Wie Klaus Wagenbach einmal sogar die Polizei schätzen lernte

15. Juli 2005 § Hinterlasse einen Kommentar

Aus einem Interview mit dem Tagesspiegel:

[Mein Verhältnis zur Polizei] war ablehnend, milde ausgedrückt. Aber es hat sich gewandelt. (…) Das bewirkte Salman Rushdies Buch „Die satanischen Verse“, das 1988 auf Englisch erschien. Ein verrückter Imam hatte aufgefordert, den Autor zu töten, jeden Übersetzer und jeden Verleger umzubringen, der es wagt, dieses Buch zu veröffentlichen. Ich habe mit Michael Naumann geredet, dem Chef bei Rowohlt. Wir sagten: Das Buch muss raus. Wir machten das in einem nicht existierenden Verlag, den nannten wir „Artikel 19“, ich habe die linken Verleger eingesammelt und Naumann die konservativen. Das Buch erschien, die Hintermänner blieben geheim, die Mullahs haben getobt. (…) Günter Grass als Mitglied der Akademie der Künste hat gesagt, wir müssen eine öffentliche Diskussion über die Meinungsfreiheit machen. Tapferer Mann, nicht? Nur die Akademie hat gezittert, sie wollte nicht. Da ist Grass aus der Akademie ausgetreten. Er hat dann einen anderen Saal gefunden, an der Hasenheide. Oben auf dem Podium gaben wir ein gutes Ziel ab, der Saal war rappelvoll, ich hatte wirklich Angst. Da sah ich an den Wänden im Abstand von einem Meter Polizisten stehen und dachte: Gott sei Dank, sie sind doch zu etwas nütze.

Auch für Otto Schily findet Klaus Wagenbach lobende Worte:

… das mit den biometrischen Daten ist mir nicht so sympathisch. Aber man vergisst eine große Leistung von Otto Schily, dass er 50 Jahre nach dem Krieg endlich ein Blut-und-Boden-Staatsbürgerschaftsrecht gekippt hat. Das hat sich von den Konservativen keiner getraut. Jeder Russe etwa, der eine deutsche Ururgroßmutter hatte, konnte kommen und auf Russisch sagen: Ich bin Deutscher. Ein Türke, der in Berlin geboren ist und nur bruchstückhaft türkisch konnte, war kein Deutscher. So war das Gesetz, skandalös! Das hat Otto geändert, dafür bewundere ich ihn. (…) Jeder Innenminister auf der Welt ist verhasst. Weil er auch Polizeiminister ist. Die Polizei wird nicht überall geliebt, logisch. Aber ich wollte Otto mal loben, auch wenn Ihnen das nicht gefällt.

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