Es gibt Reis, Baby!

24. März 2005 § 9 Kommentare

Auf unser Lob der besonders Vitamin-A-haltigen Reissorten, die zahlreiche Menschen vor dem Erblinden bewahren können, wurde uns entgegengehalten, daß dies den Armen in der Dritten Welt ja gar nichts nützen würde, da sie diesen Reis ja schließlich nicht geschenkt bekämen. Bekommen Sie aber doch, wie man hier nachlesen kann.

§ 9 Antworten auf Es gibt Reis, Baby!

  • michaelffm@gmx.de sagt:

    trotzdem ist es bei SAATGUT wie bei big-pharma:ohne blockbuster-verkaufsaussichten und patentschutz laeuft nichts und vieles deswegen in die voellig falsche richtung….die „schaffung“ und auspluenderung von ‚patienten‘ zb,oder der getreidebauern.also auch wenn man kein gruener blockierer ist….augen aufhalten!!!!

  • Karl Raimond Popper sagt:

    Aber Lesen könnt ihr doch eigentlich, oder?

    Was da steht:

    „Im internationalen Reisforschungsinstitut auf den Philippinen verschenkten sie in einem symbolischen Akt ihre Erfindung an die Kleinbauern in den Entwicklungsländer.“

    Erstens steht da „symbolisch“. Zweitens steht da „den Bauern“, also Leuten, die mit ihrer Ernte Geld machen wollen und nicht „Kinder“. Glaubt ihr ernsthaft, dass die Bauern nach der Produktion den Kindern ihren Reis verschenken? Und drittens liegt es nicht an der Gentechnik, dass die Leute verhungern – Es gibt Reis, ja, und zwar in Hülle und Fülle – egal, ob gentechnisch manipuliert (was ich nicht schlimm finde) oder normal produziert. Hungern tun die Leute trotzdem – warum? Eigentum vielleicht?

    Und wieso seid ihr eigentlich so aufgebracht, dass ihr immer noch den Utopisten aufzeigen müsst, dass ihr Recht habt??? Merkt ihr etwa doch die Widersprüche?! Das wäre ja was!

  • Schlomo sagt:

    @niels

    „Es wäre recht unintelligent, den Reis direkt den Kindern zu schenken, schließlich wissen die nicht, wie man ihn anpflanzt, oder?“

    Sie könnten ihn aber stattdessen essen, oder?

    „Nur ändert das nichts daran, dass das Nahrungsangebot dadurch steigt, was geringere Preise bedeutet.“

    Es sollte dir durchaus nicht entgangen sein, dass a) die verhungernden Menschen in Teilen dieser Welt keinerlei Geldmittel haben und b) der grösste Teil der in der dritten Welt produzierten Lebensmittel in die Industrieländer verkauft wird.

    Zu deiner simplen Angebot-und-Nachfrage-Milchbüchleinrechnung: Nach dieser Logik müssten die Preise in der dritten Welt jetzt schon für alle erschwinglich sein, schliesslich bemisst sich die Nachfrage nicht nach den hungrigen Mündern, sondern nach der Kaufkraft der Nachfragenden. Dummerweise nur, haben zum einen die Menschen da unten gar kein Geld und zweitens ist die Nachfrage aus den Metropolen vorhanden.

    „Nur leidet jemand, der sich weitgehend von normalem Reis ernährt, an Vitamin-Mangel (was ja bei goldenem Reis gerade nicht in dem Maße zutrifft).“

    Dir fällt dein Zynismus nicht mal mehr auf, oder? Die Leute verhungern primär, weil sie nichts zu essen haben, denen ist wohl erstmal einfach scheissegal, ob sie keinen normalen oder keinen goldenen Reis erstehen können.

    „Es gibt nämlich Orte auf dieser Welt, an denen Eigentum nicht geschützt wird. Darum lohnt es sich auch dort für niemanden, seine Anbaumethoden zu verbessern oder ein Gewerbe aufzubauen, mit dem er dann Geld verdienen könnte, um Nahrung zu kaufen. Es könnte ja jederzeit einer daher kommen und ihm sein Eigentum wegnehmen. Also unterbleibt Entwicklung.“

    Wie bitte soll jemand ohne Kapital (was Eigentum daran voraussetzt) seine Anbaumethoden verbessern (meinst du beidhändig, rückwärtsgehend oder was?) oder gar Gewerbe aufbauen? Du legst den Massstab an, den du in der VWL eingetrichtert kriegst. Fast wäre ich geneigt dir zu wünschen, dass du dich mal mit jenen Mitteln und Möglichkeiten durchschlagen musst.

    Zuguterletzt sie hier der Form halber noch festgehalten, dass ich dich, lieber Nils nicht als Diskussionspartner sehe, den es zu überzeugen, sondern als Feind, den es zu schlagen gilt.

  • Nils sagt:

    @karl raimond popper:
    „Zweitens steht da „den Bauern“, also Leuten, die mit ihrer Ernte Geld machen wollen und nicht „Kinder““

    Es wäre recht unintelligent, den Reis direkt den Kindern zu schenken, schließlich wissen die nicht, wie man ihn anpflanzt, oder?

    „Glaubt ihr ernsthaft, dass die Bauern nach der Produktion den Kindern ihren Reis verschenken?“

    Wahrscheinlich nicht, wieso sollten sie auch? Sie haben sich ja auch die Arbeit mit dem Anbau gemacht. Nur ändert das nichts daran, dass das Nahrungsangebot dadurch steigt, was geringere Preise bedeutet. Mal ganz abgesehen davon, dass der goldene Reis bekanntermaßen gegenüber üblichem noch von Vorteil ist.

    „Es gibt Reis, ja, und zwar in Hülle und Fülle“
    Vielerorts tatsächlich. Nur leidet jemand, der sich weitgehend von normalem Reis ernährt, an Vitamin-Mangel (was ja bei goldenem Reis gerade nicht in dem Maße zutrifft).

    „Hungern tun die Leute trotzdem – warum? Eigentum vielleicht?“
    Mit Eigentum hat es wirklich häufig zu tun: Es gibt nämlich Orte auf dieser Welt, an denen Eigentum nicht geschützt wird. Darum lohnt es sich auch dort für niemanden, seine Anbaumethoden zu verbessern oder ein Gewerbe aufzubauen, mit dem er dann Geld verdienen könnte, um Nahrung zu kaufen. Es könnte ja jederzeit einer daher kommen und ihm sein Eigentum wegnehmen. Also unterbleibt Entwicklung.

  • Karl Raimond Popper sagt:

    Die Logik von Niels ist bestechend: Je mehr Angebot, desto geringer die Preise…nach der Logik müsste bei der Überproduktion alles eigentlich hier im Westen schon verschenkt werden…

    „Hunger ist kein Grund zur Produktion“ meinte Max Horkheimer mal. Man muss ihn ergänzen. Produktion heißt auch nicht, dass Bedürfnisse befriedigt werden! Denn ein Eigentümer produziert nur, wenn er Profit machen kann, er nutzt das Bedürfnis anderer aus, um ihnen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Die ZAHLUNGSFÄHIGE Nachfrage wird befriedigt, mehr nicht. Wer nix hat, kriegt nix.

    Grundlage für diese Ökonomie ist das Eigentum, dass erst mal den PRINZIPIELLEN Auschluss vieler von den Mitteln des eigenen Fortkommens bedeutet und nicht die Befriedigung von Bedürfnissen.

    Wieso sind die Menschen in den Entwicklungsländern so arm?

    http://www.gegenstandpunkt.com/gs/03/4/larmut.htm

    Und zur Lügen der VWL:

    http://www.gegenstandpunkt.com/mszarx/oek/arg/no_markt.htm

  • Nils sagt:

    Um das mal so simpel zusagen, dass sogar Leute wie karl raimond popper und schlomo raffen:

    Goldener Reis ist besser als gewöhnlicher und damit grundsätzlich zu befürworten.

    Nach eurer Logik („keinerlei Geldmittel“) müsste Afrika jetzt schon fast entvölkert sein, da fast niemand sich irgendwas zu essen leisten kann.

    Was tut der gewöhnliche Kleinbauer mit seinen Erträgen? Er verbraucht sie zum Teil, einen anderen Teil tauscht er gegen andere Dinge.

    Natürlich könnte man den Reis direkt an Kinder verschenken, nur hilft man den Menschen damit nur extrem kurzfristig. Langfristig schafft man ein Anhängigkeitsverhältnis.

    Bin ich zynisch? Wahrscheinlich schon, denn:
    „Ein Zyniker ist ein Schuft, dessen mangelhafte Wahrnehmung Dinge sieht, wie sie sind, statt wie sie sein sollten.“ (Ambrose Bierce)

    Wieso seid ihr so auf Geld und Kapital fixiert? Man kann seine Anbaumethoden auch verbessern, indem man z.B. durch eigene Arbeit praktisch ohne materielle Voraussetzungen Bewässerung anlegt etc. Nur tut das halt kaum jemand, wenn er sich damit zum Raubziel des örtlichen Warlords macht. Verratet mir, wieso das jemand auf sich nehmen sollte.
    Und glaubt ernsthaft jemand, die Abschaffung des Eigentums würde den Schwachen nutzen? Da kann ich echt nur drüber lachen!

    Übrigens sind die Bedürfnisse des Menschen unbegrenzt. Darum wird bei uns auch nix verschenkt.

    „Zuguterletzt sie hier der Form halber noch festgehalten, dass ich dich, lieber Nils nicht als Diskussionspartner sehe, den es zu überzeugen, sondern als Feind, den es zu schlagen gilt.“

    Das ist auch der prinzipielle Unterschied zwischen Freunden der Freiheit (wir wollen niemanden bekämpfen, außer er bekämpft uns oder andere) und Freunden der Unterdrückung (ihr wollt anderen eure Vorstellungen mit Gewalt im Kampf aufzwingen).

    Wenn es hier nicht um Menschenleben gingen wäre ich ja eigentlich für ’nen Modellversuch:
    Wir nehmen drei Staaten der dritten Welt. Einer kriegt eine Regierung die Eigentum schützt und goldenen Reis für die Bauern, einer eine, die Eigentum verbietet und Goldenen Reis, in einem bleibt alles wie es jetzt ist. In zehn Jahren schauen wir, welchem es besser geht.

    btw: Gedankenexperiment:
    Gegeben sei ein Land ohne Eigentumsrecht, eine Schale Reis, die von Person A hergestellt wurde und Person B, die mit der Herstellung nichts zu tun hatte. Beide wollen den Reis verspeisen.
    Frage: Wer hat Anspruch darauf, und warum?

  • Anonymous sagt:

    Nils in den GULAG

    Sig.
    Freunde der Unterdrückung

  • Anonymous sagt:

    Ach ja, bestechend ist der Blick auf die Oberfläche lediglich für den, der sich dem Positivismus mit Haut und Haar verschreiben. Bleiben lediglich drei wesentliche Feststellungen darzulegen:
    1. Er wird das bestehende affirmieren, weil ihm die Negation (wenn er denn die Anstrengung unternimmt) immer an den Fakten scheitert, die ihrerseits lediglich das bestehende widerspiegeln.
    2. Er wird einer Argumentation, die Strukturen und Zusammenhänge benennt nicht zugänglich sein, weil er, dem Schein der Oberfläche erlegen, satt von Kapital und Privateigentum von goldenem Reis und Demokratie schwadroiert.
    3. Dementsprechend wird eine Diskussion von ihm immer wieder auf die selbe Ebene geführt: Demokratie gegen Diktatur, Parlament gegen Warlords. Eine Diskussion über Strukturprobleme, ist unmöglich und sollte – der Nerven wegen – Unterlassen werden.
    Fazit: Es handelt sich nicht um einen Diskussionspartner, der zu überzeugen, sondern um einen Feind, der zu schlagen ist.

  • me again sagt:

    „Eingentlich“ wollte ich mich ja nicht mehr einmischen. Aber doch noch zur Armut:

    Nach den Angaben der Weltbank (die mir recht verlässlig scheinen), sinkt die Zahl der Personen, die mit weniger als einem US$/Tag auszukommen haben tatsächlich: http://de.wikipedia.org/wiki/Armut#Armut_weltweit

    Aber das widerspricht kommunistischer Kritik keineswegs. Ist es doch offenbar, dass das Kapital längerfristig dazu zwingt, „neue Märkte“ (vorwiegend findet man in diesen „Märkten“ den Gebrauchswert der ARbeitskraft vor) zu erschließen und dort für den Auseinanderfall (oder für die staatliche/juristische Organisierung der Trennung von) Produktionsmittelbesitz und Arbeitskraftverkauf zu sorgen.

    Da nun die Reproduktion der Arbeitskraft zwingender Bestandteil für die kapitalistische Produktionsweise ist, ist die Tatsache bereits erklärt, dass die völlige Mittellosigkeit/nicht vorhandene Kaufkraft allmählich schwindet.

    Jedoch ist das keine Kritik daran, den Kapitalismus abschaffen zu wollen und auch keinerlei Anlass zum Lob desselben.

    Der Kapitalismus wurde auch von Marx nicht daran kritisiert, dass er Hunger erzeugen würde. Er hat aber ebensowenig zufolge, dass ein Auskommen gesichert wäre und nicht nur in der Krise zeigt sich seine Gestalt. Die Tendenz zur Mehrarbeit, zur relativen, wie zur absoluten, ist ständig in ihm angelegt. Er erzwingt Arbeit und nicht die Ernährung (letztere folgt nur bedingt aus ersterem) Ein vernünftiger Umgang der Produktion schließt sich desweiteren aus, solange die Produktion Waren hervorbringt, deren übersinnliche Dimension (Wert) das Bedürfnis überlagert.

    Sein Problem, schwer überschaubar zu sein führt dazu, fetischisierte Gedankenformen hervorzubringen. Hier ist der Vergleich zur Religion angebracht, der die Gesellschaftsfreunde nun unter anderen ihrerseits gesetzten Bedingungen (sie sind nur _liberale_ „Kirchgänger“) anhängen. Das mystische (das nicht Gefasste, nämlich der Wert als Gesellschaftsverhältnis) ist die notwendige Basis des MODERNEN Antisemitismus.

    Ich könnte stundenlang stichwortartig fortfahren. Wenn nun aber die Abschaffung der Armut als Bestandteil des Kapitalismus gesehen wird, so ist das erstens – genaugenommen – falsch (da dies nur aus der Kapitalvermehrung _bedingt_ folgt und nichts darüber aussagt, inwiefern die Bedürfnisse tatsächlich befriedigt sind (es sei denn Arbeit ist DAS Bedürfnis) und was dabei hingenommen werden muss) und zielt an jeglicher marxistischer Kritik schlichtweg vorbei. Die Diskussion ist damit völlig sinnlos. Sie stellt weder ein ARgument, noch einen sinnvollen Streitpunkt dar, noch kann diese scheinbare Tatsache sich gegen den Berg an Argumenten für den Kommunismus durchsetzen.

    P.S.: Eine neue Reissorte, die einen verbesserten Anbau ermöglicht ist natürlich sinnvoll, allerdings ist auch das Erforschen selbiger kein pro-kapitalistisches Argument. Ich kann das im hier und jetzt befürworten, dass diese Entwicklung gemacht wurde. Aber sag noch einer: Der Kapitalismus ist deshalb gut, weil er den Zweck hat, die Armut durch Technologie abzuschaffen.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Was ist das?

Du liest momentan Es gibt Reis, Baby! auf By the Way ....

Meta

%d Bloggern gefällt das: