„Darauf bin ich gar nicht scharf“

22. April 2008 § Hinterlasse einen Kommentar

Der Soziologe Gerhard Amendt begrüßt es, daß sich in der Erörterung der Frage, warum sich auf den obersten Sprossen der Karriereleiter immer noch weniger Frauen als Männer tummeln, der Akzent allmählich von der Diskriminierungsthese wegbewegt:

Frauen beginnen sich zu fragen, warum ihre Erfolge begrenzt scheinen, und nicht mehr, welcher Mann sie am Erfolg gehindert und welche Institution ihnen ein Bein gestellt oder warum der Sozialstaat ihnen das Problem nicht schon längst aus dem Wege geräumt hat. … Trotzdem wird die Frage nach der eigenen Verantwortung nur schrittweise der Suche nach Sündenböcken weichen. Je näher Frauen der feministischen Ideologie stehen, umso zäher suchen sie nach Sündenböcken. …

Weil Männer anders als Frauen sind, prüfen sie etwa ihr Studienfach darauf, ob es eine familiengründende Potenz enthält. Ertragsschwache Fächer nehmen sie intuitiv früh wahr und lassen sie links liegen. Frauen scheinen auf diese Männer zu bauen und passen sich ihnen an. Man kann deshalb von einer Entscheidung ohne viele Worte im Sinne traditioneller Arrangements zwischen Männern und Frauen sprechen. Frauen wählen die versorgungs- und zukunftsschwachen Fächer, weil sie sich auf versorgungsstarke und -willige Männer verlassen. …

Genaueres darüber zu wissen würde sich lohnen. Denn die erste lebensgestalterische Präferenz von mehr als 60 Prozent aller Frauen bleibt die Arbeit in der Familie, mit der die männliche außer Haus harmonisch sich ergänzt. Das könnte den mangelnden Biss der Frauen außer Haus erklären. Sie vermeiden unbearbeitetes Terrain, das nur mit abenteuerlicher Mentalität sich erobern lässt. Eben, was Männer eher mögen. Dort aber entstehen die kleinen und großen und vor allem die herausragenden Erfolge und die Zukunftsperspektiven. …

Vielleicht vermeiden sie solche Kränkungen (Scheitern und Mißerfolg im Beruf; I.W.), indem sie sich der scharfen Konkurrenz entziehen und stattdessen Berufe mit familienähnlichen Abläufen bevorzugen. Vielleicht ist die Arbeit in Kindergärten, Grundschulen, der Pädagogik, der Weiterbildung, der Psychotherapie deshalb anziehender für sie, wie die Funktion der Pressesprecherin, der Personalmanagerin reizvoller ist, oder der Talkmasterin, die keinen Streit in ihrem Wohnzimmer duldet (oder die Kunstgeschichte als Wissenschaft und zugleich Heimverschönerung, wenn „Brigitte“-Ratschläge zu farblos werden). …

Das narzisstische Verletzungsrisiko, dem sich Männer mit abenteuerlichen Erschließungen von Berufsfeldern und gefühlter Alleinzuständigkeit fürs tägliche Brot aussetzen, wird gern übersehen. Einfach ist der Grund dafür. Ihre Welt wird idealistisch überhöht. Das fördert nicht nur Neid, weil alles so einfach scheint, sondern ebenso Fantasien von unbegrenzter Macht. Deshalb sind ihre Erfolge öffentlich, ihr Scheitern aber ist privat.

Selbst äußerst erfolgreiche Frauen sind anders. Kürzlich gratulierte ich einer brillanten Frau zu ihrer Beförderung bis kurz unter die „gläserne Decke“. Ich prophezeite ihr den CEO für die nahe Zukunft, worauf ich unverblümt hörte: „Ach, darauf bin ich gar nicht scharf!“ … Frauen möchten vielleicht nur das Erlebnis des Erfolges, um mit dem Wissen davon in die Familie zurückzukehren, weil ihnen das reicht. … Das bringt Männer in ein Dilemma. Wenn die Entschiedenheit der Frau nicht gesichert ist, wie sollen sie dann angstfrei mit alternativen, familiennahen Gedanken spielen? … Sie fühlen sich gezwungen zu tun, was ihre Väter taten. Für die Familie letztverantwortlich zu sorgen.

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