“We love Europe and America”

4. August 2005 § Ein Kommentar

Bijan Farnoudi schreibt im neuen NOVO-Magazin eine Reportage über „Die gebrannte Generation des Iran„:

… auch die freitäglichen Hasspredigten der Mullahs können nicht darüber hinwegtäuschen, dass im Iran die wahrscheinlich amerikafreundlichste Bevölkerung des gesamten islamischen Mittleren Ostens lebt. (…) An der prestigeträchtigen Universität von Teheran erzählt mir eine Gruppe von Studenten, wie sie noch am Abend der Angriffe vom 11. September 2001 auf das Pentagon und die Twin Towers zu Tausenden auf die Straßen geströmt seien, um mit Lichterketten ihre Solidarität mit den Amerikanern kund zu tun. „Wir hassen die Amerikaner nicht“, sagt Imaneh, 20, „wir bewundern sie.“

Stück für Stück haben sich die Jugendlichen viele Freiheiten zurückerkämpft. „Vor wenigen Jahren hätten wir es nie gewagt, unsere Kopftücher so zu tragen wie heute“, erzählt mir Azadeh. Sie ist 30 und Modedesignerin. In ihrer Boutique im schicken Norden von Teheran zeigt sie mir ihre letzte Kreation: den J-lo Manto. Der Manto ist jenes Gewand, welches über der normalen Kleidung getragen wird, um die Körperformen zu verhüllen. Der J-lo Manto, in Anlehnung an die amerikanische Pop-Sängerin Jennifer Lopez, hat die Besonderheit, unter dem Stoff ein die Brust nach oben drückendes eingeflochtenes Gestänge aufzuweisen. Ein islamischer Wonderbra sozusagen.

Die Strasse sei bekannt als Ort, an dem sich Jungs und Mädels aus ihren Autos beäugen, erklärt man mir. Falls Interesse besteht, gibt dies die eine Partei, meist die Jungen, durch Lichthupe zu verstehen. Man folgt sich in eine Seitenstraße, tauscht Telefonnummern aus, und beginnt das Spiel von vorn. Tatsächlich fällt mir auf, dass meist Gruppen von Jungen oder Mädchen immer wieder wenden und die Straße aufs Neue auf und ab fahren. „Es ist die einzige Straße der Welt, an der man sich freut, wenn die Ampel auf rot schaltet“, scherzen meine Freunde. Was passiert, wenn die Sittenpolizei einen dabei ertappt und ob es ihnen persönlich schon widerfahren sei, möchte ich wissen. Sie lachen. Natürlich sei es ihnen schon passiert. Jedem einzelnen. „Erwischt einen die Polizei, nehmen sie dich mit auf die Wache und behalten dein Auto für ein paar Tage“, sagt Hamid. „Erwischen dich die Basiji“, die freiwilligen Revolutionshüter, „musst du mit Schlägen rechnen.“ Darüber redet Hamid nur ungern, zu demütigend sei es. Einschüchtern jedoch lässt er sich nicht.

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