Der Riß, der durch Freundeskreise geht, …

25. Juli 2005 § 5 Kommentare

… geht auch durch Popgruppen. Aus einem Interview mit Neil Tennant und Chris Lowe von den Pet Shop Boys mit dem Tagesspiegel:

TAGESSPIEGEL: Einige linke Londoner Politiker ziehen eine direkte Verbindung vom britischen Engagement im Irak zu diesen Anschlägen. Sie waren im Vorfeld des Irakkrieges eine der wenigen Popbands, die nicht explizit gegen den Krieg waren…

LOWE: …wir waren tief gespalten! Ich war immer dagegen und glaube, der Krieg hat wahrscheinlich die Unterstützer der Terroristen gestärkt, nicht geschwächt.

TENNANT: Ich dagegen war sehr dafür, Saddam Hussein zu beseitigen, wegen der Menschenrechte, und weil er eine Bedrohung des ganzen Mittleren Ostens darstellte.

Dann müssten Sie ja heute ganz zufrieden sein, Mr. Tennant, nachdem Saddam im Gefängnis sitzt.

TENNANT: Nein. Ich hatte gedacht, die Amerikaner hätten einen klaren Plan, wie sie nach dem Krieg die Verhältnisse im Irak verbessern wollen. Das war leider nicht so. Das ist sehr desillusionierend. Heute sehe ich das ganze Unternehmen sehr kritisch.

LOWE: Ich hatte dich gewarnt.

TENNANT: Ja, ja. Aber ob es wirklich eine Verbindung gibt zwischen den Anschlägen und dem Irakkrieg, das ist schwer zu sagen. Noch wissen wir – anders als damals bei der IRA – ja nicht mal genau, was die Täter vom 7. Juli erreichen wollten. Und die Anschläge vom 11. September 2001 in den USA fanden vor dem aktuellen Irakkrieg statt.

LOWE: Ja, aber die waren eine Reaktion auf das, was die US-Regierung in den Jahren davor gemacht hat! Auf den ersten Irakkrieg 1990, auf das militärische Engagement der USA in Saudi-Arabien und so weiter.

TENNANT: Ich habe da meine Zweifel.

Gut zu wissen, daß Tennant, und nicht Lowe, der Kopf der Pet Shop Boys ist.

§ 5 Antworten auf Der Riß, der durch Freundeskreise geht, …

  • Philipp sagt:

    Ich hab mir einiges auf dieser Seite durchgelesen und denke, dass ich mich wohl auch als liberal, in eurem Sinne, bezeichnen würde.
    Eines verstehe ich jedoch nicht: Wie ein rational denkender Mensch für den Irakkrieg sein kann und konnte.
    Je grösser die noch so gut gemeinten Pläne, desto größer auch die unerwünschten Nebenwirkungen. So weit meine rudimentäres Verständnis Poppers.
    In diesem Fall scheinen mir die unerwünschten Nebenwirkungen das Positive des Sturtz Sadams bei weitem zu überwiegen, und das war schon vor dem Krieg sehr wahrscheinlich.

  • Ingo sagt:

    Die Mehrheit der Iraker sieht das allerdings nicht so wie Sie.

  • Niko sagt:

    Ähem. Bisher wurden mehr als 300.000 verscharrte Leichen aus dem irakischen Sand ausgegraben.

    Das Argument, wenn man nichts macht, könne man nichts falsch machen, greift im Fall Saddam/Quday/Usay aber nicht, denn es waren amerikanische, europäische und russische Ausrüster, die die Terrorherrschaft im Irak erst ermöglichten. Die Amerikaner haben sich zu dieser Verantwortung bekannt, unlängst hat Condi Rice in Ägypten erklärt, dass die Politik der USA in der Region in den letzten 50 Jahren verheerend war. Wenn Rice das stellvertretend für alle Vorgängerregierungen kann, dann sicher auch die Europäer. Hier will es aber wieder einmal niemand gewesen sein.

    Ausserdem hat die Irak-Kampagne nichts mit Popper zu tun. Erklärtes Ziel der Besatzungstruppen im Irak war es nach dem Sturz, auch der islamistischen Medusa den Kopf abzutrennen. Dies wurde aufgrund mehrerer Faktoren vereitelt:

    (1) Die Berichterstattung von „Journalisten“, die jeden noch so kleinen Zwischenfall zwischen „Kolonialisten“ und „muslimischen Hochzeitsgesellschaften“ als Vernichtungskrieg gegen Muslime interpretierten.

    (2) Die tatkräftige Unterstützung seitens Iran und Syrien für die Führung der Ba’ath, und mehrerer Terrorzellen, die im Irak, im kurdischen Norden, und an der Grenze zu Syrien operierten.

    (3) Die hohen Lösegeldzahlungen v.a. seitens der Franzosen an Terrorzellen, die damit immer neue „Widerstandskämpfer“ rekrutieren und ausbilden.

    Die Besatzungstruppen finden sich also nicht in einem Vietnam-Szenario wieder, sondern es ist eine Wiederholung von Jenin. Nein, nicht des Jenins, wie es in linken/rechten Postillen dargestellt wird, sondern des Jenin, bei dem 45 bewaffnete Palästinenser erschossen wurden, aber auch 30 israelische Soldaten, mehr als 10 deswegen, weil sie palästinensische Zivilisten aus dem Kugelhagel retten wollten.

    Es ist eben längst nicht mehr der Terror alleine, der die Irak-Kampagne so blutig verlängert, sondern die 5. Kolonne der Terroristen, namentlich Journalisten, Gutmenschen und allerlei nützliche Idioten, die jede noch so dämliche Propaganda für die Sache der Terroristen nicht nur verbreiten, sondern verstärken.

  • Philipp sagt:

    Ingo:
    Gib es dazu verlässliche Meinungsumfrage?

    Niko:
    Ich weiss zwar nicht wieso das nichts mit Popper zu tun hat, aber meinetwegen.
    Der Terror ist also die Schuld der Journalisten, Irans, Syriens und Frankreichs. Wie wärs denn noch mit Nordkorea, dann hätten wir ja fast alle beisammen.

    Wäre doch zu schön wenn die Welt ohne diese „Journalisten“ auskäme.
    Dass der Iran nicht ruhig dasitzen würden während der „Satan USA“ eine sekulare Demokratie in der Nachbarschaft aufbaut ist so überraschend nicht.
    Dass die Entführungen möglich sind ist neben dem Einfluss der Nachbarländer, dem Versagen der Allierten zuzuschreiben, die keine oder eine miserable Strategie für den Nachkriegsirak hatten, wenn es überhaupt eine Möglichkeit gab dieses Schlamassel zu vermeiden. Die Entführungen und Lösegeldforderungen sind eine Folge dieses Versagens; sie sind ein Syptom, nicht die primäre Ursache.

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