Wer springt diesmal über Judts Stöckchen?

Was muß man eigentlich leisten, um einen deutschen Friedenspreis zu bekommen? Nicht viel. Eigentlich nur Antisemit seinIsrael kritisieren. Dann hat man ihn so gut wie in der Tasche. So wie jetzt Tony Judt. Der erhält nämlich den mit 15.000 Euro dotieren Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis der Stadt Osnabrück, den auch schon Uri Avnery bekam. (Aber welchen deutschen Friedenspreis hätte Uri Avnery noch nicht bekommen?) Hoffentlich überlegt die Jury es sich nicht noch anders, sonst muß Judt wieder öffentlich darüber spekulieren, welcher Lobbyist wohl bei welchem Jurymitglied angerufen hat, um sanften Druck auszuüben, und sämtliche liberalen Publizisten der westlichen Hemisphäre sähen sich erneut gezwungen, einen Solidaritätsaufruf für Judt, dessen Ansichten sie natürlich niemalsnicht teilen, die er aber umgotteswillen äußern können dürfen muß, zu unterzeichnen.

Veröffentlicht in: on Mai 15, 2007 at 3:17 Uhr nachmittags Kommentare (1)

Erziehungsdiktatur - neue Folge

War doch klar, daß es in der ganzen Pseudodebatte um “Komasaufen” und “Flatrate-Parties” nicht um Jugendschutz ging. Wie immer geht es darum, die erwachsenen Bürger zu sittlichem Verhalten zu ermahnen. Hier folgt die zweite Stufe:

Anlässlich des bevorstehenden “Vatertags” hat die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing (SPD), Deutschlands Väter zu einem maßvollen Alkoholkonsum aufgerufen. “Ich will da keinem Vater sein Glas Bier vermiesen, aber es geht um einen verantwortungsbewussten Umgang”, sagte Bätzing am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP. Wer nach einem Ausflug an Christi Himmelfahrt abends nach Hause komme und es kaum durch die Tür schaffe, gebe für seine Kinder kein gutes Vorbild ab. “Wenn wir über Flatrate-Trinken und über Komasaufen reden und uns Gedanken machen, warum tun die Jugendlichen das, sollten wir auch darauf schauen, was wir ihnen vorleben”, betonte sie. (Quelle)

Und wenn die bloße Ermahnung nichts fruchtet, folgt das Verbot. Darauf wette ich. Aber Wetten wird sicher auch bald verboten.

Veröffentlicht in: on at 2:35 Uhr nachmittags Kommentare (3)

Das Muß des Monats

WELT-online:

Der (EU-)Kommissar für Soziales, Vladimir Spidla, hat Europas Unternehmen und Männer zum Umdenken aufgefordert. “Man muss ganz klar sagen: Die Männer müssen mehr Aufgaben in der Familie übernehmen.”

Ähm, wieso glaubt eigentlich irgend so ein EU-Kommissar, es stünde ihm an, den Bürgern vorzuschreiben, wie sie ihr Privatleben gestalten “müssen”? Und vor allem: Wieso kann er das unwidersprochen tun? Wieso lacht keiner??

Veröffentlicht in: on Mai 14, 2007 at 2:40 Uhr nachmittags Kommentare (1)
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Auf den Spuren Tocquevilles

Heute im Tagesspiegel: meine Rezension von Bernard-Henri Lévys “American Vertigo”:

Garrison Keillor war richtig sauer. Der Komiker und Kolumnist – hierzulande bekannt als Drehbuchautor und Hauptdarsteller des letzten Films von Robert Altman, „A Prairie Home Companion“ – warf dem Autor von „American Vertigo“ in der New York Times Book Review vor, in seinem Bericht über seine neunmonatige USA-Reise lediglich all die Klischees reproduziert zu haben, die ein durchschnittlicher Europäer von den Vereinigten Staaten nun einmal im Kopf hat. Lévy porträtiere, so Keillor, in seinem Buch nur Freaks und Absonderlichkeiten – Evangelikale, Amish-People, Waffenfetischisten, Gefängnisinsassen und linke Hollywoodstars –, nicht aber normale Durchschnittsamerikaner, die arbeiten, Geld verdienen, essen und Witze erzählen und die das Gesicht des Landes viel mehr prägen als all die Kuriositäten, die Lévy so faszinieren.

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Veröffentlicht in: on at 2:29 Uhr nachmittags Kommentare (2)

Veröffentlicht in: Allgemeines on Mai 9, 2007 at 3:41 Uhr nachmittags Kommentare (0)

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Lücke im Völkerrecht

Auf der Darfur-Demo der Berliner Darfurgruppe und der Gesellschaft für bedrohte Völker am 29. April, an deren Vorbereitung auch einige FdoGs beteiligt waren, sprach unter anderem der Frankfurter Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik.

Sein Redetext findet sich hier.

Veröffentlicht in: on Mai 8, 2007 at 1:40 Uhr nachmittags Kommentare (0)

40.000 oder fünf?

Die Empörungsindustrie hat wieder einmal falschen Alarm geschlagen. Bis zu 40.000 Frauen würden während der Fußball-WM 2006 in Deutschland zur Prostitution gezwungen, warnten u.a. der Deutsche Frauenrat und der Deutsche Fußball-Bund. Unterstützt von ParlamentarierInnen, GewerkschafterInnen und notorisch radikalfeministischen Gruppen wie Zartbitter lancierten sie eine Kampagne gegen Zwangsprostitution, um die Öffentlichkeit zu “sensibilisieren”.

Prostituiertenorganisationen hatten die verbreiteten Zahlen für übertrieben und die gesamte Kampagne für Panikmache gehalten. Selbst die taz war skeptisch:

Bei der WM sollen bis zu 40.000 Prostituierte nach Deutschland einreisen, schätzt angeblich der Städtetag. Eine Bordellchefin aus Berlin merkte kürzlich im britischen Guardian an, man könne locker noch eine Null anhängen. In der Emma werden aus 40.000 ausländischen Prostituierten plötzlich 40.000 Zwangsprostituierte, als gäbe es da keinen Unterschied.

Nun verbreitet die Internationale Organisation für Migration realistische Zahlen:

Zur Fußball-WM 2006 in Deutschland sind nur wenige ausländische Frauen als Zwangsprostituierte nach Deutschland eingeschleust worden. Das geht aus einer am Dienstag in Genf vorgestellten Untersuchung der Internationalen Organisation für Migration (IOM) hervor. “Insgesamt gab es 43 Anzeigen bei der Polizei und nur fünf bestätigte Fälle von Zwangsprostitution“, sagte IOM-Projektleiter Richard Danziger. Menschenrechtsorganisationen hatten vor der WM befürchtet, dass bis zu 40.000 Frauen während des Turniers zur Prostitution in Deutschland gezwungen werden könnten.

Danziger betonte, dass Menschenhändler einen enormen Aufwand hätten betrieben müssen, um eine solch hohe Zahl von Zwangsprostituierten zu den Spielorten der WM zu bringen. Da die Veranstaltung nur wenige Wochen gedauert habe, wäre ein ausreichender Profit für die Schleuser unwahrscheinlich gewesen.

Aber wie das bei Empörungskampagnen so ist: es geht ums Tamtam für die eigene pressure group, irgendwas bleibt immer hängen, Aufklärung verfängt nicht, und bald wird die nächste Sau durchs Dorf getrieben.

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Verletzter Nationalstolz

Wahied Wahdat-Hagh über offizielle iranische Reaktionen auf den Spielfilm 300.

Veröffentlicht in: on Mai 7, 2007 at 4:29 Uhr nachmittags Kommentare (0)

Sieg für den Rechtsstaat

Horst Köhler hat das Gnadengesuch von Christian Klar abgelehnt.

P.S.: Der Tagesspiegel vom Sonntag erinnert an die 35 bis heute nicht aufgeklärten Verbrechen der RAF. Unter den Opfern, deren Mörder und Angreifer sich bis heute gegenseitig decken, sind u.a. Georg Linke, Angestellter des Instituts für soziale Fragen (lebensgefährlich verletzt), einer der beiden Polizisten, die Andreas Baader bewacht haben (angeschossen), der Polizist Norbert Schmid (ermordet), der Polizist Herbert Schoner (ermordet), Erwin Beelitz (ermordet), der amerikanische Offizier Paul A. Bloomquist (ermordet), (mehr…)

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