da gewiss eine Menge, und ihre Sicht aufs Leben, nicht zuletzt die Frauen- und Familienpolitik, wird sich zum Klugen verändern. Andererseits haben die allermeisten Männer jede Weisheit, jede Einsicht, jede Erfahrung, die die Kinderpflege mit sich bringt, nach acht Wochen genauso intus wie die Frauen, die sich mangels Krippenplätzen und anderer Umstände ihren Kleinkindern so viel länger zur Verfügung gestellt haben. Man sollte jetzt Männer nicht zu etwas zwingen, von dem der Feminismus die Frauen befreit hat.
Aus eben diesem Grund ist Rutschky übrigens für Krippen. Der ganze lesenswerte Text mit weiteren guten Gründen steht hier.
Antisemitismus in der DDR
Nicht alles war schlecht in der DDR: der böse Neoliberalismus hatte keine Chance; es gab Arbeitsplätze für alle und ein flächendeckendes Angebot an Krippenplätzen; das Verbot, nach Mallorca zu fliegen, war praktizierter Klimaschutz – und das wichtigste: man durfte nach Herzenslust von seinem Recht, Israel zu kritisieren, Gebrauch machen. Denn Antisemitismus war per Dekret abgeschafft. Und wer sich selber vom Vorwurf des Antisemitismus freispricht, kann kein Antisemit mehr sein. Insofern sind unsere Israel-Kritiker von heute gelehrige Schüler der SED.
Vermutlich stecken also unbelehrbare Kalte Krieger und Antikommunisten hinter der Ausstellung Das hat´s bei uns nicht gegeben“ – Antisemitismus in der DDR der Amadeu-Antonio-Stiftung, die ab Mittwoch, dem 11. April, im Roten Rathaus in Berlin zu sehen ist. Unbedingte Empfehlung!
Wer Zeit hat, sollte am Mittwochabend um 19 Uhr auch die Podiumsdiskussion zur Ausstellungseröffnung besuchen. Ort: Rotes Rathaus, Wappensaal, Rathausstrasse 15, 10173 Berlin.
Grußworte von Stefan J. Kramer, Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland und Dr. Anne Kaminsky, Geschäftsführerin der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.
Es diskutieren: Dr. Petra Lidschreiber Rundfunk Berlin-Brandenburg, Ressortleiterin Mittel- und Osteuropa, Wolf Biermann, Anetta Kahane, Carolin Kügler, Nelson-Mandela-Schule, Projektteilnehmerin, Heike Radvan, Amadeu Antonio Stiftung, Projektleiterin.
Halbmond und Hakenkreuz
Heute Abend (4. April) stellt der Historiker Martin Cüppers sein (zusammen mit Klaus-Michael Mallmann verfaßtes) Buch
Halbmond und Hakenkreuz. Das Dritte Reich, die Araber und Palästina
vor. Ort: Humboldt-Universität zu Berlin, Hörsaal 3038 (2. Etage), Unter den Linden 6, Haupteingang.
Beginn: 19 Uhr 30.
Nähere Informationen hier.
Martin Riexinger rezensiert das Buch von Mallmann und Cüppers hier.