Keine Fragen

31. Mai 2007 § 6 Kommentare

Erfrischend: Mariam Lau über das feministische Spießertum der Alice Schwarzer.

§ 6 Antworten auf Keine Fragen

  • bevanite sagt:

    „Dass so überwältigend viele Frauen es nicht geschafft haben, mit der hart erkämpften Autonomie glücklich zu werden – könnte das nicht auch damit zu tun haben, dass der Feminismus alles, was Frauen unterscheidet, so energisch kleingeredet hat?“

    bullshit. wenn man gleich wieder mit dem biologismus-argument der „unterscheidung“ kommt, sollte man sich lieber nicht zu dem thema äußern und erstmal judith butler lesen.

    „Warum es im deutschen Kino praktisch keine gelingenden Liebesgeschichten gibt. Warum gerade deutsche Akademikerinnen, anders als ihre westlichen Geschlechtsgenossinnen, sich so selten Kinder wünschen,“

    was das mit der frauenemanzipation zu tun haben soll, belässt frau lau leider im dunkeln.

    insgesamt wird der artikel leider erst im letzten absatz interessant und fundiert, vorher ist es zu sehr eine unbeholfene schwarzer-schelte. ich habe alice schwarzer immer auch als eine leicht ironische polemikerin gesehen, die auf bestimmte probleme hingewiesen hat, die hierzulande nicht wahrgenommen wurden (denn die ernsthaften feministischen theorien kamen ja eher aus den usa, gb, australien, etc.)

    mir mißfällt auch die doppelmoral gegenüber schwarzers positionen: wenn sie sich zur frauenbewegung im westen äußert, gilt sie als „spießig“, wenn es gegen den islamismus geht, wird sie auf einmal zur säulenheiligen des westlichen widerstands gegen den islam. na was denn nun?

  • Ingo Way sagt:

    erstmal judith butler lesen

    Das mag ich so an der poststrukturalistischen Linken: ihren antiautoritären Diskussionsstil. Statt Argumenten Verweise auf Säulenheilige.

    Oder stellen Sie sich folgendes vor: Mariam Lau hat Judith Butler gelesen, fand sie aber nicht überzeugend. Undenkbar?

    biologismus-argument der “unterscheidung”

    Totschlagargument. Zudem noch auf einen Pappkameraden bzw. eine -kameradin. Oder wollen Sie tatsächlich sagen, es gäbe keine Unterschiede zwischen Männern und Frauen?

    wenn sie sich zur frauenbewegung im westen äußert, gilt sie als “spießig”, wenn es gegen den islamismus geht, wird sie auf einmal zur säulenheiligen des westlichen widerstands gegen den islam. na was denn nun?

    Könnte es etwas damit zu tun haben, daß es sich um zwei verschiedene Themen handelt, und Schwarzer zu dem einen nur Unsinn, zu dem anderen aber durchaus Bedenkenswertes mitzuteilen hat?

  • bigmouth sagt:

    komisch, sonst immer energisch gegen kollektivismus, bei dem thema aber mal eben alle frauen in einen topf werfen… ob es statistisch gruppenunterscheide gibt, sagt weder was über deren herkunft aus (wobei natürlichkeit eh kein argument ist), noch über das individuum

  • bevanite sagt:

    „Das mag ich so an der poststrukturalistischen Linken: ihren antiautoritären Diskussionsstil. Statt Argumenten Verweise auf Säulenheilige. “

    ich würde mich nicht mal unbedingt als poststrukturalisten bezeichnen, aber die thesen von butler ergeben halt sinn und sind wesentlich zeitgemäßer. und wenn man sich in feuilletons dazu äußert, schadet ein kleiner blick in den theoretischen background gar nichts.

    „biologismus-argument der “unterscheidung” – Totschlagargument. Zudem noch auf einen Pappkameraden bzw. eine -kameradin. Oder wollen Sie tatsächlich sagen, es gäbe keine Unterschiede zwischen Männern und Frauen?“

    ja, die gibt es. aber in politischen und gesellschaftlichen fragen sind sie nicht relevant und ich finde es gefährlich, soziale oder gesellschaftliche phänomene auf den unterschied zwischen männlichen und weiblichen eigenschaften (deren existenz ich anzweifele) runterzubrechen.

    und, nein, auf politischer ebene sollte es eben keine unterschiede zwischen männern und frauen geben – um nichts anderes ging es in der ersten und zweiten frauenbewegung. man sollte dabei „dem feminismus“ dankbar sein, dass er die unterschiede zum glück nicht nur „kleingeredet“, sondern aufs schärfste kritisiert hat. es wäre gut, wenn dies auch heute noch getan werden würde. ich hatte an anderer stelle schon mal geschrieben, dass gerade deutschland in dieser beziehung den meisten anderen europäischen (und nordamerikanischen) ländern hinterherrennt.

    „Könnte es etwas damit zu tun haben, daß es sich um zwei verschiedene Themen handelt, und Schwarzer zu dem einen nur Unsinn, zu dem anderen aber durchaus Bedenkenswertes mitzuteilen hat?“

    sind das denn wirklich so verschiedene themen? die in diesem zusammenhang diskutierten fragen z.b. zu ehrenmorden, patriachalen familienstrukturen usw. beziehen sich ja mitunter auf phänomene in westlichen gesellschaften, nicht in islamischen ländern. ich hatte gehofft, dass es durch solche debatten zu einer feministischen renaissance kommen würde (v.a. nach dem sürücü-mord), aber leider scheint dies schon im keim zu ersticken.

  • Ingo Way sagt:

    @bigmouth:

    Es ist doch Alice Schwarzer, die kollektivistisch alle Frauen in einen Topf wirft, indem sie behauptet, für alle zu sprechen. Jene, die Schwarzers Vertretungsanspruch ablehnen, sind für sie Verräterinnen oder Komplizinnen der Männerherschaft.

  • Ingo Way sagt:

    ja, die gibt es. aber in politischen und gesellschaftlichen fragen sind sie nicht relevant

    In politischen vielleicht nicht so sehr. In gesellschaftlichen aber eben doch.

    auf politischer ebene sollte es eben keine unterschiede zwischen männern und frauen geben

    Völlig d’accord. Und politisch wie rechtlich werden heute auch keine Unterschiede mehr gemacht. Frauen haben das passive und aktive Wahlrecht, sämtliche frauendiskriminierenden Ehe- und Scheidungsparagraphen sind abgeschafft, alle Berufe stehen Frauen offen, es gibt keinerlei rechtliche Diskriminierung mehr – doch, eine schon: nur Männer müssen Zwangsdienste leisten. Solange dies von Feministinnen nicht problematisiert wird, glaube ich den hehren Beteuerungen, nur gleiche Rechte und Chancen herstellen zu wollen, nicht so recht.

    ich hatte gehofft, dass es durch solche debatten zu einer feministischen renaissance kommen würde

    Inzwischen habe ich das Gefühl, Feminismus ist nicht mehr Mittel zum Zweck der Gleichberechtigung – denn die haben wir längst, ohne gleichzeitig weibliche Privilegien abgeschafft zu haben (siehe Wehrdienst) -, sondern nur mehr Selbstzweck. Abgesehen davon, daß der Feminismus keineswegs verschwunden ist, und also auch keine Renaissance erleben kann und braucht – was sind denn heute seine Ziele? Gegen welche konkreten Mißstände richtet er sich? Haben diese Mißstände überhaupt ihre Wurzel in der Diskriminierung von Frauen? Was will er erreichen? Was sind seine Intentionen?

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