Heute erscheint in der Jüdischen Allgemeinen die Kurzfassung eines Interviews, das ich mit dem Physiker Steven Weinberg geführt habe. Weinberg hat beschlossen, als Reaktion auf antiisraelische Boykottaufrufe britischer Akademiker, Großbritannien vorerst nicht zu besuchen. Inzwischen hat Weinberg auch eine Petition unterschrieben, die sich gegen solche Boykottaufrufe richtet.
Hier die ungekürzte Fassung des Interview:
Herr Professor Weinberg, Sie haben im Mai eine Einladung des Imperial College in London ausgeschlagen, dort einen Vortrag zu Ehren Ihres Kollegen Abdus Salam zu halten, mit dem gemeinsam Sie 1979 den Nobelpreis für Physik bekommen haben. Warum?
Steven Weinberg: Schon seit einiger Zeit fällt mir die antiisraelische, antisemitische Stimmung in Großbritannien auf, besonders in intellektuellen Kreisen. Aufgrund eigener Erfahrungen hatte ich bereits Bedenken, dorthin zu fahren. Doch dann erfuhr ich von einem Boykottaufruf gegen Israel von Seiten der National Union of Journalists. Das fand ich besonders schlimm, denn Journalisten sollten eigentlich unparteiisch sein. Wenn Journalisten ein einzelnes Land herauspicken, um es zu boykottieren, ist das schon schlimm genug. Wenn es dann auch noch ein Land ist, dessen Existenz seit seiner Gründung bedroht ist, das außerdem eine Demokratie ist, in dem jeder Bürger gleich welcher Religion Rechte genießt, und das nur versucht zu überleben, ist das eine derartige Ungerechtigkeit, eine solche moralische Blindheit, daß ich das Gefühl hatte, ich müßte etwas tun. Ursprünglich wollte ich das gar nicht öffentlich machen. Ich habe einfach nur Professor Michael Duff, der mich eingeladen hatte, geschrieben, daß ich nicht kommen würde. (more…)