Henning Mankell haßt keine Juden, er will nur, daß sie verschwinden

Eines kann man dem linken europäischen Jet Set nicht nachsagen: daß es damit hinter dem Berg halten würde, was es von dem einzigen Staat mit jüdischer Bevölkerungsmehrheit tatsächlich hält. So deutlich sämtliche Register des antizionistischen Antisemitismus gezogen – „Israel ist ein Besatzerstaat, und zwar schon seit 1948; Israel ist ein Apartheidsstaat; die Palästinenser sind die ausschließlich Guten, die jüdischen Israelis die ausschließlich Bösen; eine friedliche Zweistaatenlösung kommt nicht in Frage, Israel muß komplett verschwinden“ -  wie nun Henning Mankell, hauptberuflich Verfasser langweiliger und schlechtgelaunter Krimis, hat allerdings schon lange keiner mehr (er hieße denn Felicia Langer). Mankell schreibt,

der Staat Israel ist in seiner gegenwärtigen Form ohne Zukunft. Jene, die eine Zwei-Staaten-Lösung vertreten, denken ausserdem falsch. (mehr…)

Wie Naomi Wolf einmal das Kopftuch als Fetisch entdeckte

Und wieder macht sich eine feministische Autorin daran, die Verwandtschaft zwischen feministischer und islamistischer Sexualmoral zu beweisen und zu begrüßen. Bereits im vergangenen Jahr hatte die Genderforscherin Christina von Braun beklagt, daß die Beschäftigung mit der Unterdrückung der Frauen in islamischen Gesellschaften nur davon ablenken will, daß Frauen im Westen eigentlich viel schlimmer unterdrückt werden – durch Sexualisierung und Schönheitskult. Jörg Lau berichtete damals in seinem Blog. Laus sarkastischer Kommentar:

Ich finde allerdings, man sollte das konsequent zuende denken: Nur das Kopftuch – nein, der Vollschleier, kann die Frau davor beschützen, zum Sexualobjekt degradiert zu werden, wie es im Westen gang und gäbe ist. Der Westen (i.e. der verhasste westliche Mann) mit seinem Fortschrittglauben und seinen kolonialen Eroberungen will nun auch noch die muslimische Frau befreien (und so genannte Feministinnen helfen ihm dabei!): Denn die muslimische Frau mit Kopftuch ist der letzte noch nicht kolonialisierte Flecken dieser Erde! Unterm Dirndl wird gejodelt, doch unterm Schleier wächst der Widerstand!

Jetzt hat es jemand konsequent zuende gedacht, und zwar Naomi Wolf – ja, genau die Naomi Wolf, die vor vier Jahren den damals schon schwer kranken Literaturwissenschaftler Harold Bloom öffentlich demütigte, indem sie ihm im New York Magazine vorwarf, er habe sie 20 Jahre zuvor sexuell belästigt und traumatisiert, indem er ihr eine Hand auf den Oberschenkel gelegt habe. (mehr…)

Tomologie

Auch Hannes Stein hat Wirners und meinen Artikel über die Antideutschen gelesen, ist davon angetan und schreibt auf der Achse des Guten dazu:

Dieser Witz—ich gebe es zu—stammt nicht von mir, sondern von Manès Sperber: Tomologie, schrieb er, sei die Sektenkunde, da es sich bei “Entomologie” ja um die Insektenkunde handelt.
Hier ein weiterer Beitrag zu diesem Fach. Ich wusste ja, dass evangelikale Christen in den USA zwar sehr proisraelisch sind, sich andererseits aber nicht wirklich für Juden interessieren, jedenfalls nicht für real existierende Juden, sondern nur für jenes Israel, das im kommenden apokalyptischen Endkampf seine Rolle zu spielen hat, bevor esus vom Himmel schwebt und alle erlöst. Nun lerne ich, dass es im Grunde dieselbe Theologie auch in einer rotlackierten Version gibt. Manès Sperber hätte nicht schlecht gestaunt! Aber vielleicht hätte er es auch ganz natürlich gefunden.

Was zusammengehört

Es ist kein Land in Europa, das nicht in irgendeinem Winkel eine oder mehrere Völkerruinen besitzt, Überbleibsel einer früheren Bewohnerschaft, zurückgedrängt und unterjocht von der Nation, welche später Trägerin der geschichtlichen Entwicklung wurde. Diese Reste einer von dem Gang der Geschichte, wie Hegel sagt, unbarmherzig zertretenen Nation, diese Völkerabfälle werden jedesmal und bleiben bis zu ihrer gänzlichen Vertilgung oder Entnationalisierung die fanatischen Träger der Konterrevolution. Friedrich Engels, 1849 (MEW Band 6, S. 172)

Die linke Flanke unserer gemütlichen kleinen „prowestlichen“ Blogokugelzone – namentlich das Bad Blog – findet es gar nicht gut, daß die reaktionären Tibeter sich gegen das fortschrittliche China erheben. Denn der Einmarsch der Chinesen 1950 und das Massaker an zehntausenden Tibetern unter dem Großen Vorsitzenden Mao Zedong neun Jahre später gilt in diesen Kreisen bis heute als zivilisatorische Mission gegen den buddhistischen Klerikalfaschismus, der unweigerlich wiederauferstehen würde, sollte der finstere Dalai Lama wieder ans Ruder kommen. Das Bad Blog flüchtet sich – durch kenntnisreichere Kommentatoren, die sich sowohl mit chinesischer Geschichte als auch mit der Geschichte des Kommunismus beschäftigt haben, in die Enge getrieben – sogar in linken Geschichtsrevisionismus, indem es die größte Hungerkatastrophe der Menschheitsgeschichte, die durch Maos „Großen Sprung“ ausgelöst wurde, dem schlechten Wetter und der mangelnden Hilfsbereitschaft des Westens anlastet:

Und erkläre mir mal, wie eine Hungerkatastrophe, die vom schlechten Wetter verursacht wurde, den Maoisten in die Schuhe zu schieben sei? Wo doch der tolle Westen seine Hungerhilfe verweigert hat, oder dafür soviel Geld verlangt hat, dass es für die Chinesen zu teuer war.

Gewährsmann für diese Geschichtsauffassung ist für Bad Blog – wie auch für Lizas Welt – der Journalist Colin Goldner, Psychologe, Kulturanthropologe und Autor für Jungle World und Junge Welt – außerdem Mitglied im Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten und der Giordano Bruno Stiftung.

In der rotbraunen und antizionistischen Jungen Welt hetzt Goldner offen gegen den tibetischen „Rotkuttenmob“, der vom Dalai Lama angeblich zum Terror gegen friedliche Chinesen aufgehetzt worden sei.

Im Internet kursierten wenig später erste Gerüchte über geplante Sabotageakte, Terroranschläge und Attentate.

Wird schon stimmen, wenn es im Internet kursiert. Wozu sollte ein kritischer Journalist das dann noch nachprüfen?

Und noch ein weiteres Verbrechen des Dalai Lama hat Colin Goldner aufgedeckt: Auf der Website der von Goldner mitbegründeten Tierrechtsorganisation 4pawsnet wird gnadenlos enthüllt, daß der Dalai Lama sich perfiderweise als Tierschützer und Vegetarier ausgibt, obwohl er beides nicht ist. Pfui!

Wenn es um China und Tibet* geht, paßt zwischen die Steinzeitkommunisten von Junger Welt und der Partei DIE LINKE und die „prowestliche“ Linke, die von den Feindbildern USA und Israel glücklicherweise Abschied genommen hat, kein Blatt Papier. Die schlichte humane Erkenntnis, daß man Menschengruppen, die nicht Trägerin der geschichtlichen Entwicklung sind, nicht einfach wie Völkerruinen oder Völkerabfälle behandeln darf, die man getrost vertilgen kann, ist in diese aufgeklärten Kreise noch nicht vorgedrungen.

———————————————

*Oder die Sowjetunion und Afghanistan, Rußland und Tschetschenien, Serbien und Bosnien bzw. Kosovo etc.

Dafür studiert einer Philosophie?

Der italienische Philosoph Gianni Vattimo, der neben Tariq Ramadan und der Kommunistischen Partei Italiens zu denen gehört, die zum Boykott der Buchmesse in Turin aufrufen, weil Israel das diesjährige Gastland ist, antwortet seinen Kritikern:

„Wenn jeder, der sich gegen Israel wendet, als Antisemit gilt, dann gehöre ich auch dazu.“

Wenn er meint.

Veröffentlicht in: on 18. Februar 2008 at 16:19 Kommentare (1)

Geschichtsrevisionismus von links

Stalinismus und Faschismus waren politische Bundesgenossen und hatten gleiche oder zumindest vergleich­bare ideologische Ziele.

Das schreibt ein Berliner Historiker in der linken Wochenzeitung Jungle World vom 14. Februar 2008. Was für eine unerträgliche Gleichsetzung zweier grundverschiedener politischer Systeme im Ungeiste der rechtskonservativen und antisemitischen Totalitarismustheorie, einer Ideologie, die nur erfunden wurde, um die Deutschen von ihrer NS-Vergangenheit zu entlasten! Die Opfer der Schoa werden mit diesem Satz aufs Unerträglichste verhöhnt! Zudem soll damit jede sozialistische Utopie ein für allemal diskreditiert werden! So etwas ist unerträglich, antisemitisch und typisch deutsch! Clemens Heni, übernehmen Sie!

Moment, ich habe mich verlesen, das steht da gar nicht, da steht vielmehr:

Konservativismus und Faschismus waren politische Bundesgenossen und hatten gleiche oder zumindest vergleich­bare ideologische Ziele.

Autor: Wolfgang Wippermann, Privatdozent an der Freien Universität Berlin. Dann ist ja alles wieder gut, so stimmt es natürlich, Konservativismus und Faschismus darf man, ja muß man gleichsetzen. Das nicht zu tun, wäre wiederum antisemitisch und geschichtsrevisionistisch. Gut, daß das Weltbild wieder stimmt.

Endlich: Götz Aly als Antisemit entlarvt!

Ein weiteres trauriges Beispiel linksradikalen Wahns von Clemens „Dr. phil.“ Heni.

Veröffentlicht in: on 13. Februar 2008 at 17:22 Kommentare (1)
Tags: ,

Hannah-Arendt-Preis für Antizionismus

Morgen wird dem britisch-amerikanischen Historiker Tony Judt der Hannah-Arendt-Preis für politisches Denken der Stadt Bremen verliehen. Dagegen protestieren Elvira Noa und Grigori Pantijelew vom Präsidium der Jüdischen Gemeinde Bremen in einem offenen Brief an die Jury des Hannah-Arendt-Preises, die Heinrich-Böll-Stiftung und den Bremer Senat. Die Autoren zitieren anti-israelische Äußerungen Judts – wie die, Israel sei „ein Besatzer und Kolonialist“ und „ein politischer Anachronismus“ – und schreiben: „In der Jurybegründung wird peinlichst genau vermieden, nur ein einziges Wort über Judts Verdienste auf dem Gebiet des palästinensischen ideologischen Kampfes zu verlieren.“ Judt hatte in der Vergangenheit mehrfach die Auflösung Israels als jüdischer Staat gefordert. „Sein Programm des binationalen Staates ist, nach treffenden Worten Leon Wieseltiers, ,keine Alternative für Israel‘, sondern ,die Alternative zu Israel‘“, heißt es in dem offenen Brief. Desweiteren zeigen sich Noa und Pantijelew „irritiert“ darüber, „dass die Preisverleihung an einem Freitagabend und die Diskussionsveranstaltung an einem Samstagmorgen stattfindet. Jüdinnen und Juden, die traditionell den Schabbat begehen, sind also von der Teilnahme ausgeschlossen“.

(Der vollständige Offene Brief findet sich hier.)

Auch in Berlin wird jetzt gegen die „Israel-Lobby“ gekämpft

Die amerikanische Nahostpolitik wird – und dies zu ihrem Schaden – von einer „Israel-Lobby“ bestimmt. Das meinen die US-Politologen John J. Mearsheimer und Stephen Walt. In ihrem gleichnamigen Zeitschriftenaufsatz in der London Review of Books, wenig später zu einem Buch ausgewalzt, liefern sie die passende Immunisierungsstrategie gegen Kritik gleich mit: Wer die Israel-Lobby kritisiere, würde mit dem ungerechtfertigten Vorwurf des Antisemitismus bedacht.

Derzeit touren die beiden mit ihrem Buch durch deutsche Städte. Auch in Berlin wurde Station gemacht, Gastgeberin war die Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP). Dort wiederholen Walt und Mearsheimer ihre Kernthesen: Die Israel-Lobby, bestehend aus Aipac (American Israel Public Affairs Committee) und anderen jüdischen Organisationen, den Zeitschriften Weekly Standard und New Republic sowie den Neokonservativen, habe die öffentliche Meinung in den USA fest im Griff, so daß sich kein Politiker traue, Israel zu kritisieren; ausschließlich Israel und die Israel-Lobby, inclusive der Neocons, seien die treibenden Kräfte hinter dem Irakkrieg gewesen; heute dringe die Lobby auf einen Krieg gegen den Iran; dieses nähre den Terrorismus und schade den amerikanischen Interessen, ebenso – wie die Autoren immer wieder betonen – denen Israels. Bei soviel freundlicher Fürsorge fragt man sich aber doch, warum sie es nicht Sorge der Israelis sein lassen, was ihren Interessen am besten dient. Ihre Forderung: Amerika solle seine „special relationship“ mit Israel aufgeben, sich von der Politik des Landes „distanzieren“ und Israel als ein „normales Land“ behandeln.

Das Wort „normal“ fällt im Laufe des Abends sicher zwanzigmal. (mehr…)

Reading Addicts Anonymous

Heute muß ich ein Geständnis machen: Ich bin lektüresüchtig. Ganz ähnlich wie Alkohol oder Kokain können Bücher und Zeitungen zur gefährlichen Sucht werden. Eine allgemein gültige Grenze gibt es zwar nicht, ab der man als lektüresüchtig gilt. Doch typische Anzeichen weisen darauf hin, ob man sich professionelle Hilfe gegen ein Abdriften in die Selbstzerstörung suchen sollte. So habe ich bereits wichtige Termine versäumt, weil ich mit Lesen beschäftigt war. Ich lese zwanghaft oft, sogar mehrmals am Tag. Ich habe viele Bücher. Oft lenkt mich ein interessanter Aufsatz von der Arbeit ab. Ich nutze regelmäßig Blogs und die Online-Angebote der Tageszeitungen. Ich werde nervös und schlecht gelaunt, wenn ich für längere Zeit vom Lesen abgehalten werde. Ganz klar, ich bin lektüresüchtig. Und Sie sind es auch. Wetten? Wenn Sie es nicht glauben, machen Sie den Test.

Veröffentlicht in: on at 12:26 Kommentar schreiben