Herzinger zu Hiroschima

6. August 2005 § Hinterlasse einen Kommentar

Richard Herzinger veröffentlicht in der heutigen WELT einen angemessenen Kommentar zur derzeitigen Debatte um Hiroschima …:

Immerhin hatte Japan gegen China einen grausamen Vernichtungskrieg geführt, es hatte Korea versklavt und auf den Philippinen Massaker verübt. Ganz nebenbei planten die protofaschistischen Machthaber in Tokio noch die Annexion von Australien. Zudem kam ans Licht, daß die japanische Armee in ihren Kriegsgefangenenlagern medizinische Pseudo-Experimente durchführte. Weit mehr Gefangene kamen indessen ums Leben, weil man ihnen Medikamente verweigerte oder sie verhungern ließ. Es wird geschätzt, daß in den japanischen Gefangenenlagern über eine halbe Million Menschen umgebracht wurden.
Alle diese Untaten rechtfertigen wohlgemerkt nicht die Auslöschung und Verstümmelung hunderttausender Zivilisten durch den Atombombenabwurf. Seine Befürworter hatten moralische Gründe auf ihrer Seite, die wohl falsch sein mögen, aber dennoch eine ernsthafte Prüfung und Widerlegung verdienen. Wäre der Krieg nämlich nicht durch die Atombombe verkürzt worden, wäre das Morden womöglich noch monatelang weitergegangen. Die Amerikaner hätten bei der Eroberung Japans weiterhin hohe Verluste hinnehmen müssen, und die Gefangenen wären weiterhin den Quälereien in japanischen Lagern ausgesetzt gewesen. Auch wer dieses Argument für nicht ausreichend hält, um die nukleare Zerstörung zweier japanischer Städte zu rechtfertigen, muß es doch ernsthaft bedenken und argumentativ zurückweisen, bevor er es verwirft.

… und zu der althergebrachten Gleichsetzung von Hiroschima und Auschwitz durch Günther Anders et al.:

Die als restlose Ausrottung geplante, systematische Vernichtung einer gesamten als „Schädlingsrasse“ definierten Menschengruppe bleibt das ungeheuerlichste Verbrechen, das in der Menschheitsgeschichte jemals ausgeführt worden ist. Dabei spielt nicht die Höhe der Opferzahl die entscheidende Rolle. Denn mit den Juden sollten nach der nationalsozialistischen Wahnideologie auch fundamentale zivilisatorische Ideale und Normen ausgelöscht werden, als deren Urheber die Nazis ihre Opfer betrachteten. Auf einem Planeten, der durch einen weltweiten Atomkrieg verwüstet würde, wäre kein Leben mehr möglich. In einer Welt aber, die von einer Ideologie von der Art des Nationalsozialismus beherrscht würde, wäre ein menschenwürdiges Leben nicht mehr denkbar. Eine solche Weltherrschaft gilt es mit aller Kraft zu verhindern – wenn nötig, auch durch Drohung mit Atomwaffen.

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