Das Wadi-Blog und Planet Hop machen auf eine Kundgebung vor der chinesischen Botschaft aufmerksam, die sich gegen das chinesische Regime richtet. So weit, so verdienstvoll. Drängte sich nicht angesichts des etwas albern wirkenden Mottos “Nein, nein, das ist nicht der Kommunismus!” der Eindruck auf, hier ginge es weniger um den Protest gegen eine autoritäre kommunistische Diktatur, als vielmehr um die Reinwaschung des Begriffs Kommunismus.
In der Tat werden zwar im Aufruftext die Verbrechen des chinesischen Regimes beim Namen genannt, nichts wird verharmlost. Doch die Pointe ist, daß all dies als kommunistischer Theorie und Praxis völlig äußerlich beschrieben und stattdessen dem Kapitalismus, in Gestalt des “Staatskapitalismus”, in die Schuhe geschoben wird. Als würde sich dieser nicht notwendig überall dort einstellen, wo Kommunisten zuvor bürgerliche Gesellschaften zerstört haben. Eine moderne Wirtschaft funktioniert eben entweder kapitalistisch oder gar nicht. Wenn Bolschewiki Demokratie, Markt und freiheitliche Verfassungen wegputschen - also den liberalen Kapitalismus -, bleibt als Alternative eben nur der autoritäre Staatskapitalismus.
Die Veranstalter lassen wissen: “Imperialismus, Repression und Staatskapitalismus sind kein Kommunismus! Wir wollen die Idee der allgemeinen Emanzipation nicht länger mit solchen Erscheinungen assoziiert sehen!” Grund der Kundgebung ist mithin das Gefühl der Peinlichkeit, das sich angesichts ideologischer Nähe einstellt. Wohlfeil wird sich vom schmuddeligen Bruder im Geiste, der sich blutige Hände geholt hat, distanziert, um weiter an der umbefleckten Utopie festhalten zu können. Es geht also darum, in gut deutscher Tradition die Idee gegen die Verschmutzung mit der schnöden Wirklichkeit zu retten. Jene will man nicht mit ihren realpolitischen Konsequenzen assoziiert sehen.
Vermutlich halten sich die Veranstalter für überaus avanciert. Dabei wärmen sie zum x-ten Male ein schon immer schal schmeckendes Gericht auf. Seit annähernd hundert Jahren behaupten Kommunisten im Westen, wenn sie mit den realen Schrecknissen kommunistischer Länder konfrontiert werden, das sei aber gar nicht der Kommunismus, der eigentliche Kommunismus müsse erst noch hergestellt werden. Komischerweise kommt er dann aber doch nie, der wahre, gute, menschenfreundliche Kommunismus, sondern immer nur der mit der Unfreiheit und den Arbeitslagern. Unter dem Label Kommunismus sind bisher ausschließlich Diktaturen entstanden - sich vom Kommunismus noch irgendwas zu versprechen ist nur noch töricht. Die Falun-Gong-Leute, die sich regelmäßig vor der chinesischen Botschaft einfinden und wesentlich effizienteren Protest zu organisieren im Stande sind, werden den Demonstranten hoffentlich was erzählen. Jene kommen im Aufruftext übrigens nicht vor. Sollten sie etwa nicht solidaritätsfähig genug sein - weil zu reaktionär und antikommunistisch?