“Darauf bin ich gar nicht scharf”

Der Soziologe Gerhard Amendt begrüßt es, daß sich in der Erörterung der Frage, warum sich auf den obersten Sprossen der Karriereleiter immer noch weniger Frauen als Männer tummeln, der Akzent allmählich von der Diskriminierungsthese wegbewegt:

Frauen beginnen sich zu fragen, warum ihre Erfolge begrenzt scheinen, und nicht mehr, welcher Mann sie am Erfolg gehindert und welche Institution ihnen ein Bein gestellt oder warum der Sozialstaat ihnen das Problem nicht schon längst aus dem Wege geräumt hat. … Trotzdem wird die Frage nach der eigenen Verantwortung nur schrittweise der Suche nach Sündenböcken weichen. Je näher Frauen der feministischen Ideologie stehen, umso zäher suchen sie nach Sündenböcken. … (more…)

Bloß kein Durchschnitt

Bas Kast räumt im Tagesspiegel mit dem Mythos auf, der geringe Anteil von Frauen in Führungspositionen beruhe auf Diskriminierung:

Männer sind sowohl dümmer als auch schlauer als Frauen. Frauen dagegen „bewegen sich eher um den Durchschnitt“, wie es die britische Psychologin Helena Cronin von der London School of Economics formuliert – und das, meint die Expertin, könnte auch Licht auf die Frage werfen, weshalb Frauen bis heute so selten in den Spitzenpositionen der Gesellschaft anzutreffen sind. Denn natürlich sind auch Spitzenpositionen Extreme.

Lange Zeit hat man diesen Erklärungsansatz totgeschwiegen, nicht zuletzt aus politischer Korrektheit. Doch gibt es inzwischen so viele Hinweise, die für die „Extremhypothese“ sprechen, dass mehr und mehr Psychologen – oft Psychologinnen – sich hervorwagen. (more…)

Nachklapp zum Frauentag

Heute beim späten Frühstück erst gelesen: Die FAZ interviewt den einzigen weiblichen Redakteur der TITANIC, Martina Werner, über die Unterschiede zwischen weiblichem und männlichem Humor. Ihr Fazit: Ersterer ist nicht so dolle.

Was macht diesen weiblichen Humor aus?
Er ist vor allem harmlos. Lesen Sie mal in Frauenzeitungen die „witzigen“ Essays. Da wird dann von Männern erzählt, die ihre schmutzigen Socken nicht in den Wäschekorb werfen. … Viele Frauen sind leider durch Bücher von Hera Lind oder Amelie Fried oder durch Fernsehauftritte von Anke Engelke oder Barbara Schöneberger humorsozialisiert. Sie fürchten sich davor, ein Attribut der Weiblichkeit zu verlieren, wenn ihr Witz nicht niedlich und freundlich ist. … Ich denke, vielen Frauen reicht dieser kultivierte Humor.

Stehen Sie denn auf Zoten?
Durchaus. Eines meiner Lieblingstitelbilder hier war etwa das mit der nackten Frau, die sich lasziv Wasser über ihren Körper kippt. Darunter stand: „Frauen zu doof zum Trinken“.

Wie wirkt dieser Humor denn in Ihrem privaten Umfeld?
Auch da merke ich einen geschlechtsspezifischen Unterschied, wenn Freundinnen etwa von meinen pornografischen Witzen in der „Titanic“ geschockt sind oder Männer mir diese Art Humor nicht zutrauen. Ein anderes Beispiel sind die alten „Titanic“-Titel, die in meiner Wohnung hängen. Wenn wir Besuch bekommen, lachen immer nur die Männer über die Bilder.

Weil Frauen sie nicht witzig finden?
Weil sie sie nicht verstehen. Vielen Frauen fehlt das politische Grundwissen für das Lesen eines Satiremagazins. Deshalb hat die „Titanic“ auch überwiegend männliche Leser. Am humorlosesten sind übrigens Mütter. Ich habe selbst ein Kind und verbringe daher zwangsläufig viel Zeit mit anderen Müttern. Wenn es um ihre eigenen Kinder geht, hört der Spaß bei denen auf.


Veröffentlicht in: on März 10, 2008 at 12:10 Kommentare (1)
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Lulli-bulli

Die fand ich als VIVA-Moderatorin schon gut:

Fernsehmoderatorin Charlotte Roche verteidigt Pornofilme und Prostitution und distanziert sich von der Feministin Alice Schwarzer. Die Behauptung, in Pornofilmen würden Frauen erniedrigt, könne sie nicht nachvollziehen, sagte die 29-Jährige in einem Interview des Magazins “Playboy”. Ich glaube nicht, dass Männer süchtig nach Pornos sind, weil diese Industrie das anbietet. Diese Riesenindustrie ist da, weil es einen unglaublichen Bedarf an Pornografie gibt“, sagte Roche, deren erster Roman „Feuchtgebiete“ am 25. Februar erscheint.

Pornografie abstellen zu wollen, finde sie „totalen Schwachsinn“. Auch sie selbst schaue gelegentlich Pornos: „Aus Neugier. Zur Entspannung, Aufgeilung, Inspiration.“ Allerdings sehe sie keine Filme des Typs „Frauen machen Pornofilme für Frauen“. Die seien zu seicht und „vollkommen lulli-bulli. Da geht’s nur darum, dass eine Frau in Eselsmilch badet und aussieht wie Kleopatra“, meinte Roche.

Veröffentlicht in: on Februar 15, 2008 at 2:04 Kommentare (2)
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Pfui, diese Jungmachos!

Mariam Lau macht in der heutigen WELT auf einen Umstand aufmerksam, an dem die deutsche Integrationspolitik bisher eben auch scheiterte - an ihrer Jungen- und Männerfeindlichkeit:

Sie (die Integrationspolitik) war und ist nämlich zu stark auf die Frauenbefreiung ausgerichtet - ein Kollateralschaden des deutschen Feminismus. Frauen sollen vor Ehrenmorden geschützt, zu Sprachkursen angehalten und aus den 30 Quadratmetern Deutschland gerettet werden, während einem zum Pater Familias eigentlich gar nichts mehr einfällt. Die Väter sind oft einfache, vielleicht zu Ohrfeigen neigende Männer vom Land, die keinen Schimmer davon haben, was von ihren Kindern in der Schule erwartet wird. Für ihre Söhne kann man sich vielleicht noch erwärmen, wenn sie Kindergartenkinder sind, aber danach wird es schwierig mit den Sympathien. Niemand braucht die lauten, nervigen jungen Machos.Aber ähnlich wie Erdogan für Vernunft und Verantwortlichkeit zu gewinnen war, als man dazu an ihn appellierte, wird es der türkische Familienvater auch sein. Ohne oder gar gegen ihn geht es jedenfalls nicht.

Falsche Spur

Die Aleviten sind nicht ganz so liberal, wie sie sich darstellen, meint Necla Kelek.

“Das war nicht zum Lachen”

Lesenswert! Das Interview mit Esther Vilar (”Der dressierte Mann“) in der Schweizer Weltwoche: “Liebe macht unfrei“.

Gesittete Mysterienspiele

Vor einiger Zeit habe ich an dieser Stelle über das Berliner Pornfilmfestival geschrieben. Der Schriftsteller Hans Christoph Buch war auch da. Aber er hat andere Filme gesehen als ich.

Adam und Eva tun’s mit Kondom

Uniformen, Orthodoxe und lüsterne Palästinenser: Israelische Pornos setzen landeseigene Akzente

Der Altersdurchschnitt liegt unter 30, und etwa zwei Drittel der Besucher sind weiblich. Beim 2. internationalen Pornfilmfestival Ende Oktober in Berlin bestätigt die Zusammensetzung des Publikums so gar nicht das Klischee vom typischen Pornokonsumenten, der sich fett, verschwitzt und männlich durch die Schmuddelabteilungen der Videotheken drückt. Studentisch geprägte Großstadtboheme findet sich zu den zahlreichen Filmen und Vorträgen auf dem von dem Filmemacher Jürgen Brüning initiierten Festival ein. Brüning gründete in den frühen neunziger Jahren bereits das Schwul-lesbische Filmfestival. Mit dem Pornfilmfestival will der 49-Jährige Kunst, Independent und Avantgarde zeigen – ohne den expliziten Charakter der Filme zu leugnen. Nur Durchschnittsware dürfe es eben nicht sein. Laut Brüning stammen 30 Prozent der gezeigten Filme von weiblichen Regisseuren.

Porno gibt es auch in Israel. Im Kreuzberger Eiszeit-Kino, 1980 von Brüning gegründet, beschäftigen sich gleich zwei Vorträge mit dem Sexfilm in Israel und seinen gesellschaftspolitischen Implikationen. Liad Kantorowicz spricht über „Soziale und politische Tabus in israelischer Pornografie“. Die kleine Frau in Hippiekleidung stellt sich als „Pro-Sex-Aktivistin“ vor; ihr Thema ist – wie bei vielen linken Israelis – die „Gewalttätigkeit“ der israelischen Gesellschaft. („Natürlich ist die palästinensische Gesellschaft ebenso gewalttätig, nicht daß Sie denken, ich sei voreingenommen gegen Juden.“) Vier gesellschaftliche Spannungsfelder behandelt Kantorowicz anhand von Filmbeispielen: das Militär; das Verhältnis zwischen Israelis und Palästinensern; jüdische Minderheiten, etwa Falaschas; und schließlich das Verhältnis zwischen Religiösen und Säkularen. (more…)

Hirnforscherin mit Hirn

Unbedingt lesen! Die Weltwoche hat ein Interview mit der britischen Hirnforscherin Susan Greenfield geführt. Hier einige Auszüge:

Baroness Professor Susan Greenfield … hat die besondere Rolle entdeckt, die das Enzym Acetylcholinesterase (AChE) bei der Zerstörung von Zellen spielt. Dies gilt als wichtiger Ansatz zur Bekämpfung von Hirnkrankheiten wie Alzheimer oder Parkinson. Seit Greenfield 1994 als erste Frau die Weihnachtsvorlesung der Royal Institution hielt, sie präsentierte eine Rundreise durchs menschliche Hirn, die BBC live übertrug, kennt man sie auch auf der Strasse. 1998 übernahm sie die Direktion dieser Wissenschaftsvereinigung. Heute ist die 57-Jährige Professorin für Physiologie in Oxford, wo sie sich mit den Wechselwirkungen zwischen Mensch und Technik und deren Einflüssen aufs Hirn beschäftigt. Ausserdem ist sie Mitglied des House of Lords, hat vier Biotech-Start-ups gegründet und neun populärwissenschaftliche Bestseller geschrieben. Ihr neustes Buch heisst «Tomorrow’s People. How 21st-Century Technology Is Changing the Way We Think and Feel». Sie wird nächsten Montag die Europäische Futuristenkonferenz in Luzern mit einem Vortrag eröffnen.

Sind wir tot, wenn unser Hirn tot ist?
Natürlich. … Unser Hirn, also unser Bewusstsein, und wir sind so eng miteinander verbunden, ich sehe nicht, dass das eine ohne das andere sein könnte.

Sie kommen aus der Arbeiterklasse und sind heute Baroness.

Für mich war das immer alles sehr logisch, sehr folgerichtig. Mich interessieren die Fragen: Was ist ein Individuum, was ist der Verstand, was ist Bewusstsein? Das sind die Fragen der alten Griechen. Und ich gab mich nie mit einem Nein als Antwort zufrieden. In diesem Sinn ist mein Leben in sich schlüssig, für andere mag das nicht so aussehen. Aber was soll’s? Wenn jemand, der ehrlich, offen und neugierig ist, schon als komisch gilt, ist das nicht mein Problem, sondern ein trauriges Zeugnis für unsere Gesellschaft.

Gibt es so etwas wie ein weibliches Hirn?
Das ist die strittige Frage. Ja, es gibt Unterschiede, aber die individuellen Unterschiede sind doch grösser. Würde man unsere beiden Hirne jetzt rausnehmen, keiner könnte sagen, welches das weibliche, welches das männliche ist. Hätte man aber hundert weibliche, hundert männliche Hirne, man sähe den Unterschied. Nicht nur die physischen Strukturen, sondern auch die chemische Zusammensetzung ist unterschiedlich, der Testosterongehalt. Männer und Frauen lernen anders.
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Veröffentlicht in: on November 16, 2007 at 2:24 Kommentare (0)
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