Böll-Stiftung: Warum Tony Judt a priori kein Feind Israels sein kann

30. November 2007 § 2 Kommentare

Das Enervierende an Diskussionen über Antisemitismus ist meist die Bauernschläue des Gegenübers, mit der in den immergleichen drei Schritten erklärt wird, daß etwas nicht antisemitisch sein könne, weil 1.) der Urheber des in Frage stehenden selber jüdisch oder aber ein großer Freund der Juden und des israelischen Staates sei, 2.) Kritik an XY ja nicht Anti-XY sei und 3.) niemand behauptet habe, er wolle sofort alle Juden aus rassischen Gründen vernichten, was allein ja die Bezeichnung Antisemitismus verdienen würde.

Wie berichtet, hat die Jüdische Gemeinde Bremen gegen die Verleihung des Hannah-Arendt-Preises an den antizionistischen Historiker Tony Judt protestiert. Das Preisgeld stiftet die Heinrich-Böll-Stifung. Nun ist zu lesen:

Peter Rüdel von der Bremer Heinrich-Böllstiftung kann die Kritik nicht nachvollziehen. Judt sei kein Israelkritiker sondern ein Kritiker der aktuellen Politik Israels. Ein Mann, der freiwillig in der israelischen Armee gedient habe, stelle gewiss nicht Staat Israel in Frage.

Wieso folgt das aus dem? Er kann doch früher in der israelischen Armee gedient haben und heute Israel in Frage stellen. Daß er das tut, kann man nachlesen, denn er hat es selbst aufgeschrieben. 2003 in seinem Essay „Israel: The Alternative“ in der New York Review of Books. Entweder stellt Rüdel sich dumm, oder er kann nicht lesen, oder er hat schlicht Desinteresse am Preisträger. Dann könnte er sich allerdings von Kundigen über dessen antizionistische Positionen aufklären lassen. Oder dient bei der grünen Heinrich-Böll-Stiftung neuerdings militärische Fronterfahrung als Wahrheitsbeweis?

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§ 2 Antworten auf Böll-Stiftung: Warum Tony Judt a priori kein Feind Israels sein kann

  • Klaus Bloemker, Frankfurt am Main sagt:

    Peter Rüdel von der Böll Stiftung stellt sich dumm weil er zu feige ist zu sagen: ‚Ja selbstverständlich stellt Tony Judt die Existenzberechtigung Israels als ethisch-religiöser „jüdischer Staat“ (Israel’s offizielle Definition) in Frage. Dafür verdient er mit Recht den Hannah Arendt Preis für politisches Denken.‘

    Die Logik, weil jemand in der israelischen Armee gedient habe, könne er nicht anti-zionistisch sein, ist natürlich nonsense.
    Die Frage ist vielmehr: Ist anti-Zionismus eine legitime Position? Und – by extention, da der Zionismus eine politische Version des Judaismus ist – ist daher anti-Semitismus auch begrenzt legim?

  • Klaus Bloemker, Frankfurt am Main sagt:

    Es muß heissen: „Israel als ethnisch-religiöser ‚jüdischer Staat‘ …“ Obwohl „ethisch-religiös“ auch nicht schlecht klingt.

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