Szenen aus Kreuzberg

25. Juni 2008 § Hinterlasse einen Kommentar

„Von freier Schulwahl keine Spur, selbst Geschwisterkinder werden nicht aufgenommen“, heißt es in der Einladung, die „Taz“-Mitbegründer Max Thomas Mehr gerade in seinem Kreuzberger Kiez verteilt hat. Er wollte seine Tochter an der beliebten Charlotte-Salomon-Grundschule unterbringen und gehört zu den vielen, die einen Ablehnungsbescheid erhalten haben. Eine akzeptable Alternative sieht er ringsherum nicht: Freie Plätze gibt es nur an Schulen, die von der sozialen Zusammensetzung her nicht für Familie Mehr in Frage kommen. (Tagesspiegel)

Soziale Zusammensetzung – ja nee, is klar!

Der erste Blick der Eltern gilt in der Innenstadt aber längst nicht mehr nur undichten Fenstern oder ein paar fehlenden Lehrern, sondern vor allem der Migrantenquote. Und die liegt an fast allen Kreuzberger Schulen zwischen 50 und 100 Prozent. …

„Die Eltern haben Angst, dass ihre Kinder von arabischen und türkischen Kindern gemobbt werden“, sagt Hirschmann. Aktuelles Beispiel: Ein arabischer Junge habe einen Mitschüler geschlagen, weil der ein deutsches Fußballtrikot getragen habe. Die Schule habe schließlich ein Fahnenverbot während der Europameisterschaft beschließen müssen, um die Lage zu beruhigen. …

„Die Eltern haben einfach Angst um die Startchancen ihrer Kinder“, begründet Ellen Hansen vom GEW-Schulleiterverband die verbreitete „Kiezflucht“ von Familien.

Nicht, daß das nicht verständlich wäre. Wer Kinder hat und Wert auf deren Bildung (und körperliche Unversehrtheit) legt, mogelt oder zieht gleich aus Kreuzberg weg. Auch türkische Familien tun das. Mein Bekannter Faruk, der in Kreuzberg aufgewachsen ist und heute mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen in einem hübschen Häuschen im Südosten Berlins wohnt, sagt warum: „Ich möchte, daß meine Kinder in der Schule Deutsch lernen und nicht Kanak Sprak.“

Aber diese Ehrlichkeit kann man vom „Taz“-Mitbegründer und seinen grünen Kiezgenossen natürlich nicht erwarten. Da wird lieber von „sozialer Zusammensetzung“ geschwurbelt. Multikulti ist dann eher doch etwas, das man anderen vorschreibt, um beim Auftreten von Konflikten gegen die rassistische Mehrheitsgesellschaft wettern zu können – und nichts, dessen Auswirkungen von seinen Befürwortern dann auch selber ausgehalten werden müssen.

Wer mit den besorgten linksliberalen Eltern diskutieren möchte:

Die Eltern treffen sich am Donnerstag um 20 Uhr in der Passionskirche am Marheineke-Platz.

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