Poppers Militanz

18. September 2006 § 4 Kommentare

Für diejenigen, die Karl Popper, der den Begriff der Offenen Gesellschaft geprägt hat, offenbar für einen lieben, gütigen Opi halten, der für alles Verständnis hatte, und den Betreibern dieses Blogs daher vorhalten, angesichts ihrer „liberalen Militanz“ würde ein Popper sich im Grabe umdrehen, hat Hannes Stein ein schönes Zitat aus Poppers Hauptwerk „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“ ausgegraben:

Weniger bekannt ist das Paradox der Toleranz: Uneingeschränkte Toleranz
führt mit Notwendigkeit zum Verschwinden der Toleranz.
Denn wenn wir die
unbeschränkte Toleranz sogar auf die Intoleranten ausdehnen, wenn wir
nicht bereit sind, eine tolerante Gesellschaftsordnung gegen die
Angriffe der Intoleranz zu verteidigen, dann werden die Toleranten
vernichtet werden und die Toleranz mit ihnen.
– Damit wünsche ich nicht
zu sagen, dass wir z. B. intolerante Philosophien auf jeden Fall
gewaltsam unterdrücken sollten; solange wir ihnen durch rationale
Argumente beikommen können und solange wir sie durch die öffentliche
Meinung in Schranken halten können, wäre ihre Unterdrückung sicher
höchst unvernünftig. Aber wir sollten für uns das Recht in Anspruch
nehmen, sie, wenn nötig, mit Gewalt zu unterdrücken; denn es kann sich
leicht herausstellen, dass ihre Vertreter nicht bereit sind, mit uns auf
der Ebene rationaler Diskussion zusammenzutreffen,
und beginnen, das
Argumentieren als solches zu verwerfen; sie können ihren Anhängern
verbieten auf rationale Argumente – die sie ein Täuschungsmanöver nennen
– zu hören, und sie werden ihnen vielleicht den Rat geben, Argumente mit
Fäusten und Pistolen zu beantworten. Wir sollten daher im Namen der
Toleranz das Recht für uns in Anspruch nehmen, die Unduldsamen nicht zu
dulden.
Wir sollten geltend machen, dass sich jede Bewegung, die
Intoleranz predigt, außerhalb des Gesetzes stellt, und wir sollten eine
Aufforderung zur Intoleranz und Verfolgung als ebenso verbrecherisch
behandeln wie eine Aufforderung zum Mord, zum Raub oder zur
Wiedereinführung des Sklavenhandels.

§ 4 Antworten auf Poppers Militanz

  • Pit sagt:

    Die Profiteure des Arabienhandels wird´s nicht interessieren. Zu hübsch ist das viele schöne Geld, zu scheißegal das eigene dumme Volk (und der Eid auf die Verfassung).

  • Ingo Way sagt:

    @Pit:

    Sie reden wirr.

  • philipp sagt:

    Ja, Popper wußte, dass eine Demokratie wehrhaft sein muß. In diesem Punkt haben Sie recht. Ich bin mir bloß nicht so sicher ob Popper so uneingeschränkt mit der Invasion des Irak einverstanden gewesen wäre wie Sie. Sein Plädoyer für eine „Stückwerk-Sozialtechnik“ und seine Kritik an der „holistischen Methode“ ist nur schwer vereinbar mit der quasi-revolutionären Umwäzung im Irak.

  • aesop sagt:

    Off-topic, aber:
    Stellt Ihr die Vorträge aus Eurer Veranstaltungsreihe noch online, oder gibt es gar Audio-Mitschnitte irgendwo zu download?

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