Muffensausen

28. März 2008 § 2 Kommentare

Der dänische Karikaturist Kurt Westergaard gehtgerichtlich gegen den Anti-Islam-Film des niederländischen Politikers Geert Wilders vor. Das kündigte Dänemarks Journalistenverband amFreitag in Kopenhagen an. Wilders habe die international bekannteMohammed-Karikatur Westergaards ohne Genehmigung verwendet. Mandistanziere sich in aller Form davon, dass die Zeichnung mit demPropheten Mohammed als Terrorist mit einer Bombe im Turban «fürpolitische Propaganda missbraucht wird», sagte Verbandschef Mogens Bjerregård.Westergaard sagte im Rundfunk, Wilders habe die Karikatur «ineinem völlig falschen Zusammenhang für eigene Zwecke benutzt und deshalb missbraucht». Der Niederländer setzt in seinem 15-minütigen, am Donnerstag im Internet veröffentlichten Film den Islam mit dem Faschismus gleich und verlangt ein Verbot des Korans. Am Anfang und am Ende des Streifens ist die dänische Karikatur zu sehen.

Westergaard lebt auf Anraten des dänischen Geheimdienstes PET wegen Morddrohungen an wechselnden Adressen. Seine Zeichnung war 2005 mit elf weiteren Mohammed-Karikaturen in der größten dänischen Zeitung «Jyllands-Posten» erschienen. Auch der Kulturchef des Blattes, Flemming Rose, distanzierte sich von dem Wilders-Film. Mehrere Monate nach dem Erscheinen der Zeichnung in der betont islam-kritischen Zeitung waren bei massiven Protesten in islamischen Ländern mehr als 150 Menschen ums Leben gekommen. (dpa)

Hausordnung

27. März 2008 § Hinterlasse einen Kommentar

Gastbeitrag von Ella Greifer (Tel Aviv)

Der dänische Karikaturist Kurt Westergaard, der zur Zeit wegen seiner Mohammed-Karikatur bedroht wird, erinnert sich nostalgisch an bessere Tage:

He recalled a cartoon he did years ago to complement an article defending Palestinians against Israelis, “not because this was my belief but because my job was to illustrate the views in this article, and I showed a Palestinian wearing a yellow star with ‘Arab’ on it.” He continued: “Many people called to protest. One man said I had abused a Jewish symbol. We talked for a long time and finally accepted each other’ s viewpoint.” It was the talking, he said, that mattered.

Selbstverständlich ließ Westergaards jüdischer Kritiker sich letztlich zum Verständnis breitschlagen. Er wußte schließlich, daß er im christlichen Europa nie ganz zu Hause wäre und er also die Hausordnung seines „Gastgebervolkes“ zu akzeptieren hat, wolle er dieses nicht reizen. Der zur freiheitsbegeisterten 68er-Generation gehörende Cartoonist war sicher gekränkt, als ihm Antisemitismus vorgeworfen wurde. Es war für ihn lediglich eine Selbstverständlichkeit, daß der Jude kein „Zuhause“ haben darf, wo’s nach seinem Geschmack zugeht. Seine Zeichnung thematisierte zwar keine der bekannten Mythen über Brunnenvergiftungen oder Weltherrschaftsambitionen, es brachte lediglich die Empörung darüber zum Ausdruck, daß der Jude sein eigenes Zuhause haben will und, wird es überfallen, es sogar zu verteidigen wagt, als ob er ein Mensch wie jeder andere wäre.

Diese Haltung gilt der 68er-Generation nicht als rassistisch – im Unterschied etwa zu den Kreuzzügen, die als Europas Ursünde gelten, obwohl das „Heilige Land“ bis heute mindestens zehnmal den Besitzer gewechselt hat. Noch schlimmer als die Kreuzzüge war freilich die Anerkennung Israels durch die Weltgemeinschaft. Die 68er-Helden warfen salbungsvoll die Frage auf: „Wie konnte man einem Volk das Land eines anderen Volkes zusprechen?“ – und liefen schnell davon, um die zahlreichen plausiblen Antworten nicht hören zu müssen. Denn sie hatten Israel längst zum Sühne- und Versöhnungsopfer auserkoren, zur feierlichen Schlachtung auf dem Altar der Dritte-Welt-Anbetung.

Selbstverständlich fiel ihnen nicht auf, daß ihre „fortschrittliche“ Haltung auf eine zweitausendjährige Tradition zurückblicken konnte. Das Judenschlachten galt seit jeher als Allheilmittel gegen Pestseuche, Wirtschaftskrise, Kriegsniederlage, … Es war halt so selbstverständlich wie das Prosareden von Molières Monsieur Jourdain.

Und nun muß unser armer Cartoonist in den Untergrund gehen und um sein Leben bangen, weil er bei sich zu Hause, in seinem eigenen Lande, so leben will, wie es ihm gefällt, wie es seiner postchristlichen Kultur entspricht – und es stellt sich heraus, daß er es nicht mehr darf. Er hat nämlich die Ordnung zu akzeptieren, die von denen mitgebracht worden ist, die sich als die neuen Herren aufspielen. Wenn es nach diesen geht, ist sein Zuhause nicht mehr seines, bestenfalls könne er eine Mietwohnung beanspruchen, wenn er sich benimmt.

Und siehe da … er findet es gar nicht so selbstverständlich. Er ist bereit zu kämpfen, er verteidigt sein Land, er läßt sich nicht so ohne weiteres sein Zuhause nehmen … Nein, er, der doch kein Jude ist, darf doch nicht wie einer behandelt werden!

Wo bin ich?

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