Wer sich nicht wehrt, landet am Herd

15. Januar 2007 § 5 Kommentare

Neulich war’s Renate Künast, die Männer umerziehen wollte. (Sie fände es „schön, wenn wir in Zukunft ein Bundeskabinett hätten, in dem die Männer sagen: Damals habe ich zwölf Monate Erziehungsgeld bezogen, dann war ich zwei Jahre auf Teilzeit. Die Zeit mit den Kindern möchte ich nicht missen.“) Jetzt ist mal wieder Übermutti Ursula von der Leyen dran. Laut WELT vom 15.1. „beklagte“ von der Leyen,

dass es hierzulande einen Mangel an modernen Männern gebe. … „Zu viele Männer haben Schwierigkeiten, Qualitäten wie Fürsorge und Verantwortung selbstbewusst zu leben.“

Schön, daß uns Frau von der Leyen ihre persönlichen Präferenzen mitteilt.* Aber was hat das mit Politik zu tun? Was geht es sie eigentlich an, was die männlichen Bürger dieses Landes „selbstbewußt leben“ oder auch nicht und wie modern sie sein wollen? Konservative sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Früher hatten sie noch einen Begriff vom Privatleben, in das der Staat nicht eingreifen soll. Jetzt will auch eine CDU-Ministerin den Neuen Menschen schaffen, bzw. den Neuen Mann, denn die Frau ist schon okay, so wie sie ist. Hier soll Männern wie sauer Bier etwas schmackhaft gemacht werden, das die Frauen längst nicht mehr haben wollen. Denn daß das Leben nicht nur aus „Fürsorge und Verantwortung“ für Kinder und Alte besteht, hat sich bei Männern und Frauen inzwischen herumgesprochen. Abgesehen davon, daß in Familien mit traditioneller Arbeitsteilung – die ja ohnehin auf dem Rückzug sind – der Vater der Verantwortung für seine Kinder gerade dadurch nachkommt, daß er ihnen durch Erfolg im Beruf einen bestimmten Lebensstandard und eine brauchbare Ausbildung sichert – und dadurch nun einmal seltener physisch im Kinderzimmer präsent ist. Selbstverständlich können Frauen dies genauso gut leisten. Aber mindestens einer muß nun mal die Kohle ranschaffen. Und sollte sich dafür nicht auch noch vorhalten lassen, er lasse es an Verantwortung mangeln. Sollen Männer jetzt an den Herd, von dem sich die Frauen erfolgreich emanzipiert haben? Wenn man Männer nun unbedingt in die Hausmännerrolle drängen will – auf diese gouvernantenhafte Art wird es sicher nicht funktionieren.

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*Ich beklage übrigens einen Mangel an Frauen, die sich für liberale Stammtische interessieren. Hier ist die Politik dringend gefordert, Abhilfe zu schaffen. Eine entsprechende EU-Richtlinie tut not.

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§ 5 Antworten auf Wer sich nicht wehrt, landet am Herd

  • bevanite sagt:

    ruhig blut. immerhin ist es doch schön zu sehen, dass sich inzwischen auch in der cdu stimmen melden, die in dieser hinsicht etwas progressiver sind. denn vergessen wir eins nicht: in sachen frauenemanzipation ist deutschland immer noch eines der rückständigsten länder in europa.

    „Sollen Männer jetzt an den Herd, von dem sich die Frauen erfolgreich emanzipiert haben?“

    alleinerziehende oder alleinstehende männer haben gar keine andere wahl, als an den herd zu gehen.

  • Ingo Way sagt:

    immerhin ist es doch schön zu sehen, dass sich inzwischen auch in der cdu stimmen melden, die in dieser hinsicht etwas progressiver sind.

    Das Wort progressiv klingt in meinen Ohren aber nicht unbedingt immer verheißungsvoll.

    denn vergessen wir eins nicht: in sachen frauenemanzipation ist deutschland immer noch eines der rückständigsten länder in europa.

    Hört man oft. Ich wüßte aber wirklich nicht, wo Frauen hierzulande so schrecklich benachteiligt sein sollen. Aufgrund mangelnder Kinderhorte? Das Problem betrifft Eltern beiderlei Geschlechts.

    alleinerziehende oder alleinstehende männer haben gar keine andere wahl, als an den herd zu gehen.

    Die haben ja auch keine Lobby in Person eines Familienministers.

  • Anke sagt:

    Der Mangel an Frauen wird auch in der konservativen Ecke beklagt: http://www.staatspolitik.org/?p=110#comment-2440 Paradox, Frauen haben um politische und gesellschaftliche Mitbestimmung gekämpft, in der Auseinandersetzung muss man sie aber immer noch mit der Lupe suchen.

  • mawa sagt:

    Vielleicht könnte es ja sein, dass der Grund dafür, dass der Herr Way solche Artikel schreibt, und der Grund dafür, dass an des Herrn Way liberalem Stammtisch nicht mehr Frauen sitzen, einer und derselbe sind? Und dass da gar mangelndes Selbstbewusstsein beim liberalen Mann eine Rolle spielen könnte?

  • Ingo Way sagt:

    Gibt es außer Vermutungen, Unterstellungen und Psychologisierungen auch sachliche Einwände gegen meinen Text?

Was ist das?

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