Importierte Ehemänner

28. November 2005 § Ein Kommentar

Ferda Ataman schreibt auf SPIEGEL ONLINE (27. November 2005) über das Thema Heiratsmigration und erzählt den (exemplarischen?) Fall eines aus der Türkei „importierten“ Bräutigams:

(…) Aykut (…) bezeichnet sich selbst als einen „Import-Ehemann“. „Wir sind hier nichts wert und werden auch so behandelt“, meint er.

Aykut verliert seine erste Frau 1999 bei einem großen Erdbeben in Istanbul. Später führt er eine Fernbeziehung mit seiner Jugendfreundin Selma, die in Deutschland lebt. Da er einen kleinen Sohn aus der ersten Ehe hat, will er Selma heiraten. Zwar hat er einen guten Job bei einer Firma in Istanbul, doch sie überzeugt ihn, gemeinsam nach Deutschland zu ziehen. Sie erzählt ihm, wie einfach das Leben in Deutschland ist. „Ich wollte, dass mein Sohn eines Tages in Europa studieren kann,“ erklärt Aykut.

Doch in Deutschland verändert Selma sich – verhält sich herrisch und hysterisch. Sie hilft ihm nicht, einen Arbeitsplatz zu finden – also wird er finanziell abhängig. Nur ungern akzeptiert sie, dass Aykut Deutsch lernt. Sie lässt ihn kochen, putzen und sich in die Arbeit chauffieren. Schließlich erfährt Aykut, dass sie 75.000 Euro Schulden hat. Als er seine Aufenthaltsgenehmigung von der Ausländerbehörde erhält, macht sie eine Insolvenzerklärung – das geht nur, wenn man einen Ehepartner versorgen muss. Aykut begreift allmählich, dass er ausgenutzt wird.

Im Gegensatz zu den Ehefrauen werden die Ehemänner in der Regel nicht durch körperliche Gewalt unterdrückt. „Das schlimmste Druckmittel gegen uns Import-Männer ist die Drohung, uns bei der Polizei als prügelnden Ehemann anzuzeigen“, meint Aykut. Vielen sei das schon passiert, auch ihm. Die Polizisten hätten türkischen Männern gegenüber starke Vorurteile – weshalb sie selbst mit Sprachkenntnissen kaum eine Chance haben. Aykut wird mehrmals behandelt wie ein Krimineller. „Ich verstehe das ja“, mein Aykut, „wer glaubt einem Mann schon so eine Geschichte?“

Als Aykut sich aus dem unerträglichen Zustand befreien will, findet er keinen Zufluchtsort. „Für Männer gibt es nichts“, klagt er. Die meisten Institutionen seien nur für allein stehende Frauen. Dabei ist Aykut keine Ausnahme. Er weiß von anderen Import-Männern aus der Türkei, die von der Familie ihrer Frau sogar verprügelt oder in den Keller gesperrt werden.

(…) Aykut zeigt ein Foto von seiner zweijährigen Tochter aus der Ehe mit Selma. Seit Monaten kämpft er vor Gericht um sie. Nun ist er selber Teil einer kaputten Familie geworden.

*Die Namen von Lale und Aykut wurden geändert – die Red.

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