Voilà un homme

30. September 2005 § 4 Kommentare

Salzburger Nachrichten vom 29. September:

Salzburg ist bei der Umsetzung der Antidiskriminierungsrichtlinien säumig. Die Europäische Kommission hat bereits Klage beim Europäischen Gerichtshof eingebracht. Das einzige Bundesland in Österreich, das dafür sein Gleichbehandlungsgesetz noch nicht geändert hat, ist Salzburg. Und obwohl Landeslegist Ferdinand Faber dringend das neue Gesetz einfordert, weil bereits Geldbußen drohten, spießt es sich.

Der Grund: Landeshauptmann-Stellvertreter Wilfried Haslauer (ÖVP) will das neue Gleichbehandlungsgesetz aus dem Ressort von Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SPÖ) in der jetzigen Form nicht unterzeichnen. Gleichzeitig hat er den Landesamtsdirektor damit beauftragt, die Kosten für Gleichbehandlungsbüros in anderen Bundesländern zu erheben.

Prinzipiell sehe er die Antidiskriminierung positiv, sagt Haslauer. Aber es könne nicht sein, dass „sich bessere Männer hinten anstellen müssen“. Kein Geschlecht dürfe bevorzugt werden. Man könne nicht eine Generation von Männern für die Vergangenheit bestrafen. Zum Einwurf, dass es wohl ja die Frauen waren und sind, die beruflich benachteiligt werden, hat Haslauer eine Erklärung. Vor 20 bis 25 Jahren habe es weniger Akademikerinnen gegeben, deshalb seien heute die Spitzenjobs noch immer überwiegend von Männern besetzt. „Frauen sollen gleiche Rechte haben“, sagt Haslauer. Aber dass Frauen bei der Weiterbildung bevorzugt werden, die zur Übernahme höherwertiger Verwendungen qualifiziert, stimme er nicht zu. Genau das ist ein Punkt im neuen Gesetz. Laut EU ist dies ausdrücklich vorgesehen, um die volle Gleichstellung von Männern und Frauen zu gewährleisten.

Haslauer hat aber auch Probleme mit der positiven Diskriminierung (bei gleicher Qualifikation wird die Frau bevorzugt). „Für Betroffene ist das ungerecht.“ Er meint, man solle lieber mehr tun, damit Frauen mit Kindern nicht benachteiligt würden.

„Ich fasse es nicht“, kontert die Gleichbehandlungsbeauftragte des Landes, Romana Rotschopf. Haslauer stelle Dinge in Frage, die seit Jahren Gesetz seien und stelle Behauptungen auf, die nicht haltbar seien.

Fragen an Romana Rotschopf (aus Entenhausen?): Welche nicht haltbaren Behauptungen hat Haslauer aufgestellt, und warum sind sie nicht haltbar? Ist „Ich fasse es nicht“ ein Argument? Oder ist es mittlerweile so, daß antiliberale Gleichstellungspolitik von vornherein über jeder Kritik steht und ihre VertreterInnen der Begründungspflicht enthoben sind?

§ 4 Antworten auf Voilà un homme

  • Gudrun sagt:

    Ich nehme nur einmal hierzu Stellung, um die Fragwürdigkeit eines solchen Gesetzes zu zeigen:

    „Haslauer hat aber auch Probleme mit der positiven Diskriminierung (bei gleicher Qualifikation wird die Frau bevorzugt). “Für Betroffene ist das ungerecht.” Er meint, man solle lieber mehr tun, damit Frauen mit Kindern nicht benachteiligt würden.“

    Ich war jahrelang Betriebsratsvorsitzende und durfte mir nach der Kandidaten- bzw. Kandidatinnenbefragung anhören, die Frau sei eben nicht gleichqualifiziert. Dasselbe galt für die Berücksichtigung von Schwerbeschädigten.

    Was die Berücksichtigung von Frauen angeht, mit oder ohne Quote, so werden die bevorzugt berücksichtigt, wenn sie irgendeinen Vorgesetzten kennen (muß nicht gleich das Bett sein). Frauen, die auf Grund ihrer Fähigkeiten eingestellt oder befördert werden, gibt es jedenfalls im öffentlichen Dienst selten.

  • Ingo Way sagt:

    Das ist doch überall so, daß Vitamin B weiterhilft. Nicht nur im öffentlichen Dienst und nicht nur Frauen.

  • Simon sagt:

    Ich verstehe das nicht. „Antidiskriminierung“ bedeutet demnach, daß es völlig OK ist, Männer zu diskriminieren? Den Begriff der „positiven Diskriminierung“ halte ich schlicht für pervers. Entweder hält man Diskriminierung entlang biologischer Linien für falsch (Rasse, Geschlecht etc.) oder nicht.

    Wenn man von „positiver Diskriminierung“ spricht sagt man letztlich: Solange die
    eigene Klientel von der Diskriminierung profitiert, ist diese richtig. Nur wenn
    andere davon profitieren, ist diese unmoralisch. Schöner hätte es ein weißer Sklavenhalter auch nicht legitimieren können.

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