Noch’n Gericht(stermin)

10. Januar 2006 § Ein Kommentar

Hannes Stein in der heutigen WELT:

Wer ist Antisemit? Henryk M. Broder und Hajo Meyer vor Gericht

von Hannes Stein

Es wird mit einem Gerichtstermin enden, begonnen aber hatte es mit einer Veranstaltung an der Universität Leipzig im September 2005. Eingeladen hatte Professor Georg Meggle, der die antizionistische Ringvorlesung „Deutschland – Israel – Palästina“ organisierte. Gekommen waren: Abraham Melzer, der Gründer des gleichnamigen antizionistischen Verlags, und Hajo Meyer, ein jüdischer KZ-Überlebender, der nun sein Buch „Das Ende des Judentums“ vorstellte.

Einen Bericht über das, was in Leipzig geschah – verfaßt von Ingo Way und Ralf Schroeder – findet sich auf der Website „www.achgut.de“. <Aber auch hier; I.W.> Diesem Bericht zufolge vertrat Meyer die These, die Juden seien am Antisemitismus im wesentlichen selber schuld und benähmen sich heute in Israel wie Nazis. In Meyers Buch finden sich zuhauf Äußerungen dieser Art: „Besonders im vergangenen Jahr scheint sich eine andere Vorhersage der Antisemiten in gefährlichem Ausmaß zu bewahrheiten. Ich meine den Mythos – und bis vor kurzem war es ein solcher -, die Juden hätten es auf die Weltherrschaft abgesehen.“

In einem Vorspann zu dem Bericht über den Vortrag schrieb der jüdische Publizist Henryk M. Broder unter der Überschrift „Holo mit Hajo – Wie zwei Juden für die Leipziger den Adolf machten“ unter anderem: „Mein Freund Abraham (Abi) Melzer hat da eine Lücke entdeckt, die er fleißig mit braunem Dreck füllt. Letzten Montag trat er zusammen mit seinem besten Pferd im Stall, dem Berufsüberlebenden Hajo Meyer, an der Leipziger Uni auf … Ich hatte vor, mir diese beiden Kapazitäten für angewandte Judäophobie aus der Nähe anzusehen, mußte leider wegen eines Malheurs kurzfristig umdisponieren.“

Gegen diese Äußerungen – nicht gegen den eigentlichen Bericht! – hatten Melzer und Meyer eine Einstweilige Verfügung erwirkt. Inkriminiert wurden im Detail folgende Formulierungen: „den Adolf machen“, „Lücke“, „brauner Dreck“ und „angewandte Judäophobie“. Broder darf sie nicht weiter verbreiten. Am kommenden Donnerstag um 12.15 Uhr wird Broder vor der Pressekammer des Landgerichts Frankfurt auftreten, um gegen diese Einstweilige Verfügung zu streiten. Nur vordergründig wird es dabei um die juristische Frage gehen, ob es sich bei den inkriminierten Ausdrücken um „wertende Äußerungen“ (erlaubt) oder „Tatsachenbehauptungen“ (verboten) handelt. Im Kern dreht sich der Streit eher darum, welches Phänomen als „Antisemitismus“ zu gelten hat. Wahrscheinlich ist es das erste Mal seit 1945 – vielleicht sogar das erste Mal in der Geschichte -, daß ein Jude von einem deutschen Gericht klären läßt, ob er einen anderen Juden einen Judenfeind nennen darf.

Artikel erschienen am Di, 10. Januar 2006

§ Eine Antwort auf Noch’n Gericht(stermin)

  • Go West! sagt:

    @ Ingo Way

    Ihre Merkur-Marginalie „Respekt! Religiöse Denker fordern ihn, gehen aber selber sparsam damit um“, ist die irgendwo online zu lesen?

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