Auch in Berlin wird jetzt gegen die “Israel-Lobby” gekämpft

Die amerikanische Nahostpolitik wird – und dies zu ihrem Schaden – von einer „Israel-Lobby“ bestimmt. Das meinen die US-Politologen John J. Mearsheimer und Stephen Walt. In ihrem gleichnamigen Zeitschriftenaufsatz in der London Review of Books, wenig später zu einem Buch ausgewalzt, liefern sie die passende Immunisierungsstrategie gegen Kritik gleich mit: Wer die Israel-Lobby kritisiere, würde mit dem ungerechtfertigten Vorwurf des Antisemitismus bedacht.

Derzeit touren die beiden mit ihrem Buch durch deutsche Städte. Auch in Berlin wurde Station gemacht, Gastgeberin war die Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP). Dort wiederholen Walt und Mearsheimer ihre Kernthesen: Die Israel-Lobby, bestehend aus Aipac (American Israel Public Affairs Committee) und anderen jüdischen Organisationen, den Zeitschriften Weekly Standard und New Republic sowie den Neokonservativen, habe die öffentliche Meinung in den USA fest im Griff, so daß sich kein Politiker traue, Israel zu kritisieren; ausschließlich Israel und die Israel-Lobby, inclusive der Neocons, seien die treibenden Kräfte hinter dem Irakkrieg gewesen; heute dringe die Lobby auf einen Krieg gegen den Iran; dieses nähre den Terrorismus und schade den amerikanischen Interessen, ebenso – wie die Autoren immer wieder betonen – denen Israels. Bei soviel freundlicher Fürsorge fragt man sich aber doch, warum sie es nicht Sorge der Israelis sein lassen, was ihren Interessen am besten dient. Ihre Forderung: Amerika solle seine „special relationship“ mit Israel aufgeben, sich von der Politik des Landes „distanzieren“ und Israel als ein „normales Land“ behandeln.

Das Wort „normal“ fällt im Laufe des Abends sicher zwanzigmal. (more…)

Reading Addicts Anonymous

Heute muß ich ein Geständnis machen: Ich bin lektüresüchtig. Ganz ähnlich wie Alkohol oder Kokain können Bücher und Zeitungen zur gefährlichen Sucht werden. Eine allgemein gültige Grenze gibt es zwar nicht, ab der man als lektüresüchtig gilt. Doch typische Anzeichen weisen darauf hin, ob man sich professionelle Hilfe gegen ein Abdriften in die Selbstzerstörung suchen sollte. So habe ich bereits wichtige Termine versäumt, weil ich mit Lesen beschäftigt war. Ich lese zwanghaft oft, sogar mehrmals am Tag. Ich habe viele Bücher. Oft lenkt mich ein interessanter Aufsatz von der Arbeit ab. Ich nutze regelmäßig Blogs und die Online-Angebote der Tageszeitungen. Ich werde nervös und schlecht gelaunt, wenn ich für längere Zeit vom Lesen abgehalten werde. Ganz klar, ich bin lektüresüchtig. Und Sie sind es auch. Wetten? Wenn Sie es nicht glauben, machen Sie den Test.

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