Ich bin doch nicht Deutschland

30. Juni 2006 § 9 Kommentare

Vorhin während des Fußballspiels eingekauft. Herrlich: nichts los und ergo viel Platz in den Läden. Leiser Unmut kommt erst auf, als ich an der Käsetheke nicht bedient werde, da das Personal sich im Hinterzimmer vor dem Fernseher versammelt. Als ich auf dem Rückweg mit gefüllter Kaisers-Tüte an der Altberliner Kneipe in meiner Straße vorbeikomme, ruft mir einer hinterher: „Jetze jeht der einkaufen. Dit is keen deutscher Mann!“

Da habe ich ja noch einmal Glück gehabt.

§ 9 Antworten auf Ich bin doch nicht Deutschland

  • […] Mir mangelt es zwar eigentlich ebenso am Deutschtum wie dem Kollegen Ingo Way, auf Intervention von Frau und Tochter, die sich irgendwo angesteckt haben, musste ich aber gestern abend ethnologische Feldstudien im fränkischen Dschungel betreiben. Besonders gefallen hat mir ein Eingeborener in der Tracht eines gegnerischen Stammes (Slime) der das Totem der Deutschtüme schwenkte: als ich ihn darauf ansprach und nachfragte, ob das nicht die mit Deutschland muss … gewesen seien, erblasste er kurz, entspannte sich aber, als er meinen amüsierten Gesichtsausdruck bemerkte. Umso engagierter beteiligte er sich anschliessend am Schlachtgeheule. Beitrag versenden – Druckansicht – Kategorien: Alle • Notizen aus dem U-Boot […]

  • Thomas Wolff sagt:

    Schon mal den Begriff „Fußballdeutscher“ vernommen? Gehört für viele hier in die Spalte „Nationalität“ wie „Jedi Ritter“ für manchen Aussie in die Rubrik „Religion“ gehört. Grüße in den Überbau, ich setzte mich nun in einen „öffentlichen Anschau-Bereich“ ab.

  • “Fußballdeutscher”

    Ist das jemand, der Fussbälle deutscht?😀

  • Thomas Wolff sagt:

    „Ist das jemand, der Fussbälle deutscht? :-D“

    Fürchten Sie sich nicht, der Fußball ist nach wie vor deutsch und muß nicht gedeutscht werden, ebenso wenig wie Zitronen gefaltet.

    Ganz so einfach wie ich dachte ist es allerdings doch nicht. Lassen wir einfach den DFB sprechen:

    „Fußballdeutscher ist, wer die letzten fünf Jahre, davon mindestens drei Jahre als Juniorenspieler, ununterbrochen für deutsche Vereine spielberechtigt war.“

  • multi_io sagt:

    Tut mir leid, „Ingo Way“ — wenn du dich ernsthaft darüber aufregst, dass du in einem Supermarkt nicht gleich bedient wirst, weil das Personal sich ein Spiel mit deutscher Beteiligung anguckt, dann bist du nach üblicher Auffassung ganz besonders „Deutschland“🙂 Stell‘ dir mal vor, einem Deutschen in einem Supermarkt im Ausland würde dasselbe passieren, weil das Personal im Hinterzimmer ein Spiel des eigenen Teams anschaut, und er würde sich in seinem Blog drüber aufregen. „Deutscher“ geht’s kaum noch.

    Der Typ in der Kneipe hatte irgendwo schon recht — wenn du dir in einem beliebigen fußballbegeisterten Land, das auch noch die WM zuhause hat, ausgerechnet die 120 Minuten, in denen das wichtigste Spiel seit vier Jahren stattfindet, zum Einkaufen aussuchst, dann kann es halt vorkommen, dass die Bedienung mal etwas länger braucht und du von angeheiterten Fans komisch angemacht wirst.

  • Es sei festgehalten, dass diese Millionen „Fussball“fanszombies für die zwei Jahre zwischen den internationalen Turnieren (WM und EM) nichts mit Fankultur zu tun haben. Und während dieser Ereignisse nutzen sie den Sport als Projektionsfläche für ihre nationale Psychose. Da sind bekennende Fussball-Hasser wie Ingo um Welten konsequenter.

  • multi_io sagt:

    Der Fankulturbeauftragte kommentierte:

    „Es sei festgehalten,“

    s/festgehalten/ins Blaue vermutet/

    „dass diese Millionen “Fussball”fanszombies für die zwei Jahre zwischen den internationalen Turnieren (WM und EM) nichts mit Fankultur zu tun haben.“

    Soll das heißen, die „Fankultur-Fans“ eines Bundesliga-Vereins beteiligen sich derzeit nicht an Sympathiebekundungen der „Fussballzombie-Fans“ für die deutsche Nationalmannschaft, weil ihnen dies nicht „kulturig“ genug wäre? Mal sehen — in der vergangenen BL-Saison 11.5 Millionen Besucher, bei der WM bisher 6 oder 7 Millionen Besucher in Stadien und „public viewing areas“. Macht grob geschätzt dieselbe Anzahl von Individuen, größtenteils deutscher Nationalität. Man könnte die Behauptung aufstellen, es handle sich um vollständig oder größtenteils disjunkte Mengen von Individuen. Ohne harte, statistisch signifikante, empirische Fakten sehe ich mich außerstande, dies zu glauben. Das Verhalten scheint sich auch zu ähneln — charakteristische Bemalung, Alkoholkonsum, öffentliche Darbietung von Gesangseinlagen.

    Was unterscheidet jetzt „Fussballzombies“ von „Fankultur“? Ein Hochschulabschluss?

  • Fussballzombies sind die überbordende Begleiterscheinung der bi-annualen internationalen Fussballturniere. Der Unterschied zur Fankultur ist, dass richtige Fans und Ultras jeden Samstag für ihre Mannschaft, und sei es in der Landesliga, fiebern. Dass man trotz feststehender Niederlage bedingungslos supportet, dass man Choreographien entwickelt und umsetzt, dass man ins letzte Nest fährt um die Mannschaft zu supporten.

    Wir sind immer da!
    Jedes Spiel na klar!
    Bei Hagel und Sturm, bei Regen und Schnee:
    Ultras von TeBe!

  • multi_io sagt:

    Einem Fan einer Nationalmannschaft ist es nicht möglich, jeden Samstag für seine Mannschaft zu „fiebern“, weil die nicht jeden Samstag spielt. Ebensowenig kann er sie, wenn sie denn spielt, noch im „letzten Nest“ „supporten“, weil die Spiele eher in Großstädten stattfinden, welche noch dazu erheblich weitläufiger über den Globus verteilt (und damit für den gemeinen Fan schwerer erreichbar) sind, als die Orte, an denen TeBe seine Landesliga-Spiele bestreitet. Überhaupt nehmen Nationalmannschaften eher selten an Landesliga-Spielen teil. Was für TeBe Landesliga-Spiele sind, sind für Nationalmannschaften WM- und EM-Spiele. Wenn Nationalmannschafts-Fans ihrem Team um die halbe Welt hinterherreisen, dann scheint das als „Liebesbeweis“ durchaus vergleichbar damit, dass TeBe-Fans ihrem Team noch ins „letzte Nest“ folgen, welches selten weiter als 100 km entfernt ist (wenn die FIFA komischerweise entschieden hätte, das WM-Endspiel in einem neuerrichteten Stadion am Stadtrand von Benneckenstein im Harz (2224 Einwohner) auszutragen, dann hätte sich die Fan-Völkerwanderung halt dorthin begeben). Das mit der „festehenden Niederlage“ scheint auch nicht als Unterscheidungskriterium zu taugen — Englands Nationalteam etwa ist schon seit 1966 weitgehend erfolglos; dem Fan-Interesse scheint das wenig anzuhaben (und du wirst ja wohl nicht die Fans der deutschan Mannschaft schon allein deshalb als „Zombies“ titulieren wollen, weil deren Mannschaft ab und zu die WM gewinnt). Das Entwickeln von sehr ausgefeilten Gesangs-Choreographien ist eine Organisationsfrage, weshalb sowas TeBe-Anhängern naturgemäß leichter fällt als einer grob geschätzt tausendmal so mächtigen Menge von Nationalmannschafts-Fans. Wenn man mal die Bemalungen und „Kostümierungen“ als Maßstab nimmt — da gibt es gerade bei dieser WM durchaus recht fantasievolle „Auswüchse“, wenn man mal davon absieht, dass die TeBe-Fahne in gewissen Kreisen als politisch korrekter gelten dürfte als die Deutschlandfahne. Wenn „Fussballzombies“ „die überbordende Begleiterscheinung der bi-annualen internationalen Fussballturniere“ sind, dann sind „richtige Fans“-Zombies die Begleiterscheinung der all-wöchentlichen Landes-, Regional- oder Bundesligaspiele.

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