Es macht immer Tutu

14. Juni 2007 § 9 Kommentare

Gestern habe ich noch mit S. darüber gewitzelt, wann wohl der erste Vertreter der internationalen Gutmenschenmafia Israel die Schuld am innerpalästinensischen Bürgerkrieg geben würde. Und fünf Minuten später kommt folgende Meldung der Evangelischen Presseagentur. Als erster durch die Ziellinie lief nicht Joostein Garder, nicht José Saramago, nicht Günter Grass. The winner is:

Der ehemalige anglikanische Erzbischof von Kapstadt, Desmond Tutu, hat Israel einen Teil der Verantwortung für die Gewalt im Gazastreifen zugewiesen. Unterdrückte Menschen wie die Palästinenser seien verzweifelt und fügten sich selbst Schaden zu, sagte der Friedensnobelpreisträger, der im Auftrag des Menschenrechtsrates der Vereinten Nationen als Sonderermittler tätig war, am Mittwoch in Genf. Die Palästinenser müssten seit Jahrzehnten Gewalt und Unrecht erdulden, unterstrich Tutu.

Vor lauter Verzweiflung bleibt den Palästinensern gar nichts übrig, als sich gegenseitig aus Hochhausfenstern zu werfen und Krankenhäuser zu beschießen, in denen sie Feinde vermuten. Weil sie seit Jahrzehnten Gewalt und Unrecht erdulden, sind sie jetzt gleichsam süchtig danach. Und wer hat sie angefixt? Die Israelis. So sprach der Erzbischof. Doch Tutu kann nichts dafür. Auch er mußte jahrzehntelang Gewalt und Unrecht erdulden und ist daher für seine verzweifelten Worte nicht verantwortlich zu machen.

Und für solche Leute wurde einst Südafrika boykottiert.

§ 9 Antworten auf Es macht immer Tutu

  • […] ersten zwei Beispiele finden sich bei Claudio Casula (Link) und Ingo Way (Link). Hier kommen noch zwei. Einmal der plauderige Tony Judt (im Interview an “Die […]

  • […] ersten zwei Beispiele finden sich bei Claudio Casula (Link) und Ingo Way (Link). Hier kommen noch zwei. Einmal der plauderige Tony Judt (im Interview an “Die […]

  • Ralf Balke sagt:

    ganz bezaubernd auch susanne knaul in der taz vom 13. juni. in ihrem interview mit dem psychater eyad al sarraj spricht sie allen ernstes von den „palästinensischen volksgenossen“. das freut den germanischen volksgenossen, der ja ebenfalls lange unter einer besatzung zu leiden hatte.

    „Die Gewalt macht nicht halt vor Frauen und Kindern. Woher rührt dieser enorme Hass unter den palästinensischen Volksgenossen?
    Wir haben eine Ebene der Unmenschlichkeit erreicht, die wir bisher nicht kannten. Leute, die einen Menschen bei lebendigem Leib von dem Dach eines Hochhauses stoßen oder andere, die in ein Krankenhaus gehen, um Verwundete zu erschießen. Das palästinensische Volk ist durch die jahrzehntelange Besatzung so brutalisiert worden. Wir haben in unserem Zentrum Gewalt- und Traumastudien vorgenommen. Es gibt kaum noch jemanden im Gaza-Streifen, der unbelastet ist. Dazu kommt, dass wir besiegt wurden. Die Leute suchen jetzt nach anderen Feinden, schwächeren, die sie besiegen können. Wenn schon nicht Israel, dann wenigstens die Hamas oder die Fatah oder einen Angehörigen einer verfeindeten Familie. Die Gewalt wurde über Jahre und Generationen genährt.“
    INTERVIEW: SUSANNE KNAUL

  • Ingo Way sagt:

    Hallo Ralf, ich frage mich, ob diese Leute noch darüber nachdenken, bevor sie dergleichen von sich geben, oder ob es gleichsam unbewußt aus ihnen heraussprudelt. Die Rede von den „Volksgenossen“ spricht eher für letzteres. Aber da ist auch keiner, der sie darauf hinweist, was sie da eigentlich gerade gesagt haben.

  • Interessant: Sogar das JF-Archiv gibt die Vokabel nur 11 mal her. Ein Autor und ein Leser sind ganz ungeniert, ansonsten setzt man den Volksgenossen in Anführung oder ironisiert ihn. Ebenso bei den 6 Treffern der jW. Spricht natürlich alles nur für deren Korrektorat – und gegen die taz. Broders Kinderstürmer fand ich immer etwas, äh, outré, ab und zu lassen sie ja auch Menschen mit Hirn ran, aber es hat was.

  • Ralf Balke sagt:

    aber wenigstens ersparte uns frau knaul die feministisch/völkisch-korrekte variante und sprach nicht von „palästinensischen volksgenossen/Innen“.

  • bevanite sagt:

    sicher ein notwendiger artikel, aber könnt ihr in zukunft bitte etwas weniger floskeln á la „internationale Gutmenschenmafia“ benützen? das klingt ein bißchen zu sehr nach goebbels.

  • muss es immer der goebbels sein?

  • mousseman sagt:

    Dieser nette Herr aus dem fernen Südafrika dürfte auf den Archetyp der wirklich furzdummen Person zutreffen wie der Schlüssel ins Schloss passt.

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