Die Demokratie und ihre Feinde

21. September 2008 § 2 Kommentare

Was die demokratische Verpflichtung zur Meinungsfreiheit betrifft, so gehört sie, wie sich mittlerweile oft und klar genug herausgestellt hat, zu den schlechten selbstmörderischen Defekten der demokratischen Grundkonzeption. Meinungsfreiheit kann überhaupt nur auf der Basis der Gegenseitigkeit gedeihen, sonst verliert sie ihren Sinn, ihre Berechtigung, ja ihre Rechtfertigung. … Meinungsfreiheit, Gedankenfreiheit, Diskussionsfreiheit sichern die Demokratie nur nach innen, nicht gegen außen, nicht gegen einen Feind, der entschlossen ist, ihr den Garaus zu machen. Demokratie ist eine Übereinkunft zwischen zivilisierten Menschen, die sich zur Einhaltung bestimmter Spielregeln verpflichtet haben. Im Fußball ist es verboten, den Ball in die Hand zu nehmen. Im Rugby ist es erlaubt. Die Demokratie muß sich darüber klar werden, daß sie mit Fußballregeln gegen ein Rugby-Team spielt. Sie muß aufhören zu spielen.

Friedrich Torberg, der am 16. September 100 Jahre alt geworden wäre, im Jahr 1961.

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§ 2 Antworten auf Die Demokratie und ihre Feinde

  • Jakob sagt:

    So hübsch das Fußball-Rugby-Bild sein mag, frage ich mich doch, wo da der universalistische Anspruch bleibt. So, wie’s hier steht, ist Demokratie ja ein reiner Partikularismus, eben „unsere Art, zu leben“, gepaart mit einem unterschwelligen „und jedem (anderen) das Seine“. Das ist lediglich die Kehrseite des Kulturrelativismus. Ein emphatischer Demokratiebegriff müsste ja wohl über die reine Tatsache hinausweisen, das gewisse Leute bestimmte Abmachungen miteinander getroffen haben oder in einer Gesellschaft leben, in der bestimmte Abmachungen implizit gelten. Sonst bleiben die „Spielregeln“ willkürlich und entziehen sich jeder Bewertung von einem allgemeinen Standpunkt aus.

  • scrutograph sagt:

    Ist Torberg dann ein Feind der Demokratie oder keiner? Meinungfreiheit soll ein Grunddefekt der Demokratie sein?
    Sie ist der Motor der Demokratie, wird sie ausgebaut, kommt die Demokratie nicht mehr voran.
    Die Meinungsfreiheit kann gar nicht großzügig genug gewährt werden.

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