Warum hassen sie uns? – Ihr Problem!

11. Juli 2005 § 4 Kommentare

Im derzeitigen Nebel aus westlichem Selbsthaß, antibritischen Ressentiments und Forderungen nach akzeptierender Sozialarbeit für Islamofaschisten ist der Beitrag von Clemens Wergin im Tagesspiegel vom 10.07. einer der wenigen Lichtblicke. Einige Höhepunkte:

Wir sollten uns allerdings nicht täuschen lassen über die Ursachen dieses Terrors: Wer jetzt argumentiert, London sei – wie Madrid – nur eine Quittung für den Irakkrieg, geht der Al-Qaida-Propaganda auf den Leim. Natürlich dient der Irakkrieg den Terroristen als willkommenes Rekrutierungs- und Mobilisierungsmittel. Er hat allerdings nur die Prioritäten des Terrornetzes beeinflusst: Wer Truppen im Irak hat, steht ganz oben auf der Liste. Gleich dahinter rangieren all jene, die sich „nur“ an der Vertreibung der Taliban aus Afghanistan beteiligt haben; danach kommen die, die allgemein zur Gemeinschaft der Ungläubigen im Westen gehören.

Ihr Terror ist nicht das letzte Mittel der Schwachen, sondern, wie der amerikanische Philosoph Michael Walzer schreibt, „das erste Mittel von Militanten, die von Anfang an glauben, dass der Feind getötet werden muss, und die weder willens noch fähig sind, ihr eigenes Volk für irgendeine andere Art der Politik zu organisieren“.

Viele Muslime hassen den Westen nicht für das, was er tut, sondern für das, was er ist: eine ständige Erinnerung daran, dass die muslimische Zivilisation ihre besten Zeiten längst hinter sich hat.

Die arabisch-muslimische Welt befindet sich in einer Modernisierungskrise. Und statt selbstkritisch die eigenen Versäumnisse zu thematisieren, neigen solcherart gedemütigte Gesellschaften dazu, die Schuld bei anderen zu suchen. Für viele nationalistische Deutsche waren es seit Ende des 19. Jahrhunderts die Juden, die schuld sein sollten an der Modernisierungskrise Deutschlands. Für ihre eigene Misere machen Muslime heute abermals gerne Juden, Amerikaner oder den Westen insgesamt verantwortlich.

Schließlich ist es nicht der Westen, der verhindert, dass die wenigsten muslimischen Frauen sich am Wirtschaftsleben beteiligen können, dass im arabischen Raum so wenig Bücher geschrieben oder übersetzt und noch weniger erstklassige Wissenschaftler produziert werden. Der Westen ist auch nicht verantwortlich für die lähmende Bürokratie in arabischen Staaten, die Vetternwirtschaft, die politische Repression und für Imame, die Freigeister verfolgen, aber sich weigern, eine Fatwa gegen Osama bin Laden zu erlassen.

Das alles macht deutlich: Der islamische Terrorismus ist ein Problem für uns, aber er ist nicht unser Problem. Er ist ein Problem der muslimischen Gesellschaften, das diese weitgehend mit sich selbst ausmachen müssen.

§ 4 Antworten auf Warum hassen sie uns? – Ihr Problem!

  • quadrat sagt:

    Modernisierungskrise…das glaub ich auch.
    Und natürlich ist das vorrangig ihr Problem. Trotzdem geht es uns etwas an, da wir drunter zu leiden haben. Darum sollte das vorrangigste Ziel der westlichen Welt sein, der islamischen Welt positive Impulse zu geben, anstatt weiter zu polarisieren. Auch in unserem Interesse.

  • Claus Nagel sagt:

    „Im derzeitigen Nebel aus westlichem Selbsthaß, antibritischen Ressentiments und Forderungen nach akzeptierender Sozialarbeit für Islamofaschisten […].“

    Ich stelle die naive Forderung nach Beispielen hierfür aus Artikeln ernstzunehmender Medien bzw. von Äußerungen prominenter Persönlichkeiten. Was bewegt den Verfasser o.g. Zeilen zu einer solchen Aussage?

  • Babette Armbrust sagt:

    M.E. ist eine der Grundursachen dafür, dass Minderheiten solch einen Druck
    auf die Mehrheit ausüben kann, der Analphabetismus der in den arabischen und
    afrikanischen Welt. Nur wer selbst nichts nachlesen kann, nochnichtmal wirklich
    im Koran (das wesentliche wird nach entspr. Interpretation auswendig gelernt!)
    diese Menschen glauben nach wie vor eher, was ihnen von Machthabern gepredigt wird.
    Das war leider auch bei der „Zwangschristianisierung“ in Afrika und dem sog. Latein-
    amerika so und auch heute jubeln mehr oder weniger hungernde Menschen, die zig ver-
    hungerte Kinder hatten, einem Papst zu, der predigt, das „Verhütung“ Sünde sei und
    diese Menschen glauben es. Ausbeutung durch Kinderarbeit, naives glauben, anstatt
    fundiertem wissen, sind der Nährboden für den Terror. Wer hier in Westeuropa ohne
    Probleme Orientteppiche aus Kinderarbeit kauft, billige Seide aus Indien und China, Kaschmir und Mohair, wer billig Kaffee, Tee und Kakao verlangt unterstützt den illegalen Anbau
    von Drogen und den Terrorismus.
    Und wenn deutsche Panzer an die Türkei verkauft werden, dient es unserem Wohlstand
    und über kurdische Asylsuchende darf man sich dann nicht wundern.
    Und auch der Sicherheitsbunker von Saddam Hussein, war schliesslich deutsche Wert-
    arbeit.
    Ob DDR oder Sowjetunion, ihr gutes Bildungsystem hat ihnen selbst das Genick ge-
    brochen, den ein lesendes und gebildetets Volk kann man nicht auf ewig verar……!

    Also denke ich sowas wie Entwicklungshilfe nur in Länder mit allgemeiner Schulpflicht,
    Schulen, Lehrern und eben für viele Gegenden dieser Erde auch Schulbusse!
    Nur wenn der grösste Teil eines jeden Volkes ein Maximum an Bildung bekommt, kann
    der Frieden eine Chance haben! Die Inqusition wurde ja auch nicht durch Idioten abgeschafft!
    -Ende-

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