Hermann L. Gremlizas lebenslanger Kampf gegen die israelfreundliche Springerpresse

29. Juli 2005 § 3 Kommentare

Im neuesten Newsletter der Zeitschrift KONKRET schreibt der Herausgeber Hermann L. Gremliza unter der Überschrift „Broder, Springer und die Guten“ bzw. läßt schreiben:

Wußten Sie, daß es ein „publizistisches Netzwerk“ gibt, das sich „Die Achse
des Guten“ nennt und als zwei der neun „Herausgeber“ neben dem bekannten
Henryk M. Broder auch einen weithin unbekannten Hannes Stein aufführt? Und
wissen Sie, wozu die Achse des Guten gut ist? Nein? Dann lesen Sie mal, was
der Herausgeber Stein über die Neuausgabe eines Buchs des Herausgebers
Broder in Springers „Welt“ Gutes hineingeschrieben hat:
„Alles in diesem Buch ist immer noch wahr … Für dieses Buch gilt in hohem
Maße ein Satz von Karl Kraus: ,Die grellsten Erfindungen sind Zitate.´
Unglaublich etwa die Einlassung von Rudolf Augstein, der allen Ernstes
„keinen moralischen Unterschied“ zwischen ,der schweigenden Mehrheit der
Deutschen´ in der Nazizeit und ,der schweigenden Mehrheit der Juden´ sah.
Unglaublich die brotmesserscharfe Analyse von Hermann Gremliza, dem Chef
des linksradikalen Magazins KONKRET, es handle sich bei Israel um ,das
staatsförmige Eingreifkommando der USA im Nahen Osten´. Dummheiten von
vorgestern. Die Linke wurde mittlerweile nicht nur marginalisiert, sie hat
sich vor allem gespalten… Derselbe Gremliza, der 1984 noch verkündete, es
sei eine ,im Hause Springer erfundene These, Kritik am Zionismus, Ablehnung
der israelischen Politik und Solidarität mit den Palästinensern seien die
Fortsetzung der nationalsozialistischen Judenverfolgung mit anderen
Mitteln´ – derselbe Gremliza erfüllt heute die Einstellungsvoraussetzungen
des Hauses Springer wenigstens in einem Punkt: Er verteidigt ohne Wenn und
Aber das Lebensrecht Israels. Das ist die gute Nachricht.“
Die schlechte ist, daß Gremliza von der Erfüllung der
Einstellungsvoraussetzungen in wenigstens einem Punkt auch dann keinen
Gebrauch macht, wenn ihn – wie vor kurzem – der Chefredakteur der „Welt“
als Kolumnisten zu gewinnen versucht. Was ihn dazu bestimmt, ist die von
ihm 1983 über Springers Redaktionen geäußerte Einsicht, „daß sich die
besten deutschen Freunde der israelischen Politik aus dem Lager der
dumpfsten NS-Mitläufer rekrutieren“. Die alten Nazis (wie der
Judennasen-Zeichner vom „Völkischen Beobachter“, der jahrzehntelang als
Chefkarikaturist der „Welt“ amtierte) sind tot oder im Heim, keiner ihrer
Nachfolger hat je das ihm zugefallene publizistische Erbe ausgeschlagen.
In derselben Kolumne von 1983 hatte Gremliza geschrieben, „daß der Staat
Israel nicht nur ein Ort ist, an dem Juden endlich frei von der Angst vor
Pogromen leben können, sondern leider zugleich ein Außenposten der
westlichen, ausbeutenden Welt mitten in einem Teil der ausgebeuteten.
Israel ist auch das staatsförmige Eingreifkommando der USA im Nahen Osten.“
Ein vielleicht damals schon kritikwürdiger Satz, den sein Verfasser heute
nicht wiederholen würde. Broder aber streicht seit 1986, als er sich zum
erstenmal drüber hermachte, dem „sondern leider auch“ des Satzes das den
Gedanken konstituierende „nicht nur“ weg. Die Fälschung wurde in KONKRET
mehrfach aufgeführt. Broder aber bleibt dabei. Er kann nicht anders. „Wir
dürfen“, beschwor Berti Vogts seine Kloppertruppe, „den Gegner nicht ins
Spiel kommen lassen.“ So auch dürftige Polemiker – sie dürfen den Gegner
nicht ausreden lassen. Die grellsten Zitate, die sie bringen, sind
Erfindungen.

Auch nach mehrmaligem Lesen des Gremliza-Zitats will mir nicht einleuchten, was daran denn nun gefälscht bzw. erfunden sein soll. Gremliza nennt 1983 Israel „das staatsförmige Eingreifkommando der USA im Nahen Osten“, Broder zitiert es 1986 korrekt und Stein zitiert 2005 ebenso korrekt nach Broder. Gremliza hat es wortwörtlich so geschrieben: Israel ist „das staatsförmige Eingreifkommando der USA im Nahen Osten“. Schön, das Zitat ist „aus dem Zusammenhang gerissen“, wie jedes Zitat. Aber der Zusammenhang macht’s nicht besser. Abgesehen von dem antiimperialistischen Schwurbel („Außenposten der westlichen, ausbeutenden Welt mitten in einem Teil der ausgebeuteten“), sind Gremlizas Beschwichtigungsfloskeln „sondern leider auch“ und „nicht nur“ (das den Gedanken konstituiert) dieselben wie die der heutigen linken friedensbewegten Antizionisten: Natürlich hat Israel ein Existenzrecht, aber … Natürlich sind Selbstmordattentate unentschuldbare Verbrechen, aber eben „nicht nur“ …

In Wirklichkeit ist es Gremliza wohl einfach peinlich, daß man ihm draufgekommen ist, und ihm seinen „vielleicht damals schon“ kritikwürdigen Satz noch einmal ins Gedächtnis ruft. Nun distanziert er sich freilich nicht von seinem antizionistischen Quark von 1983, sondern verteidigt seine Äußerung noch heute (auch wenn er sie „nicht wiederholen würde“) – will sie vielleicht sogar als damals allein mögliche Form der Israelsolidarität verkaufen. Als würde der antisemitische Schmarren vom imperialistischen US-Außenposten durch den Hinweis geadelt, daß dort auch Leute leben, die keine Angst vor Pogromen mehr haben wollen.

Selbstkritik ist Gremlizas Sache also nicht, stattdessen haut er auf den alten Popanz und Pappkameraden namens Springer-Presse ein, weil die Rezension der Neuausgabe von Broders Buch nunmal in der WELT erschien – eine Rezension, in der Gremliza übrigens auf eine Art und Weise gewürdigt wird, die ihm fast schon zuviel Ehre antut. Statt dem Rezensenten dafür dankbar zu sein (er hätte über Gremlizas zweideutiges Verhältnis zu Israel und zum islamischen Terror – Stichworte: 9/11 und Moshe Zuckermann – nämlich auch weniger Schmeichelhaftes berichten können), stellt er ihn als verkappten Nazi dar: „Die alten Nazis [bei der WELT] sind tot oder im Heim, keiner ihrer Nachfolger hat je das ihm zugefallene publizistische Erbe ausgeschlagen.“

Mal sehen, welcher Fälschung und Erfindung Gremliza mich nun bezichtigt, da ich diesen Satz von ihm zitiert habe.

§ 3 Antworten auf Hermann L. Gremlizas lebenslanger Kampf gegen die israelfreundliche Springerpresse

  • Cicero sagt:

    Ich dachte „nicht nur“ dass Grmliza schon im unverdienten Ruhestand wäre,
    „sondern leider auch“ dass man ihn schon ins Heim verbracht hätte.

  • Jhlemberg sagt:

    Es reicht allemal, sich in der neuen Konkret Gremlizas Glosse über Suicide Bombers, Armut und die Schuld des Westens daran zu Gemüte zu führen … gelernt hat dieser Mann nichts, sondern schwadroniert noch immer in dieser antiimperialistischen Manier herum, die seine Artikel über Israel auch 1983 zu Zumutungen machten.

  • […] Ob die Achse des Guten bewusst verschweigt, dass ein übernommener Artikel aus der linksextremen Postille konkret stammt? An Gremliza kann’s jedenfalls nicht liegen. […]

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