Antizionistische Üblichkeiten

31. März 2008 § 8 Kommentare

Die Website „Qantara.de – Dialog mit der islamischen Welt“ ist ein gemeinsames Internetportal der Bundeszentrale für politische Bildung, der Deutschen Welle, des Goethe-Instituts und des Instituts für Auslandsbeziehungen. Das Projekt wird vom Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland gefördert.

Der in Berlin lebende israelische Journalist Igal Avidan schrieb für Qantara.de einen Text über den Milliardär Stef Wertheimer, der sein Geld in zahlreiche israelisch-palästinensische Projekte steckt und kürzlich mit der Buber-Rosenzweig-Medaille ausgezeichnet wurde. Der Beitrag wurde abgelehnt, was der Redakteur folgendermaßen begründete:

Lieber Igal Avidan,

ich hatte mich schon Anfang der Woche melden wollen; Zeit is immer so knapp, kennen Sie ja auch. Ganz kurz also zur Info: Wir haben uns entschlossen, den Wertheimer-Text nicht zu publizieren, aus dem einfachen Grund, weil es ein jüdischer Preis ist, der an einen jüdischen Israeli vergeben wurde, der sich offen zum Zionismus bekennt, aber für sein Engagement für israelische Palistinenser ausgezeichnet wurde. Die Botschaft, die man bei so einer Story herausdistellieren kann, ist: Zionismus und das Engagement für die Palestinenser lassen sich wunderbar miteinander vereinbaren! – Nun, es gibt Leute, die in dieser Aussage einen Widerspruch entdecken würden. Ich will jetzt aber gar nicht polemisieren, und es geht auch nicht darum, die Leistungen von Stef Wertheimer zu unterschlagen. Nur müssen wir und wollen wir als Dialogportal ein besonderes Gewicht auf die Ausgewogenheit unserer Berichterstattung legen.

Man hätte das Thema schon auch noch umsetzen können, nur hätte man einen aus unserer Sicht anderen Ansatz wählen müssen, aber in dieser Woche fehlte leider die Zeit dafür. Wegen der Handhabung bez. Honorar setzen wir uns mit ihnen nächste Woche in Verbindung.

Mit freundlichen Grüßen,

Lewis Gropp
Redaktion / Editorial staff Qantara.de
c/o Deutsche Welle
Lewis.Gropp@dw-world.de

Igal Avidan antwortete darauf:

Lieber Herr Gropp,

Ihre Antwort erstaunt mich.

Zum einen ist die Buber-Rosenzweig-Medaille, anders als Sie annehmen, kein “jüdischer Preis”, sondern sie wird vom Koordinierungsrat der Christlich-Jüdischen Gesellschaften verliehen, die (aus bekannten historischen Gründen) mehrheitlich aus Nichtjuden bestehen.

Stef Wertheimer setzt sich nicht besonders für Palästinenser (und nicht Palestinenser) ein, sondern für alle Menschen im Nahen Osten, die arbeiten wollen und die Gewalt und Fanatismus ablehnen.

Zum anderen ist der Zionismus die Antwort auf die Judenverfolgung in Europa und bildete die Grundlage für die Errichtung des Staates Israel. Wäre der Zionismus erfolgreicher gewesen, so wären möglicherweise nicht sechsMillionen Juden ermordet worden.

Ich sehe keinen Widerspruch zwischen Zionismus und dem Einsatz für eine friedliche Lösung des Konfliktes. Jossi Beilin und die Genfer Initiative sind ein ausgezeichnetes Beispiel dafür.

Wenn Sie als Internetportal der Deutschen Welle einen Dialog wirklich wollen, dann eben auch mit Zionisten, die immerhin die Mehrheit der Israelis darstellen. Wenn Sie aber über einen Menschen wie Steff Wertheimer nicht berichten wollen, weil er ein Zionist ist, dann wollen Sie wohl keinen Dialog mit Israelis.

Ich werde Ihr Schreiben öffentlich machen und bin gespannt auf die Reaktionen.

Mit zionistischem Gruss,

Igal Avidan

Ich fragte den Qantara-Redakteur Gropp per E-Mail:

Ich muß gestehen, daß sich mir die Logik Ihrer Begründung nicht völlig erschließt. Können Sie mir darüber Auskunft geben, was damit gemeint sein soll?

Gropp schrieb mir daraufhin:

Sehr geehrter Ingo Way,

danke für Ihre Mail. Erlauben Sie mir, Ihnen die Antwort zukommen zu lassen, mit der wir auf die verschiedenen Anfragen in dieser Sache reagiert haben. Melden Sie sich gerne, wenn Sie weitere Rückfragen haben. Ich bin indessen ab morgen bis zum 12. April verreist; wenden Sie sich dann bitte an unseren Redaktionsleiter, Loay Mudhoon, (loay.mudhoon@dw-world.de; 0228-429-2596).

Mit freundlichen Grüßen,

Lewis Gropp

***

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Anlass ist zwar ein Unerfreulicher, aber Sie waren rücksichtsvoll genug, die Mail auch an uns zu versanden, was uns die Gelegenheit gibt, dazu Stellung zu beziehen – was wir hiermit gerne tun möchten.

Aufgrund von Abstimmungsschwierigkeiten kam es in diesem Fall zu beträchtlichen Missverständnissen, die wir allerdings mit unserem langjährigen Autor Igal Avidan bereits am vergangenen Sonntag ausräumen konnten. Der Artikel ist inzwischen wie mit ihm abgesprochen auf unserer Seite publiziert.

In der Sache sind unsere Positionen nicht korrekt wiedergegeben worden; unser Dialog-Magazin steht für eine fundierte und ausgewogene Berichterstattung, eine Verantwortung, die wir gerade in Bezug auf Israel sehr ernst nehmen. So finden sich auf unseren Seiten mehrere Beiträge, die sich mit dem Problem der pauschal anti-israelischen Positionen in der arabischen Welt, auch über das Problem der Holocaust-Leugnung haben wir immer wieder aus gegebenem Anlass berichtet. Regelmäßig publizieren renommierte israelische Autoren und Journalisten auf Qantara.de. Die geäußerten Vorwürfe und Mutmaßungen möchten wir daher entschieden zurückweisen.

Bei weiteren Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Auskunft zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen,

Loay Mudhoon, Redaktionsleiter

Lewis Gropp, Redakteur

***
Redaktion Qantara.de
c/o Deutsche Welle
Kurt-Schumacher-Str. 3
53113 Bonn
Germany
Loay.Mudhoon@dw-world.de
Lewis.Gropp@dw-world.de
http://www.qantara.de

In der Tat ist der Text von Avidan inzwischen auf der Seite zu finden. Worin allerdings die beträchtlichen Mißverständnisse bestanden haben, erschließt sich mir nach wie vor nicht. Gropp hatte sich m.E. recht unmißverständlich ausgedrückt. Wenn es heißt In der Sache sind unsere Positionen nicht korrekt wiedergegeben worden, steht das jedenfalls im deutlichen Widerspruch zu den wörtlichen Zitaten aus Gropps Mail an Avidan.

Eine andere Frage wiederum ist, warum letzterer überhaupt Wert darauf legt, bei Qantara zu publizieren. Sieht man sich das Umfeld dieser Seite nämlich einmal an, zeigt sich, daß dort der Dialog mit der islamischen Welt überwiegend so verstanden wird, das man alles abnickt, was die „islamische Welt“ so fordert. Es finden sich zahlreiche Artikel über die schlimmen Folgen von Schutzzaun und Grenzkontrollen, zur Diskrimierung der arabischen Israelis und zur sogenannten Nakba, aber nichts über den andauernden Raketenbeschuß aus dem Gazastreifen – auf einer Seite, die nach Auskunft eines ihrer Redakteure auf ausgewogene Berichterstattung so großen Wert legt. Der frühere libanesische Finanzminister George Corm übt die übliche Schelte am Westen („ihr seid selber nicht perfekt, ätschbätsch“), Jürgen Todenhöfer fordert den üblichen Respekt für die islamische Welt und die üblichen Genderforscherinnen verneigen sich vor dem islamischen Feminismus. Alles im Rahmen des Üblichen eben. Wie sonst käme man in den Genuß von Förderung durch die Bundeszentrale für politische Bildung, die Deutsche Welle, das Goethe-Institut, das Institut für Auslandsbeziehungen und das Auswärtige Amt?

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§ 8 Antworten auf Antizionistische Üblichkeiten

  • Ella sagt:

    Kein Wunder. In der letzten Zeit haben uns unsere Freunde mit so mancher Überraschung gefreut. Die Amerikaner z.B. sind sehr besorgt, unseren lieben Nachbarn mehr Möglichkeiten zur unseren Vernichtung zu eröffnen. Bald werden wir wohl hören, daß sie davon den richtigen Gebrauch machen.

  • EJ sagt:

    Klasse Argumentation der Qantara: Wer in Israel lebt, dort leben will (und sich um seine Lebensmöglichkeiten sorgt), kommt als Dialogpartner nicht in Frage. – Man fragt sich, warum Qantara nicht konsequent ist, und z. B. zu Spenden für eine ordentliche Bewaffnung der „Palistinenser“ aufruft. Die Frage lässt sich jedenfalls gut aus der stacheligen Begründung der Redaktion „herausdistellieren“.

  • Adam sagt:

    Als ich die Email von Gropp gelesen habe, hatte ich kein Zweifel daran, dass seine, allerdings schwache, Argumente aus der Redaktionsleitung entstammten. Damit meine ich, dass der neue Redaktionsleiter von Qantara Loay Mudhoon (ein Palästinenser) dahintersteckt.

    Wer diesen Mensch kennt, weißt genau seine Agenda und vor allem seine schlauen Methoden, diese Agenda durchzusetzen, ohne spüren zu hinterlassen. Er lasst die anderen seine Agenda durchsetzten und sie damit vor den Kanonen zu stellen, wie hier Herr Gropp der Fall ist.

    Seine Bekannten nennen ihn zutreffend als „Ein Mann mit 1001 Gesicht“. Gemeint damit: Vor denn Deutschen stellt er ein postmoderner säkularer Mensch dar und weint wegen des traurigen Schicksales der Juden. Aber vor den Araber und Muslime stellt er sich als der beste Verteidiger des arabischen und islamischen Morales und wird zu einem großen Holocaust-Leugner.

    Die Redaktion von Qantara unter seine Leitung ist zu einem arabischen Propaganda- und Hassmaschine gegen Juden und Israels geworden. Bücher, Kommentare Artikel, die Israel kritisieren, finden einen sofortigen Zugang zu Qantara. Ich bewundere mich, warum diese Internetportal noch nicht unter Beobachtung der zuständigen Stellen

  • Ingo Way sagt:

    Hallo Adam, danke für den Hinweis, dem geh ich mal nach.

  • H. Klein sagt:

    Seitdem ein Palästinenser die Redaktionsleitung von Qantara übernahm, ist das Internet-Portal quasi zu einem Hamas-Sprachrohr geworden, auf Kosten der deutschen Steuerzahler. Dialog mit Israel ist nicht erwünscht, Kritik mit antisemitistischen und antizionistische Inhalten ist immer herzlich willkommen.

  • Dr. Mohammed Khallouk sagt:

    Lieber Ingo Way!
    Ich kann Ihre Erkenntnisse bezüglich der Redaktionsleitung von Qantara.de aus eigener Erfahrung bestätigen. Als aus Marokko stammender Emigrant in Deutschland, promovierter Politologe und Lehrbeauftragter für politische Theorien an der Philipps-Universität Marburg sowie Habilitant über das Judentum in Marokko an der Bundeswehruniversität München engagiere ich mich schon seit Jahren im Sinne des gegenseitigen Verständnisses zwischen Juden und Arabern und habe bereits in meinem ersten veröffentlichten Buch über den Nahostkonflikt aufgezeigt, dass ein Friedensprozess zwischen Israelis und Palästinensern angesichts der ethischen Gemeinsamkeiten zwischen Islam und Judentum bei einer Beseitung der politischen Konfliktursachen möglich ist. Da ich mich auch weiterhin dem Kulturdilog in besonderer Weise verpflichtet fühle, hatte ich das deutsch-arabische Internetportal Qantara.de als Medium ausgewählt, um sowohl im deutschen als auch im arabischen Sprachraum die Botschaft des Miteinanders zwischen Juden und Muslimen zu verbreiten. Leider sind sämtliche in diesem Zusammenhang an Qantara.de weitergeleiteten Texte, die in anderen, vor allem jüdischen Medien ungehindert erscheinen konnten, von mir dort nicht veröffentlicht worden, was ich mir nur so erklären kann, dass sie in das vorgefasste Weltbild der Redaktionsleitung nicht hineinpassen. Unter den Artikeln befindet sich z.B. ein Beitrag über das jüdische Museum in Casablanca, das einzige Museum für jüdische Geschichte und Kultur in der arabischen Welt. Dieser Beitrag ist nach fehlender Aufnahme bei Qantara.de im September in der Jüdischen Zeitung erschienen. Ebenso sind darunter Beiträge über den jüdisch-maurischen Gelehrten Moses Maimonides und den jüdisch-französischen Ethiker Emmanuel Levinas, die nach vergeblichem Aufnahmeversuch bei Qanatara.de nur wenige Tage nach Einreichen bei Compass.info erschienen sind. Unter den abgelehnten Beiträgen von mir finden sich auch nicht unmittelbar über das Verhältnis zu Juden berichtende Artikel und Interviews. Eines davon geführt mit Werner Ruf über Islamismus und das Verhältnis von Islam und Demokratie ist nun beim Eurasischen Magazin zu finden, ein Artikel über den Anti-Islamisierungskongress im vergangenen Monat in Köln erschien umgehend im Palästina-Portal. Ein Artikel über den Bestreiter der Existenz des islamischen Propheten Mohammed, Prof. Muhammad Kalisch aus Münster, erschien bei islam.de, dem Internetportal des Zentralrats der Muslime in Deutschland.
    Aktuell warte ich seit vier Wochen auf die bisher ausgebliebene Rückmeldung zu einem an Qantara.de gesandten Artikel über das Dialogmuseum, ein Projekt von und mit Behinderten, das in Deutschland entstand und mittlerweile in der ganzen Welt (einschließlich Israels) Nachahmung gefunden hat, lediglich in den arabischen Ländern noch weitgehend unbekannt ist. Damit es dort auch bekannt werden und dortige Behinderte davon profitieren können, hatte ich den Beitrag hierzu
    gemeinsam mit einem Interview mit dem Begründer des Projekts an Qantara.de geschickt, in der Hoffnung, dass er auch in arabischer Sprache erscheint und den Menschen verständlich vermittelt wird, was aber bisher leider noch nicht erfolgt ist.
    Ich kann mich des Eindrucks nicht verwehren, dass Loay Mudhoon jegliche Beiträge von Autoren, die sich dem respektvollen Miteinander von Juden, Arabern und anderen in besonderer Weise engagieren, das Forum verweigern möchte, weil sie seinem Weltbild entgegenstehen. Hierzu muß ich ergänzen, dass auch die Professionalität der veröffentlichten Beiträge, besonders der von der Redaktion selbst vorgenommenen arabischen und z.T. auch deutschen Übersetzungen in einigen Fällen sehr zu wünschen übrig läßt, so dass mit der Übersetzung gelegentlich die Absicht des Artikelschreibers oder Interviewpartners nicht erkennbar wird und es deshalb schon mehrfach zu Beschwerden kam (ein jüngstes Beispiel ist der Autor Meddeb, dessen auf Französisch gegebene Statements falsch ins Deutsche übertragen wurden)
    Eine Frage sollte erlaubt sein, wie gelangen derart von Ressentiments getragene unprofessionelle Kräfte in die Leitungen von einem Portal, das von öffentlichen Stellen in Deutschland regelmäßig Unterstützung erfährt? Wieso erreicht Qantara.de als deutsch, arabisches und sogar türkischsprachiges Internetportal in der islamischen Welt nicht die erhoffte Resonanz und ist weitgehend unbekannt? Und letztlich:Wer überprüft eigentlich die darin veröffentlichten Beiträge, ob sie dem vorgebenen Anspruch entsprechen?
    Mit besten Grüßen
    Dr. Mohammed Khallouk

  • Jochen sagt:

    Ich habe den Beitrag von Herrn Dr. Khallouk gelesen und war doch ein wenig schockiert, da es sich bei Qantara.de doch um ein öffentlich gefördertes Portal handelt, dass den Muslimen im deutschsprachigen Raum mit ihren spezifischen Anliegen den Zugang zur Öffentlichkeit zu ermöglichen vorgibt. Wenn engagierten aufgelärten Muslimen, die sich in besonderer Weise für den Dialog mit dem Westen, aber auch mit dem Judentum engagieren, das Forum in Internetportalen dieser Art vorenthalten wird, sollte man sich nicht wundern, wenn unaufgeklärte, ressentimentbeladene Stimmen unter Muslimen die deutsche Öffentlichkeit domieren und hierzulande ein Zerrbild vom Islam entsteht, dass dem Dialog beider Kulturen miteinander als Barriere im Weg steht.

  • Marie-Luise sagt:

    >Sieht man sich das Umfeld dieser Seite nämlich einmal an, zeigt sich, daß dort der Dialog mit der islamischen Welt überwiegend so verstanden wird, das man alles abnickt, was die “islamische Welt” so fordert.<

    Genau das irritiert mich an Qantara.

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