Judenbashing auf der Bahamas?

22. November 2005 § Hinterlasse einen Kommentar

Wir haben schon vor einiger Zeit unsere Verwunderung darüber geäußert, daß unsere ehemaligen Mitstreiter von der Zeitschrift Bahamas offenbar inzwischen auch sämtliche Juden und Israelis, die sich nicht zu ihrer speziellen Variante des „antideutschen Kommunismus“ bekennen wollen, als unsichere Kantonisten der Israelsolidarität betrachten. Einigen Besucher der Bahamas-Konferenz am letzten Wochenende scheint das ebenfalls übel aufzustoßen, siehe hier:

Ein sehr persönlicher Eindruck vom Kongreß der Zeitschrift ‚Bahamas‘ am 19.11.05 in Berlin von A. S.

Um das Wichtigste vorauszuschicken: Ich habe seit Jahren ein Abonnement der Zeitschrift ‚Bahamas‘ und das wird auch so bleiben, da keine andere Publikation so konsequent israelsolidarische und antiislamistische Positionen bezieht.
Dennoch hat mir bei diesem Kongreß manches zu denken gegeben.
Die ‚Bahamas‘ zeigt z.B. auf, daß das Recht auf Kritik an Israel von deutschen Linken geradezu wie ein Menschenrecht eingefordert wird und daß ein Freund Israels sich dadurch auszeichnet, sich der Kritik an israelischer Politik zu enthalten. Seltsamerweise geht man bei der ‚Bahamas‘ umso mehr mit den Juden in der Diaspora ins Gericht. Die haben scheint’s von Anti-Antisemitismus und wahrer Israelsolidarität sowas von überhaupt keine Ahnung, heißen sie nun A.Dershowitz oder H.M. Broder oder auch D.Rabinovici und N.Sznaider, letztere zusammen mit U. Speck Herausgeber von „Neuer Antisemitismus. Eine Globale Debatte“.
Da gibt der Dershowitz doch glatt sein Buch im falschen Verlag heraus und die Herausgeber von „Neuer Antisemitismus“ wagen es, Texte von M.Küntzel zusammen mit Texten von J.Butler zu publizieren. Die lobenswerten Arbeiten von D.J.Goldhagen A.Finkielkraut und J.Herf werden von der ‚Bahamas’in diesem Zusammenhang kaum erwähnt.
Wenn es so wichtig ist, sich „Argumente zu erarbeiten“, wie die ‚Bahamas‘ ausdrücklich betont, dann muß man sich notgedrungen auch mit Gegenpositionen beschäftigen. Das schult bekanntlich den Geist.
Außerdem wird der jüdische Kulturbund kritisiert, keine Politik betreiben zu wollen und mit den Islamisten auf Schmusekurs zu gehen.
Gönnt mir mal eine Pause ! Ich habe keinen Großvater, der nicht in der SA marschiert ist. Ich habe keine Ahnung davon, wie es ist, als Jüdin in Deutschland zu leben.
Ich kann mir einfach nicht helfen, aber wenn ich mich auf diesem Hintergrund hinstellen würde, um deutschen Juden zu erklären, wie Anti-Antisemitismus und Israelsolidarität geht, käme ich mir irgendwie komisch vor.
Zum Beispiel wie ein Vollidiot. Den Schuh ziehe ich mir ohne weiteres an.Ich habe ja auch Null Ahnung von kritischer Theorie. Aber das einzige Zitat, was ich von Adorno behalten habe lautet, wenn ich mich nicht irre, „Daß ein Auschwitz nie wieder werde, sei das erste an Erziehung.“
Geht es letztendlich darum, Öffentlichkeit herzustellen, sich geistig weiterzuentwickeln und – lassen wir es zum Äußersten kommen – politisch etwas zu bewirken oder ist wichtiger, wer was am kritischsten analysiert, die einzig wahre Israelsolidarität betreibt und immer in den richtigen Publikationen die richtigen Kolumnen schreibt?
Hoffentlich nicht Letzteres.

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