Bloß kein Durchschnitt

6. April 2008 § 2 Kommentare

Bas Kast räumt im Tagesspiegel mit dem Mythos auf, der geringe Anteil von Frauen in Führungspositionen beruhe auf Diskriminierung:

Männer sind sowohl dümmer als auch schlauer als Frauen. Frauen dagegen „bewegen sich eher um den Durchschnitt“, wie es die britische Psychologin Helena Cronin von der London School of Economics formuliert – und das, meint die Expertin, könnte auch Licht auf die Frage werfen, weshalb Frauen bis heute so selten in den Spitzenpositionen der Gesellschaft anzutreffen sind. Denn natürlich sind auch Spitzenpositionen Extreme.

Lange Zeit hat man diesen Erklärungsansatz totgeschwiegen, nicht zuletzt aus politischer Korrektheit. Doch gibt es inzwischen so viele Hinweise, die für die „Extremhypothese“ sprechen, dass mehr und mehr Psychologen – oft Psychologinnen – sich hervorwagen.

Wie zum Beispiel die kanadische Entwicklungspsychologin Susan Pinker mit ihrem soeben erschienenen Buch „The Sexual Paradox“ (Scribner 2008). Schon im Kindesalter, führt Pinker in ihrem Buch aus, lasse sich das Phänomen der Extreme beobachten. … Jungs sind in so gut wie jeder Hinsicht anfälliger … So leiden sie mit großem Abstand häufiger unter Lernproblemen, Hyperaktivität, Sprachstörungen, Autismus, bis hin zu verschiedenen Formen von geistiger Behinderung. …

Und die Mädchen? Sie sind die besseren Schülerinnen, im Schnitt auch die besseren Studentinnen. Sogar im Berufsleben haben sie, entgegen dem Vorurteil, nicht selten eine steilere Karriere vor sich: In etwa der Hälfte der weltweiten Top-Unternehmen („Fortune 500“), so eine Studie aus dem Jahr 2006, waren es nicht die Männer, sondern die Frauen, die schneller und häufiger in eine leitende Position befördert wurden. Nur ganz oben, in der Chefetage, kann man die Frauen immer noch an einer Hand abzählen. So haben lediglich acht der 500 umsatzstärksten Firmen eine Frau an der Spitze.

Man spricht in diesem Zusammenhang von einer „gläsernen Decke“, die Frauen davon abhält, bis nach ganz oben vorzudringen. Und die herkömmliche Erklärung für die gläserne Decke lautet: Männer versperren den Frauen bewusst und gezielt den Zugang zu diesen Positionen. Obwohl kaum jemand bestreitet, dass darin ein Kern von Wahrheit liegt, bleibt eines an dieser Erklärung rätselhaft: In der Schule halten die Jungs die Mädchen keineswegs davon ab, die besseren Schülerinnen zu sein. An der Uni halten die Studenten die Studentinnen nicht davon ab, besser abzuschneiden. Die Männer scheinen die Frauen zumindest in der Hälfte der globalen Spitzenunternehmen nicht davon abzuhalten, schneller in leitende Funktionen zu gelangen. Und dies alles soll sich plötzlich komplett ändern, sobald es um die Chefpositionen geht?

„Ich habe in dieser Hinsicht meine Meinung geändert“, sagt die Psychologin Cronin. Auch sie glaubt, dass hier das Phänomen der Extreme zum Vorschein kommt: „Unter Männern kann die Variation, also der Unterschied zwischen den besten und den schwächsten, enorm ausfallen. Das heißt, die Männer sind fast zwangsläufig sowohl am unteren Ende als auch an der Spitze überrepräsentiert.“ Kurz gesagt: mehr Dummköpfe – aber auch mehr Genies.

… Die US-Kulturhistorikerin Camille Paglia hat das Prinzip einmal so auf den Punkt gebracht: „Es gibt keinen weiblichen Mozart, weil es keinen weiblichen Jack the Ripper gibt.“

Dass Männer extremer sind, dafür liefern nicht nur Natur und die Geschichte etliche Belege, das hat sich auch in zahlreichen Studien offenbart, bei Intelligenzmessungen etwa. Im Schnitt schneiden Männer und Frauen in IQ-Tests ähnlich ab, was allerdings nicht weiter verwundert, da die Tests eigens so entwickelt wurden, dass sie geschlechterneutral ausfallen. Selbst bei diesen auf politische Korrektheit getrimmten Tests jedoch zeigt sich: Männer sind sowohl dümmer als auch klüger.

Die umfangreichste Messung in dieser Hinsicht stammt aus den 1930er Jahren. Damals warf ein Psychologe aus Edinburgh einen Blick auf den Intelligenzquotienten von über 80 000 schottischen Kindern. Wie sich zeigte, gab es weitaus mehr Männer als Frauen mit einem unterbelichteten IQ zwischen 60 und 90. Die Mädchen kreisten stärker um den Durchschnitt von 95 bis 115 Punkten. Erst ab einem IQ von 120 (ab 130 spricht man von „Hochbegabung“) übertrafen die Jungs die Mädchen wieder. Im Schnitt allerdings kamen die Mädchen und Jungs auf den exakt gleichen IQ von 103.

Der Schnitt aber ist nicht unbedingt das, was in unserer Gesellschaft den Ausschlag gibt, schon gar nicht in den Extrembereichen. „Wir fokussieren in der Diskussion oft auf den Durchschnitt und ignorieren die Extreme, und so erscheinen uns die Unterschiede zwischen Mann und Frau klein“, sagt Cronin. Jeder Unterschied an der Spitze muss uns somit zutiefst ungerecht vorkommen. Dabei spiegelt die gläserne Decke, wie Cronin meint, letztlich vielleicht kein politisches Phänomen wider, sondern ein statistisches.

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§ 2 Antworten auf Bloß kein Durchschnitt

  • lisa sagt:

    Bullshit. Wer glaubt denn bitte daran, dass in den Chefetagen nur die Leute mit dem höchsten Intelligenzquotienten sitzen? Nur dann würde dieses rein statistische Argument Sinn machen. Es braucht andere Qualifikationen um in die Chefetagen zu kommen. Die sinnvollste Erklärung für die „Gläserne Decke“ lautet ja auch nicht, dass Männer bewusst und böswillig Frauen am Aufstieg hindern. Es geht darum, dass bei diesem Aufstieg eben nicht mehr formelle Qualifikationen zählen oder Intelligenzquotienten oder Fachwissen (wie in der Schule), sondern informelle Netzwerke etc. Solche Strukturen bilden sich aus naheligenden Gründen häufig leichter unter Angehörigen desselben Geschlechts (z.B. über Herrenabende, bei denen man säuft und miteinander warm wird, indem man zotige Witze macht etc.; das Prinzip des Old Boys Network, das theoretisch auch zwischen Frauen denkbar ist, nur dass Frauen eben als Minderheit in den höheren Etagen es meistens nur mit Männern zu tun haben und deshalb schlechter „Old Girls“ rekrutieren können).

  • LePenseur sagt:

    Keineswegs Bullshit. Sie haben vielmehr scheints den Succus des Artikels nicht ganz verstanden: in Chefetagen sitzen nicht notwendigerweise „die Leute mit dem höchsten Intelligenzquotienten“, wie Sie vermeinen, wohl aber sitzen dort in aller Regel Extrembegabungen 1 sei es nun Verkaufskanonen, Spitzentechniker, Super-A****löcher, und (u.a. aber nicht notwendigerweise) auch Superintelligente. Denn ein hoher IQ ist nicht das alleinentscheidende im Wirtschaftsleben …

    Und Ihre Bemerkung, daß in der Schule v.a. Fachwissen zähle — das haben Sie aber nicht wirklich ernst gemeint, oder?

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