24. März 2005 § Hinterlasse einen Kommentar

Ein Franzose, ein Engländer und ein Deutscher wurden mit einer Studie über das Kamel beauftragt.
Der Franzose ging in den Jardin des Plantes, hielt sich dort eine halbe Stunde auf, befragte den Aufseher, warf dem Kamel etwas Brot hinüber und stieß es ein paarmal mit der Spitze seines Regenschirmes. Wieder zu Hause, schrieb er für seine Zeitung eine Fortsetzungsreihe voller geistreicher und witziger Einsichten.
Der Engländer, mit Teekanne und bequem zum Zelten ausgerüstet, schlug sein Lager in einem orientalischen Land auf. Er weilte dort zwei oder drei Jahre und kehrte dann mit einem Band voller Fakten zurück, die zwar jeder Ordnung entbehrten und zu keiner Lehre führten, dafür aber von echtem dokumentarischen Wert waren.
Der Deutsche schließlich, der den Franzosen um seiner Frivolität willen und den Engländer wegen des Fehlens einer allgemeinen Idee verachtete, schloß sich in sein Studierzimmer ein und verfaßte dort ein mehrbändiges Werk mit dem Titel: „Die Idee des Kamels, entwickelt aus dem Begriff des Selbst.“

„Le Pélerin“, 1.September 1929, S. 13

(zit. nach: Luc Ferry, Alain Renault: Antihumanistisches Denken)

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