Was zusammengehört

Es ist kein Land in Europa, das nicht in irgendeinem Winkel eine oder mehrere Völkerruinen besitzt, Überbleibsel einer früheren Bewohnerschaft, zurückgedrängt und unterjocht von der Nation, welche später Trägerin der geschichtlichen Entwicklung wurde. Diese Reste einer von dem Gang der Geschichte, wie Hegel sagt, unbarmherzig zertretenen Nation, diese Völkerabfälle werden jedesmal und bleiben bis zu ihrer gänzlichen Vertilgung oder Entnationalisierung die fanatischen Träger der Konterrevolution. Friedrich Engels, 1849 (MEW Band 6, S. 172)

Die linke Flanke unserer gemütlichen kleinen “prowestlichen” Blogokugelzone - namentlich das Bad Blog - findet es gar nicht gut, daß die reaktionären Tibeter sich gegen das fortschrittliche China erheben. Denn der Einmarsch der Chinesen 1950 und das Massaker an zehntausenden Tibetern unter dem Großen Vorsitzenden Mao Zedong neun Jahre später gilt in diesen Kreisen bis heute als zivilisatorische Mission gegen den buddhistischen Klerikalfaschismus, der unweigerlich wiederauferstehen würde, sollte der finstere Dalai Lama wieder ans Ruder kommen. Das Bad Blog flüchtet sich - durch kenntnisreichere Kommentatoren, die sich sowohl mit chinesischer Geschichte als auch mit der Geschichte des Kommunismus beschäftigt haben, in die Enge getrieben - sogar in linken Geschichtsrevisionismus, indem es die größte Hungerkatastrophe der Menschheitsgeschichte, die durch Maos “Großen Sprung” ausgelöst wurde, dem schlechten Wetter und der mangelnden Hilfsbereitschaft des Westens anlastet:

Und erkläre mir mal, wie eine Hungerkatastrophe, die vom schlechten Wetter verursacht wurde, den Maoisten in die Schuhe zu schieben sei? Wo doch der tolle Westen seine Hungerhilfe verweigert hat, oder dafür soviel Geld verlangt hat, dass es für die Chinesen zu teuer war.

Gewährsmann für diese Geschichtsauffassung ist für Bad Blog - wie auch für Lizas Welt - der Journalist Colin Goldner, Psychologe, Kulturanthropologe und Autor für Jungle World und Junge Welt - außerdem Mitglied im Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten und der Giordano Bruno Stiftung.

In der rotbraunen und antizionistischen Jungen Welt hetzt Goldner offen gegen den tibetischen “Rotkuttenmob”, der vom Dalai Lama angeblich zum Terror gegen friedliche Chinesen aufgehetzt worden sei.

Im Internet kursierten wenig später erste Gerüchte über geplante Sabotageakte, Terroranschläge und Attentate.

Wird schon stimmen, wenn es im Internet kursiert. Wozu sollte ein kritischer Journalist das dann noch nachprüfen?

Und noch ein weiteres Verbrechen des Dalai Lama hat Colin Goldner aufgedeckt: Auf der Website der von Goldner mitbegründeten Tierrechtsorganisation 4pawsnet wird gnadenlos enthüllt, daß der Dalai Lama sich perfiderweise als Tierschützer und Vegetarier ausgibt, obwohl er beides nicht ist. Pfui!

Wenn es um China und Tibet* geht, paßt zwischen die Steinzeitkommunisten von Junger Welt und der Partei DIE LINKE und die “prowestliche” Linke, die von den Feindbildern USA und Israel glücklicherweise Abschied genommen hat, kein Blatt Papier. Die schlichte humane Erkenntnis, daß man Menschengruppen, die nicht Trägerin der geschichtlichen Entwicklung sind, nicht einfach wie Völkerruinen oder Völkerabfälle behandeln darf, die man getrost vertilgen kann, ist in diese aufgeklärten Kreise noch nicht vorgedrungen.

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*Oder die Sowjetunion und Afghanistan, Rußland und Tschetschenien, Serbien und Bosnien bzw. Kosovo etc.

Muffensausen

Der dänische Karikaturist Kurt Westergaard gehtgerichtlich gegen den Anti-Islam-Film des niederländischen Politikers Geert Wilders vor. Das kündigte Dänemarks Journalistenverband amFreitag in Kopenhagen an. Wilders habe die international bekannteMohammed-Karikatur Westergaards ohne Genehmigung verwendet. Mandistanziere sich in aller Form davon, dass die Zeichnung mit demPropheten Mohammed als Terrorist mit einer Bombe im Turban «fürpolitische Propaganda missbraucht wird», sagte Verbandschef Mogens Bjerregård.Westergaard sagte im Rundfunk, Wilders habe die Karikatur «ineinem völlig falschen Zusammenhang für eigene Zwecke benutzt und deshalb missbraucht». Der Niederländer setzt in seinem 15-minütigen, am Donnerstag im Internet veröffentlichten Film den Islam mit dem Faschismus gleich und verlangt ein Verbot des Korans. Am Anfang und am Ende des Streifens ist die dänische Karikatur zu sehen.

Westergaard lebt auf Anraten des dänischen Geheimdienstes PET wegen Morddrohungen an wechselnden Adressen. Seine Zeichnung war 2005 mit elf weiteren Mohammed-Karikaturen in der größten dänischen Zeitung «Jyllands-Posten» erschienen. Auch der Kulturchef des Blattes, Flemming Rose, distanzierte sich von dem Wilders-Film. Mehrere Monate nach dem Erscheinen der Zeichnung in der betont islam-kritischen Zeitung waren bei massiven Protesten in islamischen Ländern mehr als 150 Menschen ums Leben gekommen. (dpa)

Todesstrafe für Prophetenbeleidigung

Wahied Wahdat-Hagh: Eine Gesetzesvorlage zum islamischen Strafgesetz beschäftigt das islamistische „Parlament“. Weder die Steinigung soll abgeschafft werden, noch die Todesstrafe für Kinder. Eine Erweiterung der Todesstrafe für Prophetenbeleidigung ist vorgesehen.

Falsche Spur

Die Aleviten sind nicht ganz so liberal, wie sie sich darstellen, meint Necla Kelek.

Keine Panik

Die gemäßigten Muslime und die Attraktivität unserer westlichen Lebensweise werden’s schon irgendwann richten:

Jeder vierte junge Anhänger des Islam ist laut einer Studie des Innenministeriums zu Gewalt gegen Andersgläubige bereit. … 40 Prozent der Muslime ordne die Studie als fundamental orientiert ein, mit klaren religiösen Orientierungsmustern und Moralvorstellungen. Eine kleine Gruppe von sechs Prozent werde als „gewaltaffin“ eingestuft. Immerhin 14 Prozent der Befragten, von denen knapp 40 Prozent einen deutschen Pass hatten, stünden mit der Rechtsstaatlichkeit auf Kriegsfuß und zeigten eine problematische Distanz zur Demokratie, … Laut der Erhebung der Hamburger Sozialforscher Peter Wetzel und Katrin Brettfeld identifizierten sich zwölf Prozent der Muslime in Deutschland mit einer stark religiös-moralischen Kritik an westlichen Gesellschaften, kombiniert mit der Befürwortung von Körperstrafen bis hin zur Todesstrafe.

(Quelle)

Veröffentlicht in: on Dezember 20, 2007 at 10:26 Kommentare (2)

Genosse Denunziant

Der antideutsche Blogger Hector Calvelli schickte eine Mail an die dreiköpfige GbR “Die Achse des Guten”, die er freundlicherweise auch mir zur Kenntnis gab. Hier sei sie dokumentiert - zum einen, weil damit nun geklärt sein dürfte, wer versucht, den Autor Michael Holmes aus der Achse des Guten herauszumobben (Liza war es also nicht; sorry nochmal), und zum anderen, weil sie den - groteskerweise sogar teilweise erfolgreichen - Versuch antideutscher Linksradikaler belegt, einem islamismuskritischen und proisraelischen liberalen Milieu zu oktroyieren, worüber es zu diskutieren und wozu es zu schweigen hat. Hier nun die Mail von Calvelli, nebst Kommentaren:

Meine lieben Herren,

in der Diskussion um Mr. Holmes und seinen (gelöschten) Artikel zur Antifa scheint mir ein wesentlicher Aspekt unterzugehen:

Es sollte für einen anständigen Linken (und vielleicht gibt es derer gar noch zwei oder drei) in keinster Weise ein Problem darstellen, wenn totalitäre Gewaltphantasien kritisiert werden. Es sollte vielmehr seine Sache selbst sein. Doch darum geht es Mr. Holmes keineswegs. (more…)

Adam und Eva tun’s mit Kondom

Uniformen, Orthodoxe und lüsterne Palästinenser: Israelische Pornos setzen landeseigene Akzente

Der Altersdurchschnitt liegt unter 30, und etwa zwei Drittel der Besucher sind weiblich. Beim 2. internationalen Pornfilmfestival Ende Oktober in Berlin bestätigt die Zusammensetzung des Publikums so gar nicht das Klischee vom typischen Pornokonsumenten, der sich fett, verschwitzt und männlich durch die Schmuddelabteilungen der Videotheken drückt. Studentisch geprägte Großstadtboheme findet sich zu den zahlreichen Filmen und Vorträgen auf dem von dem Filmemacher Jürgen Brüning initiierten Festival ein. Brüning gründete in den frühen neunziger Jahren bereits das Schwul-lesbische Filmfestival. Mit dem Pornfilmfestival will der 49-Jährige Kunst, Independent und Avantgarde zeigen – ohne den expliziten Charakter der Filme zu leugnen. Nur Durchschnittsware dürfe es eben nicht sein. Laut Brüning stammen 30 Prozent der gezeigten Filme von weiblichen Regisseuren.

Porno gibt es auch in Israel. Im Kreuzberger Eiszeit-Kino, 1980 von Brüning gegründet, beschäftigen sich gleich zwei Vorträge mit dem Sexfilm in Israel und seinen gesellschaftspolitischen Implikationen. Liad Kantorowicz spricht über „Soziale und politische Tabus in israelischer Pornografie“. Die kleine Frau in Hippiekleidung stellt sich als „Pro-Sex-Aktivistin“ vor; ihr Thema ist – wie bei vielen linken Israelis – die „Gewalttätigkeit“ der israelischen Gesellschaft. („Natürlich ist die palästinensische Gesellschaft ebenso gewalttätig, nicht daß Sie denken, ich sei voreingenommen gegen Juden.“) Vier gesellschaftliche Spannungsfelder behandelt Kantorowicz anhand von Filmbeispielen: das Militär; das Verhältnis zwischen Israelis und Palästinensern; jüdische Minderheiten, etwa Falaschas; und schließlich das Verhältnis zwischen Religiösen und Säkularen. (more…)

Negatives Poesiealbum

Auch manche Libertäre sind anfällig für Adornokitsch.

(Der Kommentar von M. Kastner trifft den Nagel auf den Kopf: “Ich weiß nicht, ob das jetzt Dialektik ist, was der Herr Adorno da gesagt hat, aber es ist monokausal und simplizistisch.”)

Veröffentlicht in: on November 16, 2007 at 3:33 Kommentare (0)
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Hirnforscherin mit Hirn

Unbedingt lesen! Die Weltwoche hat ein Interview mit der britischen Hirnforscherin Susan Greenfield geführt. Hier einige Auszüge:

Baroness Professor Susan Greenfield … hat die besondere Rolle entdeckt, die das Enzym Acetylcholinesterase (AChE) bei der Zerstörung von Zellen spielt. Dies gilt als wichtiger Ansatz zur Bekämpfung von Hirnkrankheiten wie Alzheimer oder Parkinson. Seit Greenfield 1994 als erste Frau die Weihnachtsvorlesung der Royal Institution hielt, sie präsentierte eine Rundreise durchs menschliche Hirn, die BBC live übertrug, kennt man sie auch auf der Strasse. 1998 übernahm sie die Direktion dieser Wissenschaftsvereinigung. Heute ist die 57-Jährige Professorin für Physiologie in Oxford, wo sie sich mit den Wechselwirkungen zwischen Mensch und Technik und deren Einflüssen aufs Hirn beschäftigt. Ausserdem ist sie Mitglied des House of Lords, hat vier Biotech-Start-ups gegründet und neun populärwissenschaftliche Bestseller geschrieben. Ihr neustes Buch heisst «Tomorrow’s People. How 21st-Century Technology Is Changing the Way We Think and Feel». Sie wird nächsten Montag die Europäische Futuristenkonferenz in Luzern mit einem Vortrag eröffnen.

Sind wir tot, wenn unser Hirn tot ist?
Natürlich. … Unser Hirn, also unser Bewusstsein, und wir sind so eng miteinander verbunden, ich sehe nicht, dass das eine ohne das andere sein könnte.

Sie kommen aus der Arbeiterklasse und sind heute Baroness.

Für mich war das immer alles sehr logisch, sehr folgerichtig. Mich interessieren die Fragen: Was ist ein Individuum, was ist der Verstand, was ist Bewusstsein? Das sind die Fragen der alten Griechen. Und ich gab mich nie mit einem Nein als Antwort zufrieden. In diesem Sinn ist mein Leben in sich schlüssig, für andere mag das nicht so aussehen. Aber was soll’s? Wenn jemand, der ehrlich, offen und neugierig ist, schon als komisch gilt, ist das nicht mein Problem, sondern ein trauriges Zeugnis für unsere Gesellschaft.

Gibt es so etwas wie ein weibliches Hirn?
Das ist die strittige Frage. Ja, es gibt Unterschiede, aber die individuellen Unterschiede sind doch grösser. Würde man unsere beiden Hirne jetzt rausnehmen, keiner könnte sagen, welches das weibliche, welches das männliche ist. Hätte man aber hundert weibliche, hundert männliche Hirne, man sähe den Unterschied. Nicht nur die physischen Strukturen, sondern auch die chemische Zusammensetzung ist unterschiedlich, der Testosterongehalt. Männer und Frauen lernen anders.
(more…)

Bin ich eigentlich der einzige, der hier lachen muß?

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(Hier zu besichtigen.)

(Dank an M.W. für den Hinweis.)

Veröffentlicht in: on November 12, 2007 at 2:39 Kommentare (4)
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