Warum es kaum Nichtraucherkneipen gibt

12. März 2007 § 9 Kommentare

Blogger la deutsche vita bringt (in einem Kommentar in Zettels Raum) die Argumentation der Nichtraucherlobby auf den Punkt:

… der typische Dreischritt der Nichtraucher-Argumentation: 1) Passiv-Rauchen ist gesundheitsschädlich. 2) Raucherkneipen sind aber interessanter als Nichtraucherkneipen. 3) Deshalb (damit ich nicht gezwungen werde, auf die interessantesten Kneipen zu verzichten) muss auch in Raucherkneipen das Rauchen verboten werden.

Touché!

§ 9 Antworten auf Warum es kaum Nichtraucherkneipen gibt

  • Marek Möhling sagt:

    Touché? Ähem, in Amiland nennt sich das straw man: man bastele sich eine dämliche, invalide Argumentation, schiebe sie einem imaginären Gegner in die Schuhe – und mache sich darüber lustig.

  • Ingo Way sagt:

    Und warum sonst gehen Nichtraucher nicht einfach in Nichtraucherkneipen?

  • Marek Möhling sagt:

    Mit Verlaub, weil’s kaum welche gibt – and you knew that.

    Unter den geschätzten 100+ im 500m Radius um meine Haustür gibt es eine rauchfreie vegetarische Snackbar – am Rande dieser Zone. Dass sie ungemütlich ist, kannst du Nichtrauchern mit der gleichen Stringenz in die Schuhe schieben, wie einem postulierten Klingonenüberfall im April 97, der den Zigarettenautomaten des Saftladens irreparabel in Mitleidenschaft zog. In das nette Barcomi’s in der Bergmanstraße ginge ich anytime, aber 2km sind mir für die Mittagspause zuviel. Ich könnte natürlich auswandern, wenn’s mir hier nicht passt, schon richtig.

    Recht bedacht: auch zukünftig würde mich dann kein Muezzin um 4:30 aus dem Bett krächzen, und ich hätte stets frische Luft beim Saufen – vielleicht sollte ich’s mir überlegen. Allein, dass es in NYC auch den Zigarrenkontoren an den Kragen gehen könnte, störte mich: gepflegt was Leckeres zu paffen, ohne anderen auf den Sack zu gehen, ist ein legitimes Vergnügen.

  • Marek Möhling sagt:

    Fällt mir noch zu den Zigarrenkontoren ein: den Süchtigen ist es zuzumuten, sich ihren Nikotinflash in Drückerstuben, zu Hause oder im Freien zu verpassen – aber bitte nicht in Sichtweite der Kinder. Für Kippen gibt’s Abfalleimer, wie für Spritzbesteck oder gebrauchte Pariser.
    🙂

  • Ingo Way sagt:

    In Sichtweite der Kinder? Nanu, bisher dachte ich immer, Kneipen seien Orte, wo Erwachsene sich treffen, wenn sie mal unter sich sein wollen, um bei einem gepflegten Bierchen gemütlich eine zu paffen. Und doch gibt es in meiner näheren Umgebung mindestens drei Nichtraucherkneipen. Da gehen halt die jungen Ökomuttis und -papis hin, mal mit, mal ohne Nachwuchs. Kann es sein, daß die ganzen rauchverbotsfordernden Nichtraucher einfach deswegen nicht ebenfalls da hingehen, weil ihnen Publikum und Ambiente gar zu bräsig anmuten? Und sie mit dem Gang in die Raucherkneipe – da sitzen halt die interessanteren Leute rum – eine glasklare Präferenz zum Ausdruck bringen?

  • Marek Möhling sagt:

    Da gibt es also von den x-Tausend Berliner Kneipen -und den paar Promille Nichtraucherkneipen darunter-, drei in deiner Nähe, und da gehen doofe Leute mit ihren Kindern hin. Which proves exactly what? Dass du keine Blagen magst, und die Eltern auch nicht? Imam Özturkoğlu von nebenan findet das skandalös, und ich muss ihm ausnahmsweise recht geben. Er hat seine Enkel angewiesen, dir deine Rente zu streichen – die hard.

    > da sitzen halt die interessanteren Leute rum

    Says you and what army? Dass Raucher interessantere Menschen sind, würde doch nicht mal W. Heitmeyer postulieren, wenn ihn das Thema interessierte, und der saugt sich Soziologisches dreimal täglich nach Bedarf aus den Fingern – das wäre allerdings sogar für den ’ne Nummer zu platt.

    Wenn’s schon anecdotal evidence seien muss:

    Es gibt doch noch etwas Rauchfreies in meiner Nähe – eine Eisdiele am Lausitzer Platz, neben der derzeit angesagtesten Kita K’bergs. Macht also mit den o.g. Vegetariern 2x Rauchfreies, oder 2% bei angenommenen 100 Stätten meines Missvergnügens. Dort trifft sich die elite-to-be mit ihren Kröten, keine davon im schulpflichtigen Alter, denn spätestens dann verschwindet man über die Spree, damit die Kids nicht ständig muslimische Haue kriegen und was lernen. Ein bisschen brave new world – die Kids sind niedlich, nicht kurzgeschoren, tollen mit Schokofressen herum und hauen sich nur ganz selten, und dann nur mit Pummelfäustchen. Fast alles weiß, dazu ein bisschen gelb, schwarz und braun für die Palette, aber ansonsten osmanenfrei, Ehrensache – also alles nicht ganz echt, wie im Prenzlberg.

    Ich sitze trotzdem gerne da, weil die Jungs sich nicht ständig gegenseitig überbrüllen wie brünftige Seeelefanten, die Muttis kopftuchbefreit sind und die Papis zwar auch mit dreißig noch einen Goatie tragen, aber dafür kein Häkelkäppchen auf der Rübe, in Tateinheit mit Giftblick für Kotelettfreunde. Der feigen Sackratte Lysis werde ich da sicher auch nicht über den Weg laufen, gänzlich kinderlosen X-berger Pubertanten auch nicht.

    Ein bisschen komisch das ganze also, aber entspannend. Allerdings 4x so weit wie die Kneipe an der Ecke oder der Heinrichplatz. Also rolle ich mich dorthin, und setze mich nach Möglichkeit ans Fenster oder in den leersten Laden, damit Kaffee und Drecksblattlektüre vonstatten gehen, ohne dass mehr Feinstaub über meine chronische Rhinitis rieselt, als eben unvermeidbar. (ja ja, ich könnte auch zu Hause bleiben)

    Wenn das eine glasklare Präferenz für irgendetwas ist, dann für die übliche Mischung aus Phlegma und Hedonismus, mit der man hierzulande auch sonst den Karren vor die Wand fahren lässt.

  • Marek Möhling sagt:

    Und wieder hängt mein Beitrag im Spamfilter – sacre bleu!

  • Ingo Way sagt:

    Wo die Ranküne gegen Raucher mit der gegen Kinderlose sich mischt, ist das Strafbedürfnis nicht fern. Konrad Adam läßt grüßen. Verstehe ich Dich recht (vielleicht ja nicht): Weil die Raucherkneipe für Dich bequemer zu erreichen ist als die rauchfreie, soll das Rauchen in ersterer verboten werden? Ein aparter Gedanke. Dir mißfällt zwar der Rauch, hingegen auch wiederum nicht so sehr, daß Du deswegen einen Umweg machen würdest. Ob das nun für eine Verbotsforderung ausreicht … ick weeß ja nich.

  • Marek Möhling sagt:

    > Wo die Ranküne gegen Raucher mit der gegen Kinderlose sich mischt,> ist das Strafbedürfnis nicht fern.

    Danke für’s Stroh zum Mann. Nein, keine Ranküne, nur Spaß, denn Töpfchenbenutzer haben in meinen vier Wänden auch Hausverbot – ich habe Tapete und Parkett. Auch Imam Özturkoğlu habe ich gar nicht wirklich gefragt, denn als ich vorbeikam, musste er gerade seine Frau maßregeln, der das Essen angebrannt war. Du hast noch mal Glück gehabt – fordere es also nicht heraus: 1,300,000,000 eyes are watching your steps.

    > Verstehe ich Dich recht …

    Nö, and you know it🙂 Von Verboten sprach ich bisher (noch) nicht, widersprach aber deiner fixen Idee verständlichen Annahme, dass Würstchen meiner Güteklasse letztlich nur die Nähe derer suchen, die den Mut zum beflügelnden goldenen Schuss haben, den unser Kleinmut uns versagt, auf dass unsere Pelle nicht unschön schrumpele.

    Also warte ich, bis du dich zu validen Argumenten bereit findest, damit ich mein Pulver nicht ins Blaue verschießen muss. Bis dahin halte ich es nonchalant mit den enragierten Faschisten in Irland, Italien, Down Under, Kanada oder NYC, und lasse mich nicht dadurch abschrecken, dass auch Kuba und Singapur sich anschließen. Wenn Fidel tägliches Zähneputzen empfiehlt, lasse ich meine Kauleiste ja auch nicht aus Protest verrotten. Das Totalverbot in Bhutan kann ich übrigens nicht recht einordnen – ob die gut buddhistisch nicht mal den Fliegen Passivrauch zumuten wollen? Wäre löblich.

    PS:Es steckt immer noch was im locus spamificarum. Ceterum censeo, e haec loco indignus tollendus est. (Oder so ähnlich. Plural von fex – so wie bei spex? Dativ? Oder besser was mit abl abs? Ob’s mir bei ’ner Luffe wiederkäme? Herrje!)

    PSS:Ach ja: Goatie mit ee. Warum müsst ihr denn immer alles besser wissen?

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