Dreimal Rutschky

29. Juli 2007 § 2 Kommentare

Am 17. Juni wurde Margarete Mitscherlich 90. Ein kritischer Geburtstagsgruß von Katharina Rutschky:

Den Spießerfeminismus à la Schwarzer hat sie wohl längst hinter sich gelassen. Die Frage, ob sie sich nochmal an einer EMMA-Initiative gegen die Vermarktung einer paradigmatisch und prototypisch interpretierten schwarzen Frau beteiligen würde, beantwortet sie nicht direkt. Indirekt schon: Wer schön sei, wolle sich zeigen. Andererseits lamentiert sie über weiblichen Masochismus, angezüchtete Komplexe von Minderwertigkeit bei Frauen und Unvollkommenheitsfantasien, die sie selbst bei ihren Enkelinnen registriert. Der Schwarzer-Feminismus, für den sie sich mal ins Zeug gelegt hat, ist wohl lange passé bei der Dame, die dreimal pro Woche noch ins Frankfurter Freud-Institut wandert. Jahrgang 1917, gehört Margarete Mitscherlich einer interessanten und lehrreichen Frauengeneration an, die langsam verschwindet. Ich bekenne mich zur Idealisierung der Damen ihres Typus. Sie wollten sich emanzipieren – unter den Bedingungen der Nazis genauso wie unter denen, die das progressive Bürgertum vorher und nachher stellte. Sie wussten, was im Hinblick auf Emanzipation anstand, mussten aber doch alles alleine durchstehen. Klagen und lamentieren war ihre Sache nicht. Eher handeln und Probleme herunterschlucken.

Bei der Gelegenheit sei auch an Rutschkys wunderschönen Verriß des letzten Buches von Alice Schwarzer erinnert:

Selbst altgediente Feministinnen, Kritikerinnen, ja Feinde von Schwarzer starten jede Erläuterung zu ihrer Person mit der Einleitung, dass sie ja ihre Verdienste habe. Fragt man nach: „Und welche, jetzt mal genau?“, – wird es umso dünner, je engagierter, informierter und intellektueller die Gesprächspartnerin ist.

Und wie der sehr der zeitgenössische akademische Ferminismus an den kulturwissenschaftlichen Fakultäten in der Tradition deutsch-romantischer Zivilisationsmüdigkeit steht, zeigt Rutschky anhand des jüngsten Buches von Christina von Braun und Bettina Mathes:

Kratzt man an der Fassade, kommt nichts anderes zum Vorschein als eine Kultur- und Kapitalismuskritik, die Islam und Orient zur Folie einer bekannten Selbstkritik macht, die den „Westen“ ja tatsächlich um hohen Preis weiter nach vorn gebracht hat als andere „Kulturen“.

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