Götz Aly …

3. November 2008 § Hinterlasse einen Kommentar

… in Jerusalem.

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Richard Löwenthal zum 100.

15. April 2008 § Hinterlasse einen Kommentar

Der jüdische Sozialdemokrat und Politikwissenschaftler Richard Löwenthal wurde von den maoistischen 68er-Studenten verfemt und ist deswegen heute nahezu vergessen. Heute wäre er 100 Jahre alt geworden. Eine schöne Würdigung erfährt er durch den Historiker Heinrich August Winkler in der WELT.

Auch Furor kann witzig sein

19. März 2008 § Hinterlasse einen Kommentar

Auch Hannes Stein findet Götz Alys 68er-Buch gut. Und interessant: Gerade den Vorwurf vieler Rezensenten, Alys „Furor“ kranke an Humorlosigkeit, teilt Hannes Stein nicht: „Das Buch ist streckenweise sehr witzig.“ Was wiederum meinem Leseeindruck entspricht.

Der Vatermord, der die Falschen traf

6. März 2008 § Hinterlasse einen Kommentar

Marko Martin erinnert an eine freiheitliche Tradition, die mit der Reeducation, verkörpert nicht zuletzt durch jüdische Remigranten, die keine Nachhilfe in Sachen Antifaschismus brauchten, nach Deutschland kam und durch die Arroganz und Aggressivität der Neuen Linken um 68 in Vergessenheit geraten ist: den liberalen Antitotalitarismus.

Wer sich in Archive begibt, um langjährige Interpretationen – sprich: Lebenslügen – mit historischen Quellen und Primärtexten abzugleichen, gerät leicht in den Ruch des Besserwissers, Nachtreters, ja des Denunzianten. Zuletzt hatte der Historiker Götz Aly diese Erfahrung machen müssen, als er für sein Buch „Unser Kampf 1968 – ein irritierter Blick zurück“ recherchierte und zum argen Verdruss seiner ehemaligen Genossen so manch teutonisch unappetitliches Schriftstück zutage förderte, welches das bis heute wirkungsmächtige Selbstbild der 68er als liberal-libertäre Modernisierungs-Avantgarde gründlich konterkarierte.
(In Antiquariaten lassen sich) Exemplare der liberalen Kulturzeitschrift „Der Monat“ finden, die 1948 auf Initiative der Amerikaner gegründet worden war, um den desorientierten Nachkriegsdeutschen angelsächsische Demokratietradition näher zu bringen, aber auch jene urbane Moderne-Neugier und den Antitotalitarismus, den die einst von Hitler vertriebenen Intellektuellen im Gepäck hatten: Hannah Arendt, Franz Borkenau, Arthur Koestler, Manés Sperber, Hans Sahl, Walter Mehring oder Hilde Spiel. …
Im damals noch viel gelesenen „Monat“ jener Jahre zu schmökern, bedeutet nichts Geringeres, als sich von einer Legende zu verabschieden: Denn ja – es passte sehr wohl ein gewichtiges Blatt zwischen „Bild“-Schlagzeilen einerseits und SDS-Verlautbarungen andererseits. Und nein – es waren weder allein knarzige Altreaktionäre, welche die Studentenbewegung damals kritisierten, noch windelweiche Fellow-Traveller, die gleichzeitig so manchen Aspekt des Protestes für legitim und zukunftsweisend hielten. … Was, fragt man sich im Rückblick, hätte daraus für ein spannendes Generationsgespräch werden können!

Bereits zwei Jahre zuvor, im November 1966, hatte Hellmut Jaesrich an gleicher Stelle warnend zu bedenken gegeben: „Die blinden Eiferer der 50er-Jahre sind durch genauso blinde Eiferer mit umgekehrter Front abgelöst worden. Damals glaubten alle naiven Gemüter, wenn etwas schiefgegangen war, könne es nur an den bösen Kommunisten liegen. Heute glaubt dieselbe Art von Menschen, alles wäre leichter, wenn nicht überall die bösen Antikommunisten steckten und die braven Geister in ihrer Arbeit behinderten.“
Freilich hatte der „Monat“ – selbst zu ideologischen Hochzeiten – nie einen derlei kollektiv brabbelnden Sonntagsreden-Antikommunismus gepflegt, sondern stets die Fahne individueller Selbstreflexion hochgehalten. Es zählt zu seinen tragischen, letztlich aber auch sympathischen Irrtümern, dass man glaubte, ein solch kohärenter und dazu biografisch beglaubigter Antitotalitarismus müsse als Grundkonsens doch weiterhin unbestritten bleiben.

… Einer, der dies mit Sorge sah, war überraschenderweise – Günter Grass …: „Zwar müssen Mao, Marx und Marcuse die Zitate hergeben, doch mir will es vorkommen, als versuche sich wieder einmal der deutsche Idealismus mithilfe des Studentenprotestes zu regenerieren. Denn woher kommt diese Sucht, Bilder als Vorbilder und die rote Fahne als Wert an sich durch die Straßen zu führen? Der tote Revolutionär Che Guevara als Pin-up … Woher kommen diese Alles-oder-nichts-Forderungen, wenn nicht aus der gutgedüngten Kleingartenerde des deutschen Idealismus?“ Und beinahe prophetisch den kommenden Weg Horst Mahlers von SDS zu RAF zu NPD antizipierend: „Wer gestern noch seine schönpolierte Musiktruhe mit der Internationalen bediente, wird morgen Götterdämmerung auflegen und dem Urraunen lauschen wollen.“
… Politischer Liberalismus in den Jahren um 1968 reimte sich keineswegs nur auf den Namen FDP und verstand es, auf hohem intellektuellem Niveau Debatten zu führen. … Genutzt hat es freilich nicht viel. All die ideologische Wirrnis, die man mitsamt ihrem machttechnischen Mörder-Hintergrund jahrzehntelang von allen Seiten beleuchtet hatte, begann nun als „frenetischer Meinungssuff“ (Manés Sperber) erneut in beträchtlichem Maße junge Köpfe zu vernebeln. Vielleicht aber hätte „Der Monat“ ohnehin keine Chance mehr gehabt. Vermutlich hatte die gängige Rede vom „unausweichlichen Generationenkonflikt“ ja vor allem diesen deprimierend darwinistischen Kern: Die Alten mussten weggebissen werden.

Götz Aly: „Unser Kampf“. Eine Rezension

22. Februar 2008 § 7 Kommentare

Will da etwa einer den Nationalsozialismus relativieren? Der Buchtitel Unser Kampf, bezogen auf die Studentenbewegung um das Jahr 1968, läßt darauf schließen. Denn immerhin waren es doch die 68er, die mit der bundesdeutschen Verdrängung der NS-Zeit Schluß gemacht und sich die Aufarbeitung der deutschen Verbrechen auf ihre Fahnen geschrieben haben – und nebenbei der Bundesrepublik zur längst fälligen Liberalisierung und Demokratisierung verhalfen. So jedenfalls die gängige Meinung, die durch die in den vergangenen Jahren verschiedentlich geäußerte Kritik an Auswüchsen der 68er-Bewegung kaum ins Wanken gebracht worden ist.

Götz Aly, Historiker und ausgewiesener NS-Experte – 1968 selbst ein radikaler Linker –, bestreitet diese Deutung vehement. Seine These: Die Studentenbewegung war ein „Spätausläufer des Totalitarismus“, die linken Studenten verachteten Pluralismus und Demokratie und waren darin ihren Nazi-Eltern ähnlicher, als es ihnen lieb war; sie waren der Gewalt zugetan, fröhnten einer deutsch-romantischen Gemeinschaftsideologie und interessierten sich kein bißchen für die Aufarbeitung der NS-Zeit. „Faschismus“ war ihnen eine bloße Chiffre für gegenwärtige Zustände, die ihnen nicht behagten, und hatte nichts mit dem spezifisch deutschen Menschheitsverbrechen der Schoa zu tun. Folgerichtig glitten die Protagonisten in Antiamerikanismus und Antizionismus ab. Die Abwendung von Israel und den Juden war laut Aly Ausdruck der Schuldabwehr – der bundesdeutsche Staat hatte nämlich mit den Auschwitz- und weiteren NS-Prozessen seit Anfang der 60er-Jahre der deutschen Gesellschaft ihre Verbrechen vor Augen geführt. Die Scham über das Verhalten ihrer Eltern hätten die linken Studenten nicht ertragen und die deutsche Schuld in abstrakten marxistischen Kategorien aufgelöst und nebenbei – im Falle Israels – die Opfer zu Tätern umgedeutet.
Einige der bisher erschienenen Rezensionen zeigen in ihrer Aufgeregtheit, daß Aly zumindest einen Nerv getroffen hat. Auffällig sind die vielen Ad-hominem-Argumente: Aly sei ein „Renegat“, dessen „Furor“ auch nicht besser sei als das, was er kritisiere; er müsse sich zwanghaft an seiner eigenen Geschichte abarbeiten und sei außerdem bloß neidisch, daß er es nicht zur C4-Professur gebracht habe. Diese für eine sachliche Debatte, gelinde gesagt, irrelevanten Einwürfe sind symptomatisch für ein Debattenklima, in dem in Bezug auf 68 augenscheinlich der Grundsatz gilt, daß die Gesamtbilanz unterm Strich gefälligst positiv zu sein habe.

Selbstverständlich hat Alys Buch Schwächen. Sein problematischster Punkt – der es seinen Kritikern besonders leicht macht – ist die Parallelisierung der 68er-Studentenrevolte mit der NS-Studentenschaft von 1933. Zwar findet Aly hier in der Tat beängstigende Parallelen. In Gestus und Wortwahl lesen sich manche NS-Flugschriften wie linke Flugblätter der 70er-, 80er- und der 90er-Jahre. Beide Bewegungen richteten sich gegen die „Spießer“ (Baldur von Schirach) und das „kapitalistische Bildungsmonopol“ (Fritz Hippler), beide beklagten sich über angebliche Polizeischikanen und richteten eine Rote Hilfe (68 ) beziehungsweise eine Vaterländische Gefangenenhilfe (33) ein. Auch Wohngemeinschaften gab es 1933 schon, und sie wurden auch genau mit diesem Wort bezeichnet. Ob diese unbestreitbaren Ähnlichkeiten jedoch bloß zufällige Oberflächenphänomene sind oder eine strukturelle Verwandtschaft beweisen, dies zu klären, bleibt weiterhin Aufgabe der Zeitgeschichtsforschung. Alys zweifellos unterhaltsamer polemischer Essay kann allenfalls eine, zunächst steil klingende, These aufstellen.
Und doch hat Aly sich diese Parallele nicht ausgedacht. Es waren jüdische Remigranten, Verfolgte des NS-Regimes, die den totalitären Charakter der Studentenbewegung erkannten und auf die Nähe zu den Nazis explizit hingewiesen haben. Zu diesen gehörten Max Horkheimer und Theodor W. Adorno – ironischerweise Ikonen der Linken. Es sind aber vor allem die Politologen Richard Löwenthal und Ernst Fraenkel, auf die Aly sich bezieht. Sein Buch ist streckenweise beinahe eine Huldigung an diese beiden jüdischen Sozialdemokraten und Wissenschaftler, die an der Freien Universität Berlin lehrten. Statt sich an diesen zu orientieren – beide hatten bereits in der Emigration Forschungen zum Nationalsozialismus angestellt, die sie in der Bundesrepublik fortführten –, liefen die radikalen FU-Studenten dem linksgewendeten Altfaschisten Johannes Agnoli hinterher, den Fraenkel als „demagogischen Clown“ bezeichnete. Fraenkel bot sich auch an, den Faschismusvorwurf gegen linke Studenten in einem Gerichtsprozeß als Gutachter zu bestätigen. Löwenthal warnte unterdessen in Diskussionen mit Dutschke davor, daß der Versuch, die perfekte utopische Gesellschaft zu schaffen, zwangsläufig in einer Diktatur enden muß. Auch auf die Mao-Begeisterung der Studenten reagierten Fraenkel und Löwenthal mit Fassungslosigkeit, und nicht nur sie. Beiden wäre es nicht in den Sinn gekommen, in solchen Warnungen eine Verharmlosung des Holocaust zu sehen, dem sie knapp entgangen waren. Wieso sollte das der Fall sein, wenn man die 68er-Bewegung rückblickend ähnlich beurteilt? Dieser Vorwurf scheint eher der Ehrenrettung derjenigen zu dienen, die dabei waren und ihren Spaß hatten.

Im Streit um die von den Grünen in Berlin-Kreuzberg gewünschte Umbenennung eines Teils der Axel-Springer-Straße in Rudi-Dutschke-Straße macht Götz Aly am Ende des Buches dann einen wahrhaft salomonischen Vorschlag: Man solle sie doch am besten in Richard-Löwenthal-Promenade umtaufen.

Götz Aly: Unser Kampf. 1968 – ein irritierter Blick zurück

Fischer, Frankfurt/M. 2008, 256 S., 19,90 €

(erschienen in der Jüdischen Allgemeinen vom 21. Februar)

Endlich: Götz Aly als Antisemit entlarvt!

13. Februar 2008 § Ein Kommentar

Ein weiteres trauriges Beispiel linksradikalen Wahns von Clemens „Dr. phil.“ Heni.

Schuldabwehr

29. Januar 2008 § Hinterlasse einen Kommentar

In der Berliner Zeitung schreibt Götz Aly eine Sammelrezension über diverse Bücher zum Thema 1968:

  • Von ihren früheren Unworten und Untaten reden die Achtundsechziger nicht gerne. Stattdessen verstecken sie sich hinter dem Terror der RAF, dem „durchgeknallten“ Andreas Baader, der „kalten“ Gudrun Ensslin oder der „verzweifelten“ Ulrike Meinhof. Nach derselben Methode verfuhren die Deutschen 1945. Statt über ihr eigenes Handeln nachzudenken, dämonisierten sie Adolf Hitler zum einzig Schuldigen. Wie die hier vorzustellenden Neuerscheinungen zu 1968 zeigen, stricken die revolutionären Ruheständler ihre Biografien fast alle nach dem Muster, das Franz Schönhuber 1983 zum Titel seiner verklärenden Erinnerungen an die Waffen-SS erhob: „Ich war dabei“. Demnach kann, wer nicht dabei war, auch nicht mitreden. Im Ton sind die älteren 68er-Herrschaften ziemlich defensiv geworden, frei nach dem auch schon bekannten Motto „Es war nicht alles schlecht“.

Kurz zuvor hatte Aly mit Katharina Rutschky über ’68 diskutiert.

(Via Sendungsbewußtsein.)

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