Dialektik der Aufklärung

Der Blogger Chodo, der sich den “Brights” zurechnet - sich also als kämpferischer Atheist und Aufklärer versteht - und für den Dalai Lama nichts übrig hat, fühlt sich gleichwohl von den Hetzschriften eines Colin Goldner und seinesgleichen abgestoßen und bezeichnet sie als das, was sie sind, als

Schmutzige “Aufklärung”:

Ein gewisser Colin Goldner hat bei der Zeitung “Junge Welt” (einer marxistischen Zeitung) ein wirklich abstoßendes und offen suggestives Pamphlet gegen den Dalai Lama (und für die chinesische Regierung) veröffentlicht. Der Inhalt ist dermaßen lächerlich, dass es jedem gesunden Menschen sofort auffallen muss.

Bei dem Rest des Artikels frage ich mich, woher die “Fakten” eigentlich stammen? Ich mutmaße mal direkt aus China.

Im Zusammenhang mit China dem Dalai Lama mangelndes Demokratieverständnis vorzuwerfen ist auch harter Tobak.

Es heißt der Dalai Lama “behauptete er wahrheitswidrig” Menschenrechtsverbrechen. Where’s the beef? Kein Beleg, keine weitere Untermauerung, stattdessen der Verweis auf die Unruhen “am selben Tag”.

“Die Polizei ging konsequent gegen den Rotkuttenmob vor und nahm zahlreiche Verhaftungen vor.” Das ist so ziemlich der einzige Satz, der sich mit den Handlungen der Chinesen befasst. Etwas mehr werden sie schon gemacht haben.

Selbst wenn die Vorwürfe in dem Artikel von Goldner die ausgemachte Richtigkeit hätten, bliebe die Art und Weise ihrer Äußerung gleich empörend und verabscheuenswürdig.

Fortschrittsfreunde

Jungle-World-Dissident Stefan Wirner schreibt in der heutigen WELT über linke China-Apologeten, die den Tibetern in den Rücken fallen, weil der Dalai Lama ein “schmieriger Kostgänger des Westens (ist), der die Vergangenheit einer parasitären Mönchsdiktatur verkörpert.”

Norman Paech, der außenpolitische Experte (der Linksfraktion) … sagte dem Berliner “Tagesspiegel”, “bei aller Farbigkeit und allem schönen Traditionalismus” trage das System des tibetischen Buddhismus auch “sehr starke feudale Elemente, die hinter dem freundlichen Lächeln des Dalai Lama verschwinden”. In der Frage der Menschenrechte zeigte Paech sich überzeugt, dass die Chinesen “da einen großen Schritt weitergekommen sind”.

… Die Linke hat kein grundsätzliches Problem mit der Religion - es kommt ihr schlicht darauf an, in welchen Diensten diese steht. Wenden sich religiöse Führer gegen den Westen und die Demokratie, so sind sie durchaus ein möglicher Bündnispartner. Die Tageszeitung “Junge Welt”, die dem radikalen Spektrum der Linkspartei nahesteht, brachte es in einem Kommentar auf den Punkt: “Khomeini war der Inspirator einer antiimperialistischen Volkserhebung, die das Antlitz der Region entscheidend verändert hat. Der Dalai Lama ist ein schmieriger Kostgänger des Westens, der die Vergangenheit einer parasitären Mönchsdiktatur verkörpert.” (more…)

Bilderloses Grauen

Hannes Stein macht auf einen gefährlichen blinden Fleck im Bewußtsein der westlichen Öffentlichkeit aufmerksam:

Was entgeht uns, während die ganze Welt … mit dem Krieg gegen den radikalen Islam beschäftigt ist …: Welchen Fehler sind wir gerade jetzt im Begriff zu begehen, der uns im Rückblick geradezu lachhaft offenkundig vorkommen wird, für die Zeitgenossen aber auf seltsame Weise unsichtbar bleibt? …

Wenn ich meinen letzten Silberdollar wetten sollte, was der Menschheit in 50 Jahren … erhebliches Kopfzerbrechen bereiten wird, dann würde ich sagen: der Wiederaufstieg des Sozialismus. …

Dafür gibt es – mindestens – drei Gründe. Erstens hört das Versprechen des Sozialismus nicht auf, verführerisch zu sein. Es ist ja einfach wahr, dass der Kapitalismus außer enormem Reichtum auch soziale Gegensätze produziert; … dass die auf Eigentum basierende Marktwirtschaft sich ideologisch nicht rechtfertigen kann. Sie funktioniert halt, das ist alles. …

Zweitens ermöglichen die sozialistischen Theorien (allen voran der Marxismus) denen, die an sie glauben, ungeheuer viel zu verstehen, ohne dass sie ungeheuer viel studieren müssten. An allem Elend sind im Zweifel die sozialen Verhältnisse schuld. …  Das lästige Herumrecherchieren, das Stochern in banalen Fakten entfällt. (Man darf es als „Positivismus” sogar von Herzen verachten.) …

Drittens gilt der Sozialismus – im Gegensatz zum Faschismus – als rein und unschuldig. Ich bin nicht sicher, ob in 50 Jahren noch irgendjemand (außer den Juden und den Deutschen) wissen wird, was Auschwitz war. Ich bin aber ziemlich zuversichtlich, dass sich bis dahin kein Mensch mehr an den Archipel Gulag erinnert. Schon heute befindet der Stalinismus sich kaum mehr im öffentlichen Bewusstsein. Der Grund ist simpel: Es gibt kein verbreitetes, kein jederzeit aus dem Gedächtnis abrufbares Bild vom Gulag. Anders als die Bahngeleise, die zur Rampe von Auschwitz führen, ist die Landschaft von Workuta nicht Teil der populären Mythologie. Es gibt nicht einen Hollywoodfilm über den Archipel Gulag …
Es gibt übrigens auch keinen Film über jenen namenlosen Horror, der so nett als „chinesische Kulturrevolution” bezeichnet wird. Mit anderen Worten: Wer den Nazis sein „Nie wieder!” entgegenschmettert, kann auf einen reichen Fundus von historischen Reminiszenzen zurückgreifen. Wer den sozialistischen Nostalgikern mit einem „Nie wieder” begegnen will, hat lediglich das dünne Bewusstsein von irgendetwas Ungutem auf seiner Seite. Auf wie vielen Bücherregalen dieses Planeten stehen denn die Bücher von Alexander Solschenizyn und Robert Conquest?

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Veröffentlicht in: on April 8, 2008 at 12:31 Kommentare (0)
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Was zusammengehört

Es ist kein Land in Europa, das nicht in irgendeinem Winkel eine oder mehrere Völkerruinen besitzt, Überbleibsel einer früheren Bewohnerschaft, zurückgedrängt und unterjocht von der Nation, welche später Trägerin der geschichtlichen Entwicklung wurde. Diese Reste einer von dem Gang der Geschichte, wie Hegel sagt, unbarmherzig zertretenen Nation, diese Völkerabfälle werden jedesmal und bleiben bis zu ihrer gänzlichen Vertilgung oder Entnationalisierung die fanatischen Träger der Konterrevolution. Friedrich Engels, 1849 (MEW Band 6, S. 172)

Die linke Flanke unserer gemütlichen kleinen “prowestlichen” Blogokugelzone - namentlich das Bad Blog - findet es gar nicht gut, daß die reaktionären Tibeter sich gegen das fortschrittliche China erheben. Denn der Einmarsch der Chinesen 1950 und das Massaker an zehntausenden Tibetern unter dem Großen Vorsitzenden Mao Zedong neun Jahre später gilt in diesen Kreisen bis heute als zivilisatorische Mission gegen den buddhistischen Klerikalfaschismus, der unweigerlich wiederauferstehen würde, sollte der finstere Dalai Lama wieder ans Ruder kommen. Das Bad Blog flüchtet sich - durch kenntnisreichere Kommentatoren, die sich sowohl mit chinesischer Geschichte als auch mit der Geschichte des Kommunismus beschäftigt haben, in die Enge getrieben - sogar in linken Geschichtsrevisionismus, indem es die größte Hungerkatastrophe der Menschheitsgeschichte, die durch Maos “Großen Sprung” ausgelöst wurde, dem schlechten Wetter und der mangelnden Hilfsbereitschaft des Westens anlastet:

Und erkläre mir mal, wie eine Hungerkatastrophe, die vom schlechten Wetter verursacht wurde, den Maoisten in die Schuhe zu schieben sei? Wo doch der tolle Westen seine Hungerhilfe verweigert hat, oder dafür soviel Geld verlangt hat, dass es für die Chinesen zu teuer war.

Gewährsmann für diese Geschichtsauffassung ist für Bad Blog - wie auch für Lizas Welt - der Journalist Colin Goldner, Psychologe, Kulturanthropologe und Autor für Jungle World und Junge Welt - außerdem Mitglied im Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten und der Giordano Bruno Stiftung.

In der rotbraunen und antizionistischen Jungen Welt hetzt Goldner offen gegen den tibetischen “Rotkuttenmob”, der vom Dalai Lama angeblich zum Terror gegen friedliche Chinesen aufgehetzt worden sei.

Im Internet kursierten wenig später erste Gerüchte über geplante Sabotageakte, Terroranschläge und Attentate.

Wird schon stimmen, wenn es im Internet kursiert. Wozu sollte ein kritischer Journalist das dann noch nachprüfen?

Und noch ein weiteres Verbrechen des Dalai Lama hat Colin Goldner aufgedeckt: Auf der Website der von Goldner mitbegründeten Tierrechtsorganisation 4pawsnet wird gnadenlos enthüllt, daß der Dalai Lama sich perfiderweise als Tierschützer und Vegetarier ausgibt, obwohl er beides nicht ist. Pfui!

Wenn es um China und Tibet* geht, paßt zwischen die Steinzeitkommunisten von Junger Welt und der Partei DIE LINKE und die “prowestliche” Linke, die von den Feindbildern USA und Israel glücklicherweise Abschied genommen hat, kein Blatt Papier. Die schlichte humane Erkenntnis, daß man Menschengruppen, die nicht Trägerin der geschichtlichen Entwicklung sind, nicht einfach wie Völkerruinen oder Völkerabfälle behandeln darf, die man getrost vertilgen kann, ist in diese aufgeklärten Kreise noch nicht vorgedrungen.

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*Oder die Sowjetunion und Afghanistan, Rußland und Tschetschenien, Serbien und Bosnien bzw. Kosovo etc.

Antizionistische Üblichkeiten

Die Website “Qantara.de – Dialog mit der islamischen Welt” ist ein gemeinsames Internetportal der Bundeszentrale für politische Bildung, der Deutschen Welle, des Goethe-Instituts und des Instituts für Auslandsbeziehungen. Das Projekt wird vom Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland gefördert.

Der in Berlin lebende israelische Journalist Igal Avidan schrieb für Qantara.de einen Text über den Milliardär Stef Wertheimer, der sein Geld in zahlreiche israelisch-palästinensische Projekte steckt und kürzlich mit der Buber-Rosenzweig-Medaille ausgezeichnet wurde. Der Beitrag wurde abgelehnt, was der Redakteur folgendermaßen begründete:

Lieber Igal Avidan,

ich hatte mich schon Anfang der Woche melden wollen; Zeit is immer so knapp, kennen Sie ja auch. Ganz kurz also zur Info: Wir haben uns entschlossen, den Wertheimer-Text nicht zu publizieren, aus dem einfachen Grund, weil es ein jüdischer Preis ist, der an einen jüdischen Israeli vergeben wurde, der sich offen zum Zionismus bekennt, aber für sein Engagement für israelische Palistinenser ausgezeichnet wurde. Die Botschaft, die man bei so einer Story herausdistellieren kann, ist: Zionismus und das Engagement für die Palestinenser lassen sich wunderbar miteinander vereinbaren! - Nun, es gibt Leute, die in dieser Aussage einen Widerspruch entdecken würden. Ich will jetzt aber gar nicht polemisieren, und es geht auch nicht darum, die Leistungen von Stef Wertheimer zu unterschlagen. Nur müssen wir und wollen wir als Dialogportal ein besonderes Gewicht auf die Ausgewogenheit unserer Berichterstattung legen.

Man hätte das Thema schon auch noch umsetzen können, nur hätte man einen aus unserer Sicht anderen Ansatz wählen müssen, aber in dieser Woche fehlte leider die Zeit dafür. Wegen der Handhabung bez. Honorar setzen wir uns mit ihnen nächste Woche in Verbindung.

Mit freundlichen Grüßen,

Lewis Gropp
Redaktion / Editorial staff Qantara.de
c/o Deutsche Welle
Lewis.Gropp@dw-world.de

Igal Avidan antwortete darauf:

Lieber Herr Gropp,

Ihre Antwort erstaunt mich.

Zum einen ist die Buber-Rosenzweig-Medaille, anders als Sie annehmen, kein “jüdischer Preis”, sondern sie wird vom Koordinierungsrat der Christlich-Jüdischen Gesellschaften verliehen, die (aus bekannten historischen Gründen) mehrheitlich aus Nichtjuden bestehen.

Stef Wertheimer setzt sich nicht besonders für Palästinenser (und nicht Palestinenser) ein, sondern für alle Menschen im Nahen Osten, die arbeiten wollen und die Gewalt und Fanatismus ablehnen.

Zum anderen ist der Zionismus die Antwort auf die Judenverfolgung in Europa und bildete die Grundlage für die Errichtung des Staates Israel. Wäre der Zionismus erfolgreicher gewesen, so wären möglicherweise nicht sechsMillionen Juden ermordet worden.

Ich sehe keinen Widerspruch zwischen Zionismus und dem Einsatz für eine friedliche Lösung des Konfliktes. Jossi Beilin und die Genfer Initiative sind ein ausgezeichnetes Beispiel dafür.

Wenn Sie als Internetportal der Deutschen Welle einen Dialog wirklich wollen, dann eben auch mit Zionisten, die immerhin die Mehrheit der Israelis darstellen. Wenn Sie aber über einen Menschen wie Steff Wertheimer nicht berichten wollen, weil er ein Zionist ist, dann wollen Sie wohl keinen Dialog mit Israelis.

Ich werde Ihr Schreiben öffentlich machen und bin gespannt auf die Reaktionen.

Mit zionistischem Gruss,

Igal Avidan

Ich fragte den Qantara-Redakteur Gropp per E-Mail:

Ich muß gestehen, daß sich mir die Logik Ihrer Begründung nicht völlig erschließt. Können Sie mir darüber Auskunft geben, was damit gemeint sein soll?

Gropp schrieb mir daraufhin:

Sehr geehrter Ingo Way,

danke für Ihre Mail. Erlauben Sie mir, Ihnen die Antwort zukommen zu lassen, mit der wir auf die verschiedenen Anfragen in dieser Sache reagiert haben. Melden Sie sich gerne, wenn Sie weitere Rückfragen haben. Ich bin indessen ab morgen bis zum 12. April verreist; wenden Sie sich dann bitte an unseren Redaktionsleiter, Loay Mudhoon, (loay.mudhoon@dw-world.de; 0228-429-2596).

Mit freundlichen Grüßen,

Lewis Gropp

***

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Anlass ist zwar ein Unerfreulicher, aber Sie waren rücksichtsvoll genug, die Mail auch an uns zu versanden, was uns die Gelegenheit gibt, dazu Stellung zu beziehen - was wir hiermit gerne tun möchten.

Aufgrund von Abstimmungsschwierigkeiten kam es in diesem Fall zu beträchtlichen Missverständnissen, die wir allerdings mit unserem langjährigen Autor Igal Avidan bereits am vergangenen Sonntag ausräumen konnten. Der Artikel ist inzwischen wie mit ihm abgesprochen auf unserer Seite publiziert.

In der Sache sind unsere Positionen nicht korrekt wiedergegeben worden; unser Dialog-Magazin steht für eine fundierte und ausgewogene Berichterstattung, eine Verantwortung, die wir gerade in Bezug auf Israel sehr ernst nehmen. So finden sich auf unseren Seiten mehrere Beiträge, die sich mit dem Problem der pauschal anti-israelischen Positionen in der arabischen Welt, auch über das Problem der Holocaust-Leugnung haben wir immer wieder aus gegebenem Anlass berichtet. Regelmäßig publizieren renommierte israelische Autoren und Journalisten auf Qantara.de. Die geäußerten Vorwürfe und Mutmaßungen möchten wir daher entschieden zurückweisen.

Bei weiteren Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Auskunft zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen,

Loay Mudhoon, Redaktionsleiter

Lewis Gropp, Redakteur

***
Redaktion Qantara.de
c/o Deutsche Welle
Kurt-Schumacher-Str. 3
53113 Bonn
Germany
Loay.Mudhoon@dw-world.de
Lewis.Gropp@dw-world.de
www.qantara.de

In der Tat ist der Text von Avidan inzwischen auf der Seite zu finden. Worin allerdings die beträchtlichen Mißverständnisse bestanden haben, erschließt sich mir nach wie vor nicht. Gropp hatte sich m.E. recht unmißverständlich ausgedrückt. Wenn es heißt In der Sache sind unsere Positionen nicht korrekt wiedergegeben worden, steht das jedenfalls im deutlichen Widerspruch zu den wörtlichen Zitaten aus Gropps Mail an Avidan.

Eine andere Frage wiederum ist, warum letzterer überhaupt Wert darauf legt, bei Qantara zu publizieren. Sieht man sich das Umfeld dieser Seite nämlich einmal an, zeigt sich, daß dort der Dialog mit der islamischen Welt überwiegend so verstanden wird, das man alles abnickt, was die “islamische Welt” so fordert. Es finden sich zahlreiche Artikel über die schlimmen Folgen von Schutzzaun und Grenzkontrollen, zur Diskrimierung der arabischen Israelis und zur sogenannten Nakba, aber nichts über den andauernden Raketenbeschuß aus dem Gazastreifen – auf einer Seite, die nach Auskunft eines ihrer Redakteure auf ausgewogene Berichterstattung so großen Wert legt. Der frühere libanesische Finanzminister George Corm übt die übliche Schelte am Westen (”ihr seid selber nicht perfekt, ätschbätsch”), Jürgen Todenhöfer fordert den üblichen Respekt für die islamische Welt und die üblichen Genderforscherinnen verneigen sich vor dem islamischen Feminismus. Alles im Rahmen des Üblichen eben. Wie sonst käme man in den Genuß von Förderung durch die Bundeszentrale für politische Bildung, die Deutsche Welle, das Goethe-Institut, das Institut für Auslandsbeziehungen und das Auswärtige Amt?

Muffensausen

Der dänische Karikaturist Kurt Westergaard gehtgerichtlich gegen den Anti-Islam-Film des niederländischen Politikers Geert Wilders vor. Das kündigte Dänemarks Journalistenverband amFreitag in Kopenhagen an. Wilders habe die international bekannteMohammed-Karikatur Westergaards ohne Genehmigung verwendet. Mandistanziere sich in aller Form davon, dass die Zeichnung mit demPropheten Mohammed als Terrorist mit einer Bombe im Turban «fürpolitische Propaganda missbraucht wird», sagte Verbandschef Mogens Bjerregård.Westergaard sagte im Rundfunk, Wilders habe die Karikatur «ineinem völlig falschen Zusammenhang für eigene Zwecke benutzt und deshalb missbraucht». Der Niederländer setzt in seinem 15-minütigen, am Donnerstag im Internet veröffentlichten Film den Islam mit dem Faschismus gleich und verlangt ein Verbot des Korans. Am Anfang und am Ende des Streifens ist die dänische Karikatur zu sehen.

Westergaard lebt auf Anraten des dänischen Geheimdienstes PET wegen Morddrohungen an wechselnden Adressen. Seine Zeichnung war 2005 mit elf weiteren Mohammed-Karikaturen in der größten dänischen Zeitung «Jyllands-Posten» erschienen. Auch der Kulturchef des Blattes, Flemming Rose, distanzierte sich von dem Wilders-Film. Mehrere Monate nach dem Erscheinen der Zeichnung in der betont islam-kritischen Zeitung waren bei massiven Protesten in islamischen Ländern mehr als 150 Menschen ums Leben gekommen. (dpa)

Hausordnung

Gastbeitrag von Ella Greifer (Tel Aviv)

Der dänische Karikaturist Kurt Westergaard, der zur Zeit wegen seiner Mohammed-Karikatur bedroht wird, erinnert sich nostalgisch an bessere Tage:

He recalled a cartoon he did years ago to complement an article defending Palestinians against Israelis, “not because this was my belief but because my job was to illustrate the views in this article, and I showed a Palestinian wearing a yellow star with ‘Arab’ on it.” He continued: “Many people called to protest. One man said I had abused a Jewish symbol. We talked for a long time and finally accepted each other’ s viewpoint.” It was the talking, he said, that mattered.

Selbstverständlich ließ Westergaards jüdischer Kritiker sich letztlich zum Verständnis breitschlagen. Er wußte schließlich, daß er im christlichen Europa nie ganz zu Hause wäre und er also die Hausordnung seines „Gastgebervolkes“ zu akzeptieren hat, wolle er dieses nicht reizen. Der zur freiheitsbegeisterten 68er-Generation gehörende Cartoonist war sicher gekränkt, als ihm Antisemitismus vorgeworfen wurde. Es war für ihn lediglich eine Selbstverständlichkeit, daß der Jude kein „Zuhause“ haben darf, wo’s nach seinem Geschmack zugeht. Seine Zeichnung thematisierte zwar keine der bekannten Mythen über Brunnenvergiftungen oder Weltherrschaftsambitionen, es brachte lediglich die Empörung darüber zum Ausdruck, daß der Jude sein eigenes Zuhause haben will und, wird es überfallen, es sogar zu verteidigen wagt, als ob er ein Mensch wie jeder andere wäre.

Diese Haltung gilt der 68er-Generation nicht als rassistisch – im Unterschied etwa zu den Kreuzzügen, die als Europas Ursünde gelten, obwohl das „Heilige Land“ bis heute mindestens zehnmal den Besitzer gewechselt hat. Noch schlimmer als die Kreuzzüge war freilich die Anerkennung Israels durch die Weltgemeinschaft. Die 68er-Helden warfen salbungsvoll die Frage auf: „Wie konnte man einem Volk das Land eines anderen Volkes zusprechen?“ – und liefen schnell davon, um die zahlreichen plausiblen Antworten nicht hören zu müssen. Denn sie hatten Israel längst zum Sühne- und Versöhnungsopfer auserkoren, zur feierlichen Schlachtung auf dem Altar der Dritte-Welt-Anbetung.

Selbstverständlich fiel ihnen nicht auf, daß ihre „fortschrittliche“ Haltung auf eine zweitausendjährige Tradition zurückblicken konnte. Das Judenschlachten galt seit jeher als Allheilmittel gegen Pestseuche, Wirtschaftskrise, Kriegsniederlage, … Es war halt so selbstverständlich wie das Prosareden von Molières Monsieur Jourdain.

Und nun muß unser armer Cartoonist in den Untergrund gehen und um sein Leben bangen, weil er bei sich zu Hause, in seinem eigenen Lande, so leben will, wie es ihm gefällt, wie es seiner postchristlichen Kultur entspricht – und es stellt sich heraus, daß er es nicht mehr darf. Er hat nämlich die Ordnung zu akzeptieren, die von denen mitgebracht worden ist, die sich als die neuen Herren aufspielen. Wenn es nach diesen geht, ist sein Zuhause nicht mehr seines, bestenfalls könne er eine Mietwohnung beanspruchen, wenn er sich benimmt.

Und siehe da … er findet es gar nicht so selbstverständlich. Er ist bereit zu kämpfen, er verteidigt sein Land, er läßt sich nicht so ohne weiteres sein Zuhause nehmen … Nein, er, der doch kein Jude ist, darf doch nicht wie einer behandelt werden!

Dafür studiert einer Philosophie?

Der italienische Philosoph Gianni Vattimo, der neben Tariq Ramadan und der Kommunistischen Partei Italiens zu denen gehört, die zum Boykott der Buchmesse in Turin aufrufen, weil Israel das diesjährige Gastland ist, antwortet seinen Kritikern:

„Wenn jeder, der sich gegen Israel wendet, als Antisemit gilt, dann gehöre ich auch dazu.“

Wenn er meint.

Veröffentlicht in: on Februar 18, 2008 at 4:19 Kommentare (1)

Geschichtsrevisionismus von links

Stalinismus und Faschismus waren politische Bundesgenossen und hatten gleiche oder zumindest vergleich­bare ideologische Ziele.

Das schreibt ein Berliner Historiker in der linken Wochenzeitung Jungle World vom 14. Februar 2008. Was für eine unerträgliche Gleichsetzung zweier grundverschiedener politischer Systeme im Ungeiste der rechtskonservativen und antisemitischen Totalitarismustheorie, einer Ideologie, die nur erfunden wurde, um die Deutschen von ihrer NS-Vergangenheit zu entlasten! Die Opfer der Schoa werden mit diesem Satz aufs Unerträglichste verhöhnt! Zudem soll damit jede sozialistische Utopie ein für allemal diskreditiert werden! So etwas ist unerträglich, antisemitisch und typisch deutsch! Clemens Heni, übernehmen Sie!

Moment, ich habe mich verlesen, das steht da gar nicht, da steht vielmehr:

Konservativismus und Faschismus waren politische Bundesgenossen und hatten gleiche oder zumindest vergleich­bare ideologische Ziele.

Autor: Wolfgang Wippermann, Privatdozent an der Freien Universität Berlin. Dann ist ja alles wieder gut, so stimmt es natürlich, Konservativismus und Faschismus darf man, ja muß man gleichsetzen. Das nicht zu tun, wäre wiederum antisemitisch und geschichtsrevisionistisch. Gut, daß das Weltbild wieder stimmt.