Gut, daß wir verglichen haben

25. September 2008 § 8 Kommentare

Die so genannte Antifa, die auf der Straße in der Überzahl war und sich gebärdete wie früher die SA, erzwang von der Polizei die Aufgabe des Schutzes der Rechtspopulisten. Das könnte auch mal umgekehrt sein – eine beunruhigende Perspektive.

Das sagt Henryk M. Broder über jene linksradikalen Demonstranten, die in Köln eine genehmigte Anti-Islam-Kundgebung der rechtspopulistischen Wählervereinigung „Pro Köln“ unter dem Applaus der guten Gesellschaft von BAP bis CDU gewaltsam verhindert haben. So beunruhigend es ist, daß Linksextremisten und Zivilgesellschaft im Schulterschluß die Versammlungsfreiheit aushebeln, die eben auch für Organisationen des rechten Randes gilt, solange sie nicht verboten sind, so unsympathisch die so genannte Antifa auch sein mag, so irritierend ist der SA-Vergleich. Müssen es immer die Nazis als Bezugsgröße sein, um Abscheu auszudrücken? Zumal ähnliche Vergleiche in anderen Zusammenhängen mit mehr oder weniger Recht als geschichtsrevisionistisch gelten.

Aber es sollen keine Totschlagvokabeln statt Argumenten in die Debatte geworfen werden. Warum ist der SA-Vergleich mehr als schräg? Weil, wenn man denn eine historische Parallele ziehen will – und warum sollte man nicht, sollten doch in Köln allem Anschein nach die Straßenschlachten aus der Zeit der Weimarer Republik, die mithalfen, jener den Garaus zu bereiten, als Farce nachgespielt werden -, die militante Antifa nicht wie die SA agiert, sondern wie der Rote Frontkämpferbund, die Antifa der Zwanziger.

Und das ist schlimm genug. Die SA-Analogie braucht’s gar nicht. Denn mit Gewalt gegen Demokratie und Rechtsstaat ging auch der Frontkämpferbund vor. Wenn Broder den Nazivergleich heranzieht, dann deshalb, weil er immer noch der Vorstellung anhängt, die Jungs und Mädels von der Antifa seien doch eigentlich nach wie vor die Guten. Kritikabel ist nicht, daß die Antifa als solche agiert, sondern wie früher die SA. Während die Antifa ihrerseits davon überzeugt ist, gegen die neue SA in Gestalt von „Pro Köln“ vorzugehen.

Ohnehin erstaunt die Heftigkeit der Kritik. Schließlich ist es nicht das erste Mal, daß gewalthungrige Linksextremisten unter dem Vorwand des Antifaschismus gegen Personen und Sachen randalieren. Warum wirft Broder der Antifa gerade jetzt SA-Methoden vor? Es wäre hoffentlich ein Irrtum, würde man unterstellen, es hinge mit der politischen Agenda des Gegners zusammen, den sich die Antifa diesmal ausgesucht hat. „Pro Köln“ und die Rechtspopulisten und -extremisten aus ganz Europa, die sich in Köln versammeln wollten, haben sich den Widerstand gegen die drohende „Islamisierung“ Europas auf die Fahnen geschrieben. Ein Kampf, dem sich auch Broder verpflichtet fühlt. Und in der Tat fällt die Kritik an „Pro Köln“ in dem Interview, aus dem das oben angeführte Zitat Broders stammt, recht mau aus. Mauer jedenfalls als die deutliche Abgrenzung Ralph Giordanos, dessen Kritik am Bau einer überdimensionierten Großmoschee in Köln-Ehrenfeld und am islamischen Antisemitismus die Protagonisten von „Pro Köln“ für ihre rassistischen Zwecke instrumentalisieren wollten. „Pro Köln ist für mich die zeitgenössische Variante des Nationalsozialismus, die mich, wenn sie könnte, in die Gaskammer stecken würde“, sagte Giordano. Das saß und tat weh. Warum bekommt Broder so etwas nicht hin?

Vielleicht, weil für ihn nicht „Pro Köln“ sondern der Islam die zeitgenössische Variante des Nationalsozialismus ist. Wer dessen Gegner, und seien sie rechtsextrem, bekämpft, agiert mithin objektiv proislamisch und also profaschistisch. SA eben. Während Kritik an „Pro Köln“ und anderen bräunlich müffelnden Anti-Islamophilen dem gemeinsamen Feind, dem Islam, in die Hände spielen würde. Weshalb sie besser unterbleibt.

Der politische Islam – manche sagen, es gibt nur diesen, das bleibe an dieser Stelle erst einmal unentschieden – ist eine totalitäre, freiheitsfeindliche und gewaltverherrlichende Ideologie. Gründe, ihr Vordringen in Europa zu bekämpfen, gibt es genug. Demokraten würden damit kein Problem haben, gäbe es wirklich einen antitotalitären Konsens. Doch die einen verharmlosen die Gefahr, indem sie diejenigen, die vor dem islamischen Totalitarismus warnen, als „islamophob“, wenn nicht als Nazis denunzieren. Und die anderen, zu denen Broder gehört, machen’s nicht unterhalb von Antifaschismus. Deswegen wird vom Islamfaschismus gesprochen, obwohl man genausogut oder besser vom „Islamkommunismus“ reden könnte. Denn der Islam propagiert die Gleichheit aller Menschen unter dem Gesetz der Scharia. Eine Herrenrasse kennt er nicht. Er ist gegen Ausbeutung und den Terror der Ökonomie, weshalb ihn viele Linke so lieben. Die nahöstlichen Despoten haben mindestens so viel von Stalin übernommen wie von Hitler. Im Kampf gegen Israel bekamen sie Hilfe von Chruschtschow und seinen Nachfolgern. Aber „Kommunismus!“ garantiert eben nicht das selbe Empörungspotential wie „Faschismus!“. Statt der „Notwendigkeit eines neuen Antifaschismus“ (gegen Terror, gegen Isamismus, gegen die iranischen Mullahs und ihre Bombenpläne) könnte man auch einen „neuen Antitotalitarismus“ propagieren. Nur, das klingt eben nicht so sexy, das wäre irgendwie spießig und konservativ und würde die islamkritische Linke verprellen. Es muß schon mindestens 1938 nachgespielt werden, nur so kann man von Appeasement sprechen und eine antifaschistische Volksfront ins Leben rufen, zu der dann irgendwie auch „Pro Köln“ gehört.

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§ 8 Antworten auf Gut, daß wir verglichen haben

  • n.n. sagt:

    bedauerlich – wieder arbeitet sich hier ein rechtschaffender an pro koeln ab: als waeren diese das wrklich problem:

    „Während Kritik an “Pro Köln” und anderen bräunlich müffelnden Anti-Islamophilen dem gemeinsamen Feind, dem Islam, in die Hände spielen würde. Weshalb sie besser unterbleibt.“

    das erfolgte empoerungs-theater und die bundesweit medial inszenierte vilifikation dieser gruppierung, ist offensichtlich nur noch dem verfasser obigen beitrags entgangen.
    zu behaupten, dass „kritik“ an diesen paar hundert fuzzis unterbleibt, zeugt von einer bedauerlichen betriebsblindheit.
    vielleicht ist ja mal die hamas-demo demnaechst eine gelegenheit den finger auf einen echten widerspruch der politischen debattenkultur hier in deutschland zu legen.

  • […] gesprochen, obwohl man genausogut oder besser vom “Islamkommunismus” reden könnte. Gut, daß wir verglichen haben « By the Way, Ingo said … Dieser Eintrag wurde von Daniel Fallenstein am Fr, 26. Sep 2008 um 14:30 geschrieben, abgelegt […]

  • michaeloholmes sagt:

    Weil das alles doch etwas verwirrend ist…

    Henryk Broders Antifakritik in zwei Sätzen:

    Antifas, die Steine schmeissen, Staat und Kapital abschaffen wollen, kommunistische Regime verharmlosen, sich allen demokratischen Spielregeln verweigern und für Palästina sind, sind Nazis. Punkt.

    Antifas, die Steine schmeissen, Staat und Kapital abschaffen wollen, kommunistische Regime verharmlosen, sich allen demokratischen Spielregeln verweigern und für Israel sind, sind Verbündete, die gegen jede Kritik in Schutz genommen werden müssen, zur Not auch durch die Löschung bereits erschienener Texte.

    Der letzte Antitotalitarist bei der Achse möge das Licht ausmachen.

  • Scrutograph sagt:

    „Müssen es immer die Nazis als Bezugsgröße sein, um Abscheu auszudrücken?“

    Wer würde andere Bezugsgrößen verstehen? Wer kennt zum Beispiel den Rotfrontkämpferbund und weiß noch von dem Terror, den dieser verbreitete?

    Geht es Broder also um Massenwirksamkeit? Dass jemand seine Vergleiche noch versteht?

  • Scrutograph sagt:

    Dazu kommt: Der NS ist die einzige totalitäre Diktatur, die auch die Westdeutschen erlebt haben.

    Zudem erinnert die Mobilisierung „gegen rechts“ mit Plakaten wie „Nazifreie Stadt Köln“ in der Tat an die deutsche Vergangenheit und der Mobilisierung der Neonazis die „National befreite Zonen“ ausrufen.

    Das heißt also, dass die deutsche Gesellschaft (mit veränderten Inhalten) immer noch so funktioniert, wie sich das unter dem Einfluss der Massenmedien, Konformitätsdruck und Ausgrenzung von Minderheiten in den 1930er Jahren entwickelt hat.

  • Scrutograph sagt:

    Der Vergleich mit den historischen Kommunisten wäre in gewisser Hinsicht absurd, weil man vieles über die Kommunisten behaupten kann, aber nicht, dass sie jemals sich für den Bau von Gotteshäusern stark gemacht hätten. Dadurch sind sie jedenfalls früher nicht aufgefallen.

  • Ingo Way sagt:

    Alles, was sich gegen die bürgerliche Gesellschaft in Stellung bringen läßt, haben Kommunisten zu jeder Zeit dankbar aufgegriffen. Heute sind’s halt islamische Gotteshäuser. (Und nicht etwa Gotteshäuser schlechthin: für christliche Krichen oder buddhistische Zentren würden sich Kommunisten auch heute nicht stark machen.)

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