Feministische Planwirtschaft. Neue Folge

12. November 2005 § 11 Kommentare

„Kleine Zeitung“, Steiermark, 12.11.2005:

Norwegen will per Gesetz mehr Frauen in Chefsessel hieven

Norwegens Regierung will den Frauen-Anteil in den Chefetagen von Unternehmen per Gesetz auf mindestens 40 Prozent steigern. Widerspenstige Firmen müssten bei Nichtbefolgen der Neuregelung Sanktionen befürchten, sagte die Gleichberechtigungsministerin Karita Bekkemellem am Freitag in Oslo. Im schlimmsten Fall drohe eine Auflösung solcher Unternehmen durch die Behörden.

Betroffen von der Regelung seien etwa 500 Aktiengesellschaften, in denen Frauen in den Vorständen bisher deutlich unterrepräsentiert seien. Ab dem 1. Jänner 2006 hätten die Firmen maximal zwei Jahre Zeit, dies zu ändern.

Das Gesetz wurde bereits 2003 verabschiedet, bisher vor allem wegen des heftigen Widerstands der Wirtschaft aber von der Regierung nicht umgesetzt. Auch am Freitag sprach sich der einflussreiche norwegische Unternehmensverband NHO erneut gegen das Gesetz aus und verwies auf ein eigenes Programm zur Frauenförderung.
Oslo (APA/ag.)

Siehe auch Spiegel-Online.

§ 11 Antworten auf Feministische Planwirtschaft. Neue Folge

  • fedchan sagt:

    Angesichts des Umstandes, dass die inkompetentesten Deppen durch demokratische Prozesse etc. in Spitzenpositionen kommen, vermag mich das Argument, es handele sich bei Frauen, die durch die Quote in Amt und Würden kommen, nur um „Quotenfrauen“, nicht so recht überzeugen.

    Vielleicht ist es wirklich ne gute Idee, gewissen Platzhirschen und Gorillas mal ein bisschen auf die Finger zu klopfen.

  • Ingo Way sagt:

    Ich finde die Figur des „Auf-die-Finger-Klopfens“ schon antiliberal.

  • fedchan sagt:

    Aber auch der Liberale wird zugeben, dass gelegentlich der Staat „auf-die-Finger-klopfend“ intervenieren muss.

    Ob hier im konkreten Fall Handlungsbedarf besteht, sei mal dahingestellt.

  • lameduck sagt:

    Ich lach mich scheckig.

    …Leuten auf die Finger klopfen…
    …dass gelegntlich der Staat „auf die Finger klopfend“ intervenieren muss…

    Ja tatsächlich sollte er dass in diesem Fall.
    Und zwar auf Seiten derer denen man die freie Verfügung über ihr Eigentum, im Namen einer Positiv-Diskriminierungskampagne (ein schöner Begriff, so schonungslos ehrlich) nehmen will.

    Die Meldung ist doch ein Witz, Dikriminierung durch Diskiminierung bekämpfen, ganz tolle Idee, auf sowas absurdes muss man erstmal kommen.

  • fedchan sagt:

    >> Ja tatsächlich sollte er dass in diesem Fall.

    Na also, Konsens bzgl. der Notwendigkeit gelegentlicher staatlicher Intervention haben wir schon mal hergestellt.

    >> freie Verfügung über ihr Eigentum

    Die freie Verfügung über Eigentum ist ganz streng genommen ein Widerspruch in sich. Eigentum als Rechtsbegriff existiert nur in einer Rechtsordnung. Recht regelt, schränkt mithin Freiheit ein.

    >> Die Meldung ist doch ein Witz, Dikriminierung durch Diskiminierung bekämpfen, ganz tolle Idee, auf sowas absurdes muss man erstmal kommen.

    Naja, Feuer wird mit Feuer bekämpft, um eine Verletzung behandeln zu können muss ein Arzt verletzen. Auf oben beschrieben „absurde“ Idee kommen übrigens auch Amerika im Wege der (moderne Definition) „affirmative action“.

    Das kann man durchaus für doof halten; ich persönlich behalte mir aber die Freiheit vor, das weder für doof noch für klasse zu halten, weil ich kein Freund davon bin, mit Urteilen aus der Hüfte zu schiessen. Im Ergebnis ist es wahrscheinlich wirklich albern, was die Norweger da vorhaben, nur ist die Tatsache, dass Frauen massiv benachteiligt werden, m.E. nicht zu leugnen, und angesichts des Umstandes, dass ich das ein- oder andere Mal gruppendynamische Willensbildungsprozesse beobachtet habe, die mich zutiefst beschämt haben, bin ich doch etwas nachdenklich geworden.

  • Ich würde Quoten nicht ganz grundsätzlich ablehnen. Eine Lösung sind sie niemals. Absurd ist die Höhe der Quote. Quoten sollten m.E. möglichst vermieden werden und nicht höher als 5-10% sein. Außerdem ist nicht einzusehen, warum viele Frauen bei den begehrten „Männerjobs“ Quotenregelungen fordern, bei den harten aber nicht. Wenn schon „Gerechtigkeit“, dann doch bitte in jedem Bereich:
    Sollen die Frauen halt auch unter Tage oder auf einsamen Bohrinseln schuften und ihr Leben im Krieg riskieren. Ich passe gerne auf die Kleinen auf!

  • badman sagt:

    fedchan, erkläre mir mal Folgendes:
    An der Uni, an der ich studiere, beträgt die Frauenquote gerade mal 25%. Die Uni gilt als Kaderschmiede für künftige Wirtschaftsführer und Manager (Joe Ackermann ;)). Sollte da nicht der Staat eingreifen und die Quote ausgleichen, indem er ein paar Frauen ihr Studienfach vorschreibt?

  • Ingo Way sagt:

    @ badman:

    Einwandfrei!

  • Alrik sagt:

    Na Ja, es müssen ja nur mehr Frauen in die Vorstände, es wird ja nicht verlangt das diese Frauen auch auf verantwortliche Positionen gesetzt werden.
    Ist es eigentlich sehr frauenfeindlich wenn man sich überlegt das bei einem Mangel an qualifizierten Frauen notfalls auch Frauen mit anderen Qualifikationen (nettes Lächeln, gute Figur,…) genommen werden ?

  • fedchan sagt:

    So, jetzt bin ich zum Verteidiger der Frauenquote avanciert, obwohl ich nur sagen wollte, dass sie evtl. vertretbar ist, wie man auch das Gegenteil vertreten kann. Aber gut, ich musste auch den Irak-Krieg verteidigen, obwohl ich auch in diesem Punkt weder eindeutiger Befürworter noch Gegner war.
    Es scheint so einen Zwang zu geben, sich immer entscheiden zu müssen, was man so für Ansichten hat.. Ekelhaft sowas.

    >> An der Uni, an der ich studiere, beträgt die Frauenquote gerade mal 25%. (…) Sollte da nicht der Staat eingreifen und die Quote ausgleichen, indem er ein paar Frauen ihr Studienfach vorschreibt?

    Nein, weil es keine Form von Benachteiligung ist, wenn Frauen sich schlicht nicht für einen Studiengang entscheiden.
    Der Staat kann aber z.B. Frauenförderungsprogramme durchführen, z.B. Mädchenschnuppertage oder ähnliches. Man kann natürlich auch hinnehmen, dass sich Frauen für manche Berufe aufgrund alter Stereotypen recht selten entscheiden. Als Ingenieur z.B. fände ich das aber doof, ich arbeite gern mit Frauen zusammen.

    >> Ist es eigentlich sehr frauenfeindlich wenn man sich überlegt das bei einem Mangel an qualifizierten Frauen notfalls auch Frauen mit anderen Qualifikationen (nettes Lächeln, gute Figur,…) genommen werden ?

    Die Antithese ist aber unrichtig, dass sich im freien Wettbewerb immer die harten Qualifikationen durchsetzen. Das deutsche Management ist z.B. extrem juristenlastig, was allein daran liegt, dass die im Gegensatz zu Technikern gelernt haben, sich zu verkaufen. Nicht etwa, weil sie in der Sache kompetenter wären oder so.
    Ich glaube, es war Aristoteles, der die Frage aufgeworfen hat, ob wenn ein Ort einen Arzt sucht, die Gemeinde den Arzt oder den Rhetoriker wählen würde.
    Huch, das klingt ja gerade schrecklich demokratieskeptisch.. Aber ich bin ja auch Konservativer und kein Liberaler. Da darf ich das.

  • fedchan sagt:

    ähm, ja. Zur Klarstellung: Ich bin kein Ingenieur.🙂

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