Schuldabwehr
In der Berliner Zeitung schreibt Götz Aly eine Sammelrezension über diverse Bücher zum Thema 1968:
- Von ihren früheren Unworten und Untaten reden die Achtundsechziger nicht gerne. Stattdessen verstecken sie sich hinter dem Terror der RAF, dem “durchgeknallten” Andreas Baader, der “kalten” Gudrun Ensslin oder der “verzweifelten” Ulrike Meinhof. Nach derselben Methode verfuhren die Deutschen 1945. Statt über ihr eigenes Handeln nachzudenken, dämonisierten sie Adolf Hitler zum einzig Schuldigen. Wie die hier vorzustellenden Neuerscheinungen zu 1968 zeigen, stricken die revolutionären Ruheständler ihre Biografien fast alle nach dem Muster, das Franz Schönhuber 1983 zum Titel seiner verklärenden Erinnerungen an die Waffen-SS erhob: “Ich war dabei”. Demnach kann, wer nicht dabei war, auch nicht mitreden. Im Ton sind die älteren 68er-Herrschaften ziemlich defensiv geworden, frei nach dem auch schon bekannten Motto “Es war nicht alles schlecht”.
Kurz zuvor hatte Aly mit Katharina Rutschky über ‘68 diskutiert.
(Via Sendungsbewußtsein.)
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