Lob des Wissenwollens

Die Schoa ist kein Thema von gestern: Saul Friedländers Friedenspreisrede

Der Applaus ist anfangs verhalten. Dann stehen einige Zuhörer aus den ersten Reihen von ihren Plätzen auf, der Rest des Auditoriums folgt nach, um dem israelischen Historiker Saul Friedländer an diesem Sonntag nach seiner Rede zur Verleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels in der Frankfurter Paulskirche zu applaudieren. Kein Vergleich zu den geradezu frenetischen Ovationen für Martin Walser 1998, als der Schriftsteller über die „Auschwitzkeule“ geklagt hatte, die von ominösen Kräften dazu benutzt werde, den Deutschen ein „normales“ Leben zu verleiden. Nur Friedrich Schorlemmer, Ignatz und Ida Bubis hatten sich damals nicht von ihren Sitzen erhoben.

 

Ida Bubis war auch diesmal wieder unter den Anwesenden, nebst zahlreicher Prominenz, vom Bundespräsidenten Horst Köhler bis zur Sexualtherapeutin Ruth Westheimer. Er wolle „keine Polemik“ betreiben, sagte Friedländer, wohl in Anspielung auf die Erwartungen, er werde sich noch einmal mit Walser auseinandersetzen. Das hatte bereits der Germanist Wolfgang Frühwald in seiner Laudatio besorgt, als er sagte: „Wer dies (die Erzählung von der Vernichtung der Juden) – wie die stereotype Formel lautet – nicht mehr hören kann, der hat es noch nie wirklich gehört“. Szenenapplaus. Frühwald fuhr fort: „Wer sich gar wohl fühlt im weltweit wachsenden Lager derer, welche die Tatsächlichkeit dieses Verbrechens gegen Rang und Würde des Menschseins leugnen, stimuliert die Lust auf Wiederholung.“

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Veröffentlicht in: on Oktober 17, 2007 at 2:03 Uhr nachmittags Kommentare (0)

“Die Islamkonferenz ist überflüssig wie ein Kropf!”

Aus einem Interview, das ich mit Lale Akgün, der Islambeauftragten der SPD-Bundestagsfraktion, geführt habe:

Frau Akgün, der stellvertretende Vorsitzende des Islamrats, Abu Bakr Rieger, ist zurückgetreten, weil bekannt wurde, daß er sich in den neunziger Jahren antisemitisch geäußert hat. Ist das eine glaubwürdige Distanzierung vom Antisemitismus?
Akgün: Nein, das reicht nicht. Der Islamrat äußert sich immer wieder antisemitisch. Diese Leute reden mit doppelter Zunge. Der Vorsitzende des Islamrats sagte, er habe erst kürzlich von Riegers Äußerungen erfahren. Dabei ist die Sache schon lange bekannt. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble sollte sich noch einmal gründlich überlegen, ob er sich mit diesen Leuten an einen Tisch setzt.

Ist die Islamkonferenz, auf die Sie anspielen, zum Scheitern verurteilt?
Akgün: Die Islamkonferenz ist überflüssig wie ein Kropf und völlig kontraproduktiv. Da werden Islamisten aufgewertet, die mit den normalen Muslimen in Deutschland gar nichts zu tun haben. Es dürfen Leute für den Islam sprechen, die vom Verfassungsschutz beobachtet werden, aber die Durchschnittsmuslime schaffen es natürlich nicht an den Tisch des Ministers. Dadurch gerät der Islam in Deutschland noch mehr in Verruf.

(Vollständiges Interview in der Jüdischen Allgemeinen Nr. 42, 18. Oktober 2007)

Veröffentlicht in: on at 12:51 Uhr nachmittags Kommentare (0)

“Freiheit aushalten”

Es gibt noch Kabarettisten - oder wie man heute sagt: Comedians -, die weder dem linksliberalen Weltekel verfallen, um sich ihrem Studienratspublikum anzudienen, noch die neospießige Wende zu “Werten” und Religion mitvollziehen. Zu ihnen gehört Dieter Nuhr. Dem Kölner Stadtanzeiger hat er ein Interview gegeben. Auszüge daraus:

Es gibt immer mehr Menschen, die mir vorschreiben möchten, wie ich zu leben habe. Früher haben sich Kabarettisten darum bemüht, anzuecken. Inzwischen hat man Angst, dass die Menschen in Islamabad auf die Straße gehen, wenn man etwas Falsches sagt. …

Wir glauben an wilde Verschwörungstheorien, weil wir uns die Welt nicht erklären können. Da fängt der Glauben an. …

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Veröffentlicht in: on at 10:09 Uhr vormittags Kommentare (0)